Basketball-Play-offs : Alba lebt wieder

Berlins Basketballer hoffen, dass ihr beeindruckender Sieg im dritten Halbfinale bei Bonn Wirkung erzielt hat. Am Dienstag müssen die Berliner allerdings in Bonn antreten, das ein entscheidendes fünftes Spiel in Berlin um jeden Preis verhindern will.

Lars Spannagel
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Gelb fliegt oben. Albas Center Adam Chubb zeigt Bonn, wo der Korb hängt.Foto: Imago

Wenn eine Mannschaft im Basketball weniger als 40 Punkte erzielt, ist das normalerweise ein Debakel, das in den Köpfen der Spieler hängen bleibt. Michael Koch, Trainer der Baskets Bonn, wollte nach dem 65:39 (28:22)-Heimsieg von Alba Berlin im Play-off-Halbfinale der Bundesliga aber nichts von einer Langzeitwirkung dieses Resultats wissen. In seiner aktiven Zeit in Griechenland habe er viele solcher Spiele erlebt, sagte Koch. Und überhaupt: „In den Play-offs ist es egal, wie hoch man verliert.“ Allerdings dürften sich die Druckverhältnisse in der Best-of-five-Serie am Samstagabend verschoben haben. Bislang waren es allein die mit 0:2 zurückliegenden und damit fast ausgeschiedenen Berliner, die zittern mussten. Vor dem vierten Spiel am Dienstagabend in Bonn (21 Uhr, live bei Eurosport) dürfte nun auch der Vizemeister ins Nachdenken kommen.

Denn nach der überragenden Leistung der Berliner und der elektrisierenden Atmosphäre vor 13 729 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof werden die Bonner ein entscheidendes fünftes Spiel in Berlin unbedingt vermeiden wollen. Albas Trainer Luka Pavicevic war der Stolz auf seine Mannschaft anzumerken. „Das war ein exzellentes Spiel in einer nicht einfachen Situation“, sagte der Serbe. „Wir können diesen Moment jetzt kurz genießen, weil wir die Serie am Leben gehalten haben.“

Albas Spieler hatten gezeigt, dass sie Willen und Können genug besitzen, um ihre Saison zu verlängern. Bis auf Casey Jacobsen und Julius Jenkins (beide zehn Zähler) punktete kein Berliner zweistellig, den Sieg erarbeitete sich Alba als Team. Besonders in der Defensive rackerte der Titelverteidiger unermüdlich. „Alba hat einige Klassen besser verteidigt“, sagte Michael Koch. „Das muss man anerkennen.“

Ein gutes Beispiel dafür war Philip Zwiener, der durch den Ausfall von Immanuel McElroy schon früh eingewechselt wurde. Der Nationalspieler mit dem Stammplatz auf der Auswechselbank warf in knapp zwölf Minuten Spielzeit kein einziges Mal auf dem Korb, erarbeitete sich aber vier Freiwürfe und kämpfte um jeden Ball. „Ich habe mich natürlich gefreut, dass ich spielen durfte“, sagte Zwiener. „Ich habe wenig Spielpraxis, da fehlt dann der Rhythmus in der Offensive. Aber in der Verteidigung wollte ich Verantwortung übernehmen.“

Zwiener wird wohl auch am Dienstag zu einigen Minuten Spielzeit kommen. Immanuel McElroy leidet unter einem eingeklemmten Nerv im Rücken, möglicherweise eine Spätfolge seiner mittlerweile auskurierten Bauchmuskelverletzung. Ein Einsatz im vierten Spiel ist unwahrscheinlich – auch wenn McElroy auf einen Einsatz brennen dürfte. Am Samstag beschimpften ihn mitgereiste Bonner Fans auf dem Weg in die Kabine und schütteten Bier und Cola auf ihn. Zu diesen Ausfällen wollte sich der US-Amerikaner nicht äußern. „Die Antwort gibt man auf dem Platz“, sagte er.

Die Bonner Fans spürten wohl, dass die Serie durch Albas Basketballdemonstration gekippt sein könnte. Am Samstag sangen sie trotzig: „Und am Dienstag schmeißen wir euch raus!“ Im vierten Spiel werden sie alles tun, um den Erzfeind nach vielen Play-off-Niederlagen in den vergangenen Jahren endlich zu besiegen. Um den Heimvorteil der Gastgeber zumindest ein bisschen zu verringern, bietet Alba Berliner Fans eine kostenlose Busfahrt nach Bonn an. Und Albas Geschäftsführer Marco Baldi warnt davor, die Bonner abzuschreiben: „Jetzt ist die Zeit, alle Kräfte zu mobilisieren. Hier hatten wir 14 000 hinter uns, in Bonn haben wir 6000 gegen uns.“ Alba steht zwar immer noch mit dem Rücken zur Wand, hat aber immerhin einen Schritt nach vorne gemacht.

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