Basketball : Noch einmal staunen

Der Einzug ins Eurocup-Final-Four wäre für Alba der größte internationale Erfolg seit dem Sieg im Korac-Cup.

Helen Ruwald

Berlin - Die Spieler warfen Trainer Svetislav Pesic und Präsident Dieter Hauert in die Luft, 10 000 Fans in der Deutschlandhalle tobten. Alba Berlin staunte über sich selbst. Die Basketballer hatten durch ein 85:79 im Finalrückspiel gegen Stefanel Mailand sensationell den Korac-Cup gewonnen. Der 15. März 1995 war der Tag, an dem „der deutsche Vereinsbasketball sich auf der Landkarte verewigt hat. Das hat uns völlig neue Dimensionen eröffnet“, sagt Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi. Deutschland war zwar zwei Jahre zuvor Europameister geworden, „aber dass das auch auf Klubebene funktionieren würde, war undenkbar. Dieser Sieg brachte einen Riesenschub“. Alba holte seither acht deutsche Meistertitel und sechs Pokalsiege und wurde die deutsche Nummer eins.

Heute (19.45 Uhr, live bei Eurosport 2) können die Berliner den größten internationalen Triumph seit 1995 feiern und in der wohl ausverkauften Arena am Ostbahnhof in das Final Four des Eurocups einziehen. Die Gastgeber sprechen von einer „historischen Chance“, wenn sie im Viertelfinal-Rückspiel gegen Hapoel Jerusalem versuchen, den Sechs-Punkte-Rückstand aus dem Hinspiel (61:67) wettzumachen. „So eine Chance kriegt man auch als Topspieler selten“, sagt Baldi, der allerdings findet, dass eine Gleichstellung mit dem Erfolg von 1995 nicht funktioniert. „Damals kamen wir aus dem Nichts. Jetzt kommen wir von einem anderen Level.“ Längst hat das Team sich international etabliert. 2009 erreichte der Verein die Zwischenrunde der Europaliga , die Baldi als Manager des Jahres auszeichnete. In der Eurocup-Vorrunde sahen im Schnitt rund 10 000 Fans die Spiele, kein Eurocupteam zog mehr Zuschauer an. Mit einem Triumph heute Abend würde Alba seinen Anspruch unterstreichen, sich weiter an die europäische Spitze heranzuschieben. Dauerhaft unter den Top 16 zu sein ist die Vision.

Der Sieger des Eurocups, vergleichbar mit dem Uefa-Cup im Fußball, qualifiziert sich ebenso wie der Deutsche Meister direkt für die Europaliga. An den Gewinn des Pokals Mitte April in Vitoria im Baskenland zu glauben, hält Berlins Trainer Luka Pavicevic angesichts der starken Konkurrenz allerdings für vermessen. „Drei spanische Teams könnten ins Final Four einziehen“, sagt er, „das ist kein sicherer Weg in die Europaliga. Am wichtigsten ist es für uns, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen.“

Pavicevic warnt davor, gegen Hapoel von Beginn an auf die Punktedifferenz zu schauen. „Wir müssen erst unser Spiel stabilisieren und sehen, dass wir gewinnen. Dann kann man auf den Spielstand blicken.“ Dass sie selbst bei einem 20-Punkte-Rückstand in hitziger Atmosphäre nicht aufgeben, haben die Berliner in Israel bewiesen. Doch so weit soll es erst gar nicht wieder kommen. „Hapoel kann in drei, vier Minuten 20 Punkte machen und dann vier Minuten lang gar keine. Auf diese Phasen müssen wir aufpassen“, sagt Nationalspieler Steffen Hamann. Vor allem muss sein Team Brandon Hunter stoppen, der im Hinspiel 23 Punkte erzielte und zehn Rebounds holte. Nur ihn abzumelden wird allerdings nicht reichen: Beim 102:99-Sieg im Ligaspiel gegen Hapoel Afula am Wochenende war Spielmacher Pooh Jeter mit 39 Punkten (neun von zehn Dreiern) der überragende Mann.

Möglicherweise muss auch Alba Berlin auf die Korbgefährlichkeit eines Mannes setzen, den jetzt noch niemand im Sinn hat. Dass Kapitän Julius Jenkins aufläuft, „ist unwahrscheinlich“, sagt Baldi. Der US-Amerikaner hatte in Jerusalem den Ellbogen von Kevinn Pinkney abbekommen und sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Ihn plagen Kopfschmerzen und ein Schwindelgefühl, „an Training war nicht zu denken“, sagte Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt gestern Mittag. „Er muss erst wieder laufen können, ohne dass ihm der Kopf zerspringt. Die Zeit wird knapp.“ Und selbst wenn er spielen sollte, wäre er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Mit Jenkins und dem ebenfalls verletzten Jurica Golemac würden „wichtige Bestandteile fehlen“, sagt Baldi, „aber es sind noch andere da. Es ist ein besonderes Spiel, in dem besondere Dinge passieren können.“ So wie am 15. März 1995.

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