Basketball-Play-offs : Die Stunde der Talente bei Alba Berlin

Junge deutsche Spieler haben Alba Berlin schon oft gerettet – heute Abend in Bonn, beim Kampf gegen das Halbfinal-Aus, kann Philip Zwiener diese entscheidende Rolle zukommen.

Lars Spannagel
Alba Berlin - Telekom Baskets Bonn
Philip Zwiener (links).Foto: Napierski

In den Play-offs sind Routiniers gefragt. Gestandene Profis geraten beim Freiwurf eben nicht aus der Ruhe, wenn ihnen die Pfiffe ausflippender Fans in den Ohren klingeln oder jeder Zug zum Korb mit einem Ellbogenschlag in die Magengrube bestraft wird. Alba Berlins Triumphe in der Basketball-Bundesliga haben aber auch gezeigt, dass jugendlicher Elan und Unbekümmertheit wichtige Bausteine des Erfolgs sein können. Wenn Alba am heutigen Dienstagabend (21 Uhr, live bei Eurosport, Public Viewing in der Axel-Springer-Passage) bei den Baskets Bonn gegen das Halbfinal-Aus und um die Chance auf ein fünftes Spiel kämpft, könnte Philip Zwiener der nächste junge deutsche Spieler sein, dessen Stunde in den Play-offs schlägt.

Am Sonnabend, beim 65:39-Sieg der Berliner, schickte Albas Trainer Luka Pavicevic den 23-Jährige schon im ersten Viertel aufs Feld. Zwiener bedankte sich mit einer engagierten Leistung und immerhin drei Punkten. Zuletzt war der 17-malige Nationalspieler 16 Spiele in Folge gar nicht zum Einsatz gekommen, von mehr als 60 Saisonspielen der Berliner absolvierte Zwiener nur 15. Dabei hatte er schon vor einem Jahr in der entscheidenden Saisonphase überzeugt, in seinem Spielerporträt auf Albas Internetseite heißt es: „Zwiener entpuppte sich in den letztjährigen Play-offs als Joker, sprang als geschickter Ballverteiler und mit starkem Korbdrang in die Bresche, als Albas Personaldecke zum Saisonende bedrohlich dünn geworden war.“

Diese Rolle deutscher Nachwuchsspielern hat Tradition bei Alba. Falls sich Zwiener vor dem heutigen Spiel noch ein paar Ratschläge holen möchte, muss er nur den Mann fragen, der ihm im Training und bei Spielen Handtuch und Wasserflasche reicht. Mannschaftsbetreuer Tommy Thorwarth war 2001 als Spieler maßgeblich an Albas fünfter Meisterschaft in Folge beteiligt. Gemeinsam mit dem ein Jahr älteren Nino Garris sprang der damals 21 Jahre alte Aufbauspieler ein, als Dejan Koturovic, Jörg Lütcke und Marko Pesic verletzt ausfielen. Zwei Jahre später hieß Albas junger Held Guido Grünheid: Der 20-Jährige traf im dritten Finalspiel gegen Bamberg kurz vor Schluss einen wichtigen Dreipunktewurf, Alba gewann 74:70 und wurde erneut Meister.

Schon lange vor Albas Zeiten in der Arena am Ostbahnhof wurde das Berliner Publikum stets lauter, sobald ein deutsches Talent aufs Feld kam – egal ob Ingo Freyer, Ademola Okulaja, Sebastian Machowski oder Patrick Falk in der Sömmeringhalle oder Spieler wie Stipo Papic, Thorwart oder Garris in der Max-Schmeling-Halle. 200 Berliner Fans werden am Dienstag Alba in Bonn unterstützen – auch dank Zwiener.

2008 füllte der vor vier Jahren nach Berlin gekommene Zwiener die Lücke, die entstand, nachdem sich Alba vom disziplinlosen Flügelspieler Dijon Thompson getrennt hatte. In diesem Jahr ist es Immanuel McElroy, dessen Verletzung (erst am Bauch, jetzt am Rücken) die Berliner schwächt. McElroy reiste am Montag gar nicht erst mit nach Bonn, in Berlin wird sein eingeklemmter Nerv mit intensiver Physiotherapie behandelt. Als zweiter deutscher Bankdrücker stünde Johannes Herber bereit, um die nun umso mehr strapazierten Casey Jacobsen und Julius Jenkins zu entlasten. Luka Pavicevic vertraute am Sonnabend auch wieder mehr auf Spielmacher Steffen Hamann, der Alba in den ersten Minuten fast im Alleingang in der Partie hielt und mit seiner leidenschaftlichen Spielweise überzeugte. Auch Albas Kapitän, Rekordnationalspieler Patrick Femerling, hofft heute auf seine ehemaligen Kollegen aus der Nationalmannschaft. „Ich denke, diese Leute haben Qualität, sonst wären sie nicht in Berlin und in der Nationalmannschaft“, sagte Femerling dem RBB. „Insofern müssen sie spielen.“

Schon im anderen Halbfinale, das Oldenburg mit 3:0 klar gegen Bamberg für sich entschied, machte ein junger Deutscher auf sich aufmerksam. Im dritten Spiel führte der 20 Jahre alte Bamberger Karsten Tadda sein Team in der Schlussminute mit fünf Punkten noch einmal heran, die Franken retteten sich in die Verlängerung. Dort hatte Tadda vier Sekunden vor dem Ende die Chance, ein weiteres Mal auszugleichen, vergab aber einen von zwei Freiwürfen. Ganz ohne Routine geht es in den Play-offs eben doch nicht.

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