Basketball-Nationalmannschaft : Ende der Entfremdung

Chris Fleming wird die Basketball-Nationalmannschaft definitiv abgeben. Henrik Rödl als Nachfolger scheint die Idealbesetzung zu sein.

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Der Chef und sein Noch-Assistent. Chris Fleming und Henrik Rödl (rechts).
Der Chef und sein Noch-Assistent. Chris Fleming und Henrik Rödl (rechts).Foto: MacDougall/AFP

Nach Jahren des Hin und Hers dürfen sich die deutschen Basketball- Nationalspieler ab dem Herbst wohl auf Kontinuität freuen. Bundestrainer Chris Fleming hat im Fachmagazin „Big“ bestätigt, dass er nach der Europameisterschaft sein Amt aufgibt und nur noch als Co-Trainer in der NBA arbeitet. Flemings Assistent Henrik Rödl wird dann das Team übernehmen – der langjährige Alba-Profi darf als Idealbesetzung für die Position gelten.

Zuletzt sagten viele Spieler dem Trainer ab

Fleming ist ein absoluter Fachmann, der mit Bamberg etliche Titel in Deutschland gewonnen hat. Zuletzt war er aufgrund seines Engagements bei den Brooklyn Nets aber zu weit entfernt von der Bundesliga und dem Großteil seiner Nationalspieler. Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) tat sich auch keinen Gefallen damit, seine wichtigste Trainerstelle – aus finanziellen Gründen – quasi als Nebenjob ausüben zu lassen. Flemings Autorität war das nicht zuträglich: Bei der Heim- EM 2015 nahm sich Dennis Schröder heraus, den Trainer vor laufenden Kamera zu kritisieren. Zuletzt hatte Fleming zudem mit etlichen Absagen wichtiger Spieler zu kämpfen.

Dasselbe Probleme kannten auch Flemings Vorgänger Emir Mutapcic und Frank Menz, die – offiziell oder inoffiziell – als Platzhalter für kommende Trainer behandelt wurden. Die Folge war eine schleichende Entfremdung der deutschen Basketballer von der Nationalmannschaft. Für viele Spieler war es wichtiger, im Sommer endlich einmal Urlaub zu machen oder sich in der Summer League der NBA zu präsentieren, als das deutsche Trikot zu tragen. Was nach dem Abschied von Dirk Nowitzki fehlte, war eine prägnante Identifikationsfigur.

Für Rödl hatte das Nationalteam immer Priorität

Diese Rolle kann Henrik Rödl einnehmen, nicht nur dank seiner 178 eigenen Länderspiele. Der 48-Jährige hat viele Jugend-Auswahlteams betreut und kennt die aktuelle Generation, in der Bundesliga ist er bestens vernetzt. Für Rödl hatte das DBB-Team immer Priorität, das wird er auch von seinen Spielern verlangen. Künftig soll es zudem mehr Länderspielpausen geben, der Bundestrainer und sein Team sehen sich zwangsläufig häufiger und rücken enger zusammen. Die Spieler dürfen sich auf also Kontinuität und Leidenschaft freuen – sie müssen aber auch Kontinuität und Leidenschaft zeigen, wenn sie das deutsche Trikot tragen wollen.

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