Sport : Basketball: Neue Dimensionen

Er kam, sah und traf. Nicht nur erstmals auf seine Nationalmannschafts-Kollegen, die sich schon seit drei Wochen auf die Basketball-Europameisterschaft vorbereiten, sondern auch am häufigsten in den gegnerischen Korb. 25 Punkte steuerte der NBA-Star Dirk Nowitzki zum Auftakt des Vier-Nationen-Turniers in Novo Mesto (Slowenien) zum 85:84 (46:46)-Sieg über die Türkei bei. Ein viel versprechender Einstand des Deutschen knapp zwei Wochen vor der EM vom 31. August bis 9. September in der Türkei. Nowitzki präsentierte sich auf Anhieb als Stabilisator des in den bisherigen Testspielen noch nicht gefestigten deutschen Teams. "Im ersten Viertel habe ich die beste Leistung einer deutschen Nationalmannschaft seit meinem Amtsantritt vor vier Jahren gesehen", sagte Bundestrainer Henrik Dettmann.

"Dirk bringt das deutsche Spiel in eine andere Dimension. Die anderen Spieler orientieren sich an ihm, werden selbstbewusster und bringen dadurch bessere Leistungen", sagte Dettmann über die Führungsqualitäten des erst 23 Jahre alten Spielers der Dallas Mavericks. Nowitzki, dem nach strapaziöser NBA-Saison mit rund 100 Spielen ein verlängerter Urlaub eingeräumt worden war, quittierte das Lob mit Bescheidenheit: "Für den Anfang lief es ja schon ganz ordentlich." Vor seinem Debüt hatte Nowitzki gerade mal vier Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert.

Wolfgang Brenscheidt, der Sportdirektor des Deutschen Basketball Bundes (DBB), hielt Nowitzkis Selbsteinschätzung für untertrieben. "Dirk gibt der Mannschaft Stärke und Struktur, die mit ihm viel variabler ist. Seine Dominanz ist schon beeindruckend. Der Gegner, von dem er meist zwei Gegenspieler bindet, ist auf ihn focussiert", sagt Brenscheidt.

Die auffälligsten Profiteure von Nowitzkis Präsenz auf dem Spielfeld waren zwei junge Akteure von Alba Berlin, die an der Seite von Nowitzki über sich hinauswuchsen. Der 22-jährige Stefano Garris glänzte mit 17 Korbpunkten und guter Verteidigungsarbeit gegen den türkischen Star Ibrahim Kutluay. Zum Matchwinner avancierte ein Mann, der sich wie Garris berechtigte Hoffnungen machen kann, sich noch in den endgültigen Zwölfer-Kader für die EM zu spielen: Mithat Demirel. Ausgerechnet dem 23-jährigen gebürtigen Türken gelang vier Sekunden vor der Schlusssirene der Sieg bringende Korb.

Nach der Entscheidung gegen Vladimir Bogojevic und für den eingebürgterten Shawn Bradley von Nowitzkis Club Dallas soll Demirel das entstandene Vakuum auf der Spielmacher-Position ausfüllen. Mit solidem Aufbauspiel, präzisen Distanzwürfen von der Dreierlinie und insgesamt 15 Punkten deutete Demirel seine Qualitäten an. Und wenn er mal unter Druck geriet, dann übernahm Nowitzki wie selbstverständlich auch den Part des Spielmachers.

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