Basketball-Play-offs : Ansteckende Hektik

Nur Alba hat seit Ende 2008 in Paderborns Maspernhalle, die im Volksmund Maspernhölle genannt wird, gewonnen. Doch auswärts hat der Meister durchaus Schwächen, auf die die Gastgeber im zweiten Spiel hoffen dürfen.

Helen Ruwald

Berlin - Alba Berlin ist ein gern gesehener Aufbauhelfer. Wo auch immer die Basketballprofis in dieser Bundesligasaison antreten, können Teams sich Hoffnung machen, ihre Niederlagenserie zu beenden. Braunschweig schlug den Deutschen Meister nach zuvor acht Misserfolgen hintereinander durch einen Distanzwurf eineinhalb Sekunden vor Schluss 65:64. Düsseldorf hatte dreimal nicht gesiegt, lag schon mit 13 Punkten zurück und setzte sich gegen ersatzgeschwächte Berliner noch 84:81 durch. Albas Spielmacher Steffen Hamann vergab acht Sekunden vor Schluss drei von vier Freiwürfen.

In eigener Halle unterlagen die Berliner in der Bundesliga-Hauptrunde nur Bamberg. Auswärts gingen sie in 17 Spielen siebenmal als Verlierer vom Feld, weisen hinter Oldenburg (sechs Niederlagen) allerdings immer noch die zweitbeste Bilanz auf. Doch wenn der Titelkandidat verwundbar ist, dann auswärts, wo er zu allem fähig ist: zu einem Sieg beim Topteam Göttingen ebenso wie zu Niederlagen bei spielerisch klar schwächeren Mannschaften aus dem unteren Mittelfeld der Tabelle.

In der Hauptrunde verlor Alba von den Partien bei den sieben anderen Playoff-Teams vier (in Oldenburg, Bonn, Frankfurt und Bamberg) und gewann drei, in Göttingen, Ulm und Paderborn. Bei den Paderborn Baskets, wo Berlin am Donnerstag mit 1:0-Vorsprung zum zweiten Play-off-Viertelfinale antritt (20.15 Uhr, live auf Eurosport), setzte Alba sich nicht nur im Pokal, sondern als einziges Team seit November 2008 auch in der Bundesliga durch. Beim 74:68 mussten die Gäste nach sechs vergebenen Freiwürfen in der Schlussphase aber lange zittern.

Eine schwache Freiwurfquote von teilweise nur 50 Prozent ist eines der gemeinsamen Merkmale bei Albas Niederlagen in der Fremde. Mehrfach scheiterte die Mannschaft erst in der Schlussphase nach klarer Führung, reiste direkt von einem Europaliga-Auswärtsspiel zum Bundesliga-Auswärtsspiel, kam mit der aufgeheizten Stimmung in der Halle nicht zurecht oder hatte es mit einem Gegner zu tun, der sie mit hartem, körperbetontem Spiel zermürbte. Geschäftsführer Marco Baldi, der sich in Frankfurt eher bei einem Rugby- denn einem Basketballspiel wähnte, sagte nach einem der Misserfolge: „Wir sind meistens die bessere Mannschaft. Aber das kommt nicht zum Tragen, wenn man sich nicht auf seine Qualitäten verlässt.“ Die Ruhe im Angriff, die Alba sonst auszeichne, gehe verloren, die Spieler ließen sich von der Hektik anstecken.

„Wenn Alba kommt, ist die Halle voll, jeder will den Meister sehen und schlagen“, sagt Steffen Hamann. „Unsere Gegner spielen dann gleich zehn bis zwanzig Prozent besser als sonst. In den Play-offs wird es sicher noch lauter.“ In Paderborns Maspernhalle, im Volksmund Maspernhölle genannt, sei es daher entscheidend, dass „wir in der hitzigen Atmosphäre ruhig bleiben“. Das gilt auch für Trainer Luka Pavicevic, der sowohl in Bamberg als auch beim Sieg in Ulm zwei technische Fouls erhielt, weil er sich so aufregte. Er musste die Halle verlassen.

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