Basketball : Nur nicht überrollen lassen

Alba Berlin muss am Mittwoch im Hinspiel des Eurocup-Viertelfinals den Angriffswirbel von Hapoel Jerusalem stoppen.

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Rashad Wright (hier vor einem Jahr im Spiel bei Maccabi Tel Aviv) soll Albas Angriff nach überstandener Verletzung wieder ordnen.
Rashad Wright (hier vor einem Jahr im Spiel bei Maccabi Tel Aviv) soll Albas Angriff nach überstandener Verletzung wieder ordnen.Foto: AFP

BerlinDie zehn Minuten sollten als Warnung eigentlich genügen. Wenn Alba Berlins Basketballer heute im Eurocup-Viertelfinale bei Hapoel Jerusalem antreten, werden sie sich sehr genau angeschaut haben, was ihre Kollegen von Galatasaray Istanbul vor zwei Wochen falsch gemacht haben. Die Türken taten das, was Alba im heutigen Hinspiel in Israel unbedingt vermeiden will: Sie ließen sich überrollen. Beim 111:98-Sieg in Istanbul erzielte Hapoel 44 Punkte allein im Schlussviertel und stellte damit einen neuen Eurocup-Rekord auf. Wollen die Berliner im Rückspiel in einer Woche noch eine Chance aufs Weiterkommen haben, müssen sie heute unbedingt vermeiden, dass Hapoel sich in einen derartigen Rausch spielt.

„Wenn sie Fahrt aufnehmen, sind sie nur sehr, sehr schwer zu stoppen“, sagt Albas Sportdirektor Henning Harnisch über den aktuellen israelischen Tabellenzweiten. Harnisch macht sich aber keine Sorgen, dass die Berliner Spieler die Größe der Aufgabe unterschätzen: „Jeder weiß, dass das eines der größten Spiele der Alba-Geschichte sein wird. Man bekommt nicht so viele Chancen auf so etwas.“ Nie zuvor stand Alba oder ein anderer deutscher Klub im Viertelfinale des Eurocups oder dessen Vorgänger, dem Uleb-Cup. In der kleinen, aber extrem lauten Halle von Hapoel – das Spiel ist ab 22.00 Uhr zeitversetzt bei Eurosport 2 zu sehen – wird es darauf ankommen, Tempo und Spielrhythmus zu kontrollieren. Dafür sorgen soll wieder Aufbauspieler Rashad Wright, der zuletzt zwei Wochen ausfiel und nach überstandener Augenverletztung in den Kader zurückkehrt. „Rashad verteidigt gut und ordnet im Angriff unser Spiel“, sagt Harnisch. „Wenn er nicht da ist, fehlt uns etwas.“ Das wurde besonders am Sonnabend beim 70:76 gegen die Frankfurt Skyliners deutlich, als die Berliner in der Offensive große Mühe hatten, sich gute Wurfpositionen zu erarbeiten.

Hapoels Stärken liegen im Angriff

Im Gegensatz zu den Berlinern, die im Eurocup besonders durch ihrer starke Defensive beeindruckten, haben die Jerusalemer ihre Stärken vor allem im Angriff. „Nicht nur ein oder zwei Spieler haben große Offensivqualitäten – sondern die ganze Mannschaft“, sagt Harnisch. Angetrieben wird das nur aus Israelis und Amerikanern bestehende Hapoel-Team vom flinken US-Aufbauspieler Pooh Jeter, ein weiterer wichtiger Mann ist Dijon Thompson. Der vielseitige Flügelspieler lief vor zwei Jahren noch für Alba auf, ehe sich die Berliner vor den Play-offs 2008 wegen Disziplinlosigkeit von ihm trennten.

Jurica Golemac, der 2006/07 für Hapoel spielte, warnt vor seinem alten Klub. „Als ich noch dort unter Vertrag stand, haben sie sehr schnell gespielt“, sagt der momentan an der Hand verletzte Golemac, der Alba heute noch fehlt. „Die Offensive war die Stärke des Teams, es gab viele Schnellangriffe und Dreipunktewürfe.“ Nicht nur deswegen sind bei Alba alle froh, im Rückspiel Heimrecht zu haben. Wenn es am kommenden Mittwoch um den Einzug ins Final-Four-Turnier im spanischen Vitoria geht, dürfte die Arena am Ostbahnhof ausverkauft sein. „Ich weiß, wie schwer es ist, bei Hapoel zu bestehen. Man weiß nie, was bei denen passieren wird“, sagt Golemac.

Wenigstens in einer Hinsicht sind sich die Berliner sicher: Auch wenn die Fans in der nur 2300 Zuschauer fassenden Malha-Arena ein optisches und akustisches Spektakel veranstalten werden, dürfte das die Schiedsrichter kaum beeindrucken. Zuletzt hatte sich Albas Geschäftsführer Marco Baldi darüber beklagt, dass Alba in der Bundesliga von den Unparteiischen benachteiligt werde. „In Europa haben und hatten wir das Problem eigentlich nie“, sagt Henning Harnisch. Aber auch ohne diese Sorge haben die Berliner wohl genug mit Hapoel zu tun. Immerhin: Die Jerusalemer scheinen in nicht mehr ganz so furioser Form zu sein wie vor zwei Wochen in Istanbul. Am Samstag gewannen sie in der Liga gegen Ramat Gan nur mit 107:71 – und erzielten dabei im Schlussviertel nach ihren Maßstäben geradezu lächerliche 35 Punkte.

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