Sport : Basketball: Pesic weiß, was viele nicht wissen

Helen Ruwald

Die Basketballfans von Iraklis Saloniki sind eine seltsame Spezies. Zum letzten Gruppenspiel in der Suproleague gegen Pau-Orthez kamen so wenige von ihnen, dass in der Pause Fußballfans von Iraklis, die nach einem Pokalspiel nach Hause gehen wollten, in die Halle gescheucht wurden. Sind die Anhänger erst einmal da, dann fürchtet sich jeder Gegner. Die Zuschauer sitzen in der Halle "Ivanofio" nur einen Meter vom Spielfeld entfernt. "Die Fans sind aggressiv und fanatisch", erzählt Marko Pesic vom Deutschen Meister Alba Berlin, der vergangene Saison für Saloniki spielte. So fanatisch, dass sie manchmal ganz ausgesperrt werden. "Sechsmal mussten wir wegen Ausschreitungen vor leeren Rängen spielen", erinnert sich Pesic. Das wird im ersten Play-off-Achtelfinale heute (18 Uhr, live auf Inforadio) nicht der Fall sein, sodass Pesic sich auf das Schlimmste gefasst macht: "Ich glaube, außer Wendell Alexis hat von uns noch nie jemand in so einer Atmosphäre gespielt." Er selbst ausgenommen - aber ob er überhaupt mitwirken kann, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Gegen Leverkusen erlitt Pesic am kleinen Finger eine Kapselverletzung und eine offene Wunde.

Seit Pesic Iraklis verlassen hat, ist viel passiert. Von den ersten sechs Spielen in der Suproleague gingen vier verloren, darunter das Heimspiel gegen Novo Mesto aus Slowenien, das als Achter die Play-offs gerade noch erreicht hat. Anfang Dezember begann der Umschwung: Trainer Makis Dendrinos trat zurück, und der Verein entließ Guard Matt Santangelo und Forward Tony Farmer. Unter Ilias Armenis, der vom Assistenz- zum Cheftrainer aufrückte, gewann Iraklis eine Woche später in Leverkusen und anschließend gegen das Topteam Maccabi Tel Aviv.

Einer der Stars im Team ist der 23-jährige Nikos Hatzivrettas. In der Korbjägerliste der Suproleague liegt er auf Rang vier, gleich hinter Leverkusens John Best. Der 20-jährige Center Lazaros Papadopoulos wird mit der NBA in Verbindung gebracht, der 19-jährige Guard Haralambos Markopoulos wurde im Jahr 2000 beim Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim vor Talentspähern aus aller Welt zum wertvollsten Spieler gewählt.

Und dann wären da noch drei ehemalige Alba-Spieler: Sascha Hupmann holte 1996/97 mit den Berlinern den ersten Meistertitel, ihm folgten der Russe Wassili Karassew (97/98), einer der besten Spielmacher Europas, und Franko Nakic (98/99). Auf die Frage nach einem Geheimrezept gegen Saloniki meint Teoman Öztürk etwas verschmitzt: "Wir machen uns Gedanken, wie wir Sascha Hupmann an die Freiwurflinie bekommen." Dezenter Hinweis auf die Freiwurfschwäche, mit der der 2,16 Meter große Center in seiner Zeit bei Alba die Nerven von Mannschaft und Fans strapazierte.

Nie haben die Berliner in Saloniki gewonnen. Zweimal unterlag Alba bei Paok, einmal bei Aris Saloniki. Bei Iraklis müssen die Berliner mindestens einmal siegen, um das Viertelfinale zu erreichen. Heute oder in einem Entscheidungsspiel in der kommenden Woche, das aber einen Heimspielsieg am Donnerstag voraussetzen würde. "Ich hoffe, dass wir noch öfter nach Griechenland fliegen" sagt Kapitän Henrik Rödl. Er meint nicht unbedingt Saloniki. Sondern Athen. Der Gegner im Viertelfinale hieße wahrscheinlich Panathinaikos.

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