Basketball-Nationalmannschaft : Noble Geste mit Eigennutz

Lars Spannagel über Femerlings Comeback im Basketball-Nationalteam.

Lars Spannagel

Nun also doch: Patrick Femerling wird in diesem Sommer für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft spielen. Der 34-Jährige war nach den Olympischen Spielen im vergangenen Sommer nach vielen Jahren als Kapitän zurückgetreten, um jüngeren Spielern Platz zu machen. Jetzt ist aber klar geworden, wie jung diese Spieler wirklich sind: Die drei vorgesehenen Center kommen zusammen auf 27 Länderspiele. Femerling hat 209. Der 2,15-Meter-Mann wird gebraucht – und könnte auch selbst von seiner noblen Tat profitieren.

Bundestrainer Dirk Bauermann hat in den letzten Tagen immer wieder betont, wie angetan er von Femerlings Angebot war, seine Erfahrung bei der EM in Polen einzubringen. Das ist sicher richtig: Nach einer Saison voller Verletzungen reißt man sich im fortgeschrittenen Basketball-Alter nicht darum, sich durch ein hartes EM-Turnier zu kämpfen. Ganz uneigennützig ist Femerlings Entscheidung aber nicht. Momentan steht er ohne Verein da, Alba Berlin wird künftig auf seine Dienste verzichten. In Polen kann er sich potenziellen Arbeitgebern zeigen und beweisen, dass sein Körper immer noch fit genug für die europäische Spitze ist. Vielleicht hat sich Femerling vorher mit Nationalspieler Demond Greene unterhalten: Der hatte Bauermann für die EM bereits abgesagt, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Als sein Vertrag in Bamberg nicht verlängert wurde, schlüpfte er flugs wieder in das Trikot mit dem Adler.

Femerling weiß sicher auch, dass sein Comeback nach hinten losgehen könnte, falls die EM für Deutschland in einer Blamage endet – die dann auch mit seinem Namen verbunden würde. Anscheinend vertraut er seinen jungen Mitspielern aber doch genug, um dieses Risiko einzugehen.Seite 19

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