Basketball : Nervenkrieg an der Freiwurflinie

Alba Berlin siegt 75:72 in Braunschweig - das Spiel hatte eine besondere Bedeutung.

Helen Ruwald[Braunschweig]

Sie spielten in Braunschweig und sprachen über Bosnien. Das Uleb-Cup-Aus bei Bosna Sarajevo am vergangenen Dienstag hatte den Basketballern von Alba Berlin lange zu schaffen gemacht, und so bekam der hart erkämpfte 75:72 (33:29)-Sieg gestern im Bundesligaspiel bei den New Yorker Phantoms eine besondere Bedeutung. „Nach dem tragischen Ausgang bei Bosna ist es wichtig, dass wir ein knappes Spiel gegen eine physisch starke Mannschaft gewonnen haben“, sagte der Berliner Kapitän Patrick Femerling erleichtert. In Sarajevo war Alba im letzten Viertel eingebrochen und hatte mit 15 Punkten Unterschied verloren. „Wir haben bewiesen, dass wir eine schwierige Situation meistern können“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic nach einem packenden Bundesligaspiel in Braunschweig, in dem Julius Jenkins nur in der ersten Halbzeit zum Einsatz gekommen war. Er hatte seine Grippe überwunden, doch ein Hautausschlag schwächte ihn.

Groß war der Respekt vor dem Bundesliga-Tabellenführer Alba nicht, obwohl die Braunschweiger nur als Neunter antraten. Der Hallensprecher tönte vor 4822 Zuschauern: „Am 3. November haben wir Bamberg geschlagen. Es ist genau der richtige Zeitpunkt, wieder einen Tabellenführer zu besiegen.“ Dazu kam es zwar nicht, doch viel hätte nicht gefehlt. Am Ende hatte Alba zwar deutlich mehr Ballverluste, setzte sich aber im Rebound-Duell klar durch und nutzte den Vorteil von 31 zugesprochenen Freiwürfen. Außerdem profitierten die Berliner von Braunschweiger Foulproblemen.

17:6 führten die Gäste kurz vor Ende des ersten Viertels, Albas Spielmacher Bobby Brown hatte schon acht Punkte gemacht und schien sich den Frust von der Seele zu spielen. In Bosnien war er den Beweis, das Team in entscheidenden Situationen führen zu können, schuldig geblieben. Gestern war er mit 24 Punkten Topscorer, zweitbester Berliner Werfer war Goran Nikolic (18). Doch die Berliner Dominanz war nicht von Dauer. Nach 25 Minuten führte Braunschweig 40:39. Nachdem die Gastgeber 90 Sekunden vor dem Ende mit einem Distanzwurf zum 69:69 ausgeglichen hatten, ging der Nervenkrieg an der Freiwurflinie in die entscheidende Phase. Albas Aleksandar Rasic traf zweimal, John Allen, mit 17 Punkten bester Braunschweiger, hatte die Chance, wieder auszugleichen. Das erste Mal traf er, das zweite Mal scheiterte er. Kurz darauf setzte er den Ball bei einem Feldwurf an den Ring. Dijon Thompson vergab für die Gäste zwei Freiwurfchancen, doch Alba war der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Für den jetzigen Braunschweiger und früheren Alba-Trainer Emir Mutapcic ist Alba die „beste Mannschaft in Deutschland“. Jedenfalls sagte er das gestern.

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