Basketball : Nächtlicher Lernstoff

Beim Pflichtsieg im Uleb-Cup integriert Alba erfolgreich den Basketballprofi Aleksandar Rasic. Womöglich bleibt der Spielmacher länger bei Alba als gedacht.

Benedikt Voigt

BerlinAls der Basketballprofi Aleksandar Rasic am Montagabend gegen 21.30 Uhr in seinem neuen Apartment in der Nähe des Berliner Nordbahnhofs eintraf, wartete bereits Kotrainer Petar Aleksic mit einem Stapel Papier auf ihn. „Er hat mir Albas Spielsysteme gezeigt“, berichtete der neuverpflichtete Spielmacher von Alba Berlin. Gegen ein Uhr nachts beendete der Berliner Kotrainer die Lektion, am Morgen im Abschlusstraining folgte für Rasic noch eine 20-minütige praktische Einführung in den nächtlichen Lernstoff. Als er dann in der achten Minute erstmals für Alba Berlin auf das Spielfeld der Max-Schmeling-Halle kam, dauerte es nur noch wenige Sekunden, bis er mit dem Zeigefinger der rechten Hand das erste System anzeigte: Eins runter.

Die 22-stündige Blitzintegration des neuen Spielmachers Aleksandar Rasic bei Alba Berlin darf als gelungen bezeichnet werden. Zwar hat der 23-jährige serbische Nationalspieler beim 85:70 (47:40) im Uleb-Cup gegen den litauischen Klub BC Siauliai in zehn Minuten keinen einzigen Punkt erzielt, doch werteten das die Verantwortlichen der Berliner eher positiv. „Er hat gespielt wie ein erfahrener Spieler, ich habe nicht einen Fehler gesehen“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Auch Trainer Luka Pavicevic freute sich: „Er hat uns auf vielfältige Weise geholfen.“ Aleksandar Rasic gab einige spektakuläre No-look-Pässe, warf aber nicht einmal auf den Korb. „Ich hatte nicht die Gelegenheit zum Werfen“, sagte er, „ich bin ein Spieler, der lieber passt als wirft.“

Endlich konnten die Berliner wieder neun Spieler aufbieten, die, abgesehen von fünf Minuten im letzten Viertel, eine ansehnliche Leistung boten. Kein Spieler fiel leistungsmäßig ab, am meisten profitierte der US-Amerikaner Julius Jenkins von der Ankunft des neuen Spielmachers. Statt 37 Minuten wie im Uleb-Cup-Spiel in Badalona (67:79), in dem er auch als Aufbauspieler aushelfen musste, konnte er in 32 Minuten 21 Punkte erzielen. Albas wichtigste Personallücke ist nun gefüllt, die Suche nach einem Flügel- und Centerspieler wird als nicht ganz so dringlich angesehen.

Alba besitzt fortan zwei hochwertige Aufbauspieler, doch Patrick Femerling sieht keine Probleme durch die neue Konkurrenzsituation. „Man macht sich im Training gegenseitig besser“, sagte der Mannschaftskapitän. So beeindruckte auch der erste Aufbauspieler Bobby Brown mit einem No-look-Pass und einem spektakulären Dunking. „In der Mannschaft ist Platz für zwei Aufbauspieler“, sagte er anschließend.

Rasic hatte bereits vor zehn Tagen seine Bereitschaft zum Wechsel von Dynamo Moskau zu Alba erklärt, doch Trainer Svetislav Pesic musste seinen Klub erst noch überzeugen, dass ein Ausleihgeschäft das Beste für alle Seiten sei. „Vielleicht spiele ich auch länger hier“, sagte Rasic, „aber das muss man nach der Saison besprechen.“ In der Kabine hatte er dann noch seinen alten und neuen Teamkollegen Mladen Pantic gefragt, warum er seinen schönsten Pass nicht gefangen habe. „Ich habe ihn dafür kritisiert“, berichtete Rasic und lächelte. Spätestens in diesem Moment war der erste Teil seiner Integration tatsächlich abgeschlossen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben