Basketball Play-offs : Alba Berlin: Handballer am Korb

Nur mit hartem Einsatz konnte sich Alba Berlin in der ersten Begegnung der Play-offs 79:71 durchsetzen. Henning Harnisch ärgerte sich über den heftigen Körpereinsatz der Paderborn Baskets.

Helen Ruwald
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Hartes Gerangel. Der Berliner Ansu Sesay benötigt viel Durchsetzungsvermögen gegen seine Gegenspieler aus Paderborn.Foto: city-press

Henning Harnisch hatte das Gefühl, bei der falschen Sportart zu sein. „Ost-Westfalen ist ja berühmt für Handball, aber eigentlich spielen wir ein anderes Spiel“, lästerte er. Der Sportdirektor von Alba Berlin ärgerte sich über den heftigen Körpereinsatz der Paderborn Baskets im ersten Play-off-Viertelfinale der Basketball-Bundesliga, das der hohe Favorit Alba gestern nach hartem Kampf 78:71 (36:37) für sich entschied. „Paderborn hat alles probiert, und die Schiedsrichter haben es zugelassen“, motzte Harnisch.

Vor allem die Schiesrichter taten sich im letzten Viertel hervor

Den bemerkenswertesten Auftritt hatten Schiedsrichter Markus Hesse und seine Kollegen im letzten Viertel. Alba führte 61:53, als die Herren gar nicht mehr aufhörten zu diskutieren und minutenlang die Köpfe zusammensteckten, als würden sie einen neuen Regelkatalog besprechen. Paderborns Chris Ensminger hatte mit ausgefahrenen Ellbogen Dragan Dojcin getroffen, der hatte sich in die Rangelei verwickeln lassen. Albas Trainer Luka Pavicevic war aufs Feld gestürzt – und erhielt schließlich wegen des Verlassens seiner Coaching Zone ein sogenanntes technisches Foul, Ensminger und Dojcin wurden mit einem unsportlichen Foul bestraft. Die meisten der 11 334 Fans in der Arena am Ostbahnhof pfiffen und buhten, Pavicevic diskutierte – und Albas Vorsprung schmolz in der hitzigen Atmosphäre auf 61:59.

Distanzwürfe von Julius Jenkins, mit 20 Punkten Albas bester Werfer, und Immanuel McElroy verhinderten einen Fehlstart des Tabellenführers der Hauptrunde gegen den Tabellenachten.

Sorge um McElroy: Der Leistungsträger schien sich schwer verletzt zu haben

Jener Leistungsträger McElroy hatte seine Mitspieler zwischenzeitlich beunruhigt: Sechs Punkte in Folge, darunter einen Dreier, hatte er zum 46:44 geworfen, als sein Körper plötzlich streikte. McElroy lag nahe der Mittellinie, krümmte sich und musste vom Feld geführt werden. Doch es sah schlimmer aus, als es war. Der Amerikaner kam später trotz des Verdachts einer Bauchmuskelzerrung zurück und biss sich mit Schmerzen durch. „Wir haben einen Schreck gekriegt, sind dann aber als Team zusammengerückt“, sagte Casey Jacobsen. Ohne McElroy erarbeitete sich Alba einen Acht-Punkte-Vorsprung und wurde erst durch die lange Pause bei Ensmingers und Dojcins Rangelei gestoppt.

McElroy allerdings teilte Harnischs Meinung über den überharten Einsatz des Gegners nicht: „Das sind Play-offs. Die tun, was nötig ist.“

Alba tat alles, um das Spiel noch einmal spannend zu machen

Alba hingegen tat in der ersten Halbzeit des ersten Spiels der Best-of-Five-Serie alles, um eine zunächst einseitige Partie spannend zu machen. Nach schneller 8:0-Führung verloren die Gastgeber den Rhythmus und steckten 3:16 Punkte in Serie ein – und das gegen eine Mannschaft, die sie vor zehn Tagen in der Hauptrunde noch deutlich besiegt hatten.
Nach dem ersten Viertel (13:16) versuchte Pavicevic am Spielfeldrand, den Profis Aggressivität und Konzentration einzubläuen, während wenige Meter entfernt lautstark der deutsche Meistertitel gefeiert wurde. Albas Juniorenteam wurde dem Publikum vorgestellt , Präsident Dieter Hauert rief übers Mikrofon: „Ihr habt Euch um den Verein verdient gemach!“
Die Profis können es ihnen nachtun, sollten sie den Titel erfolgreich verteidigen. Den nächsten Schritt ins Halbfinale könnte Alba am Donnerstag in Paderborn tun. In einer kleinen Halle, die laut Henning Harnisch für Handball wie geschaffen ist. Und für große Emotionen und laute Diskussionen.

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