Basketball-Playoffs : Alba verliert in Würzburg und scheidet aus

Trotz einer komfortablen Halbzeitführung verliert Alba zum dritten Mal in Folge gegen Würzburg und scheidet damit schon im Viertelfinale der Play-offs in der Basketball-Bundesliga aus.

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Kein Vorbeikommen. Bryce Taylor scheitert mit Alba im Viertelfinale der Play-offs an Würzburg. Foto: dapd
Kein Vorbeikommen. Bryce Taylor scheitert mit Alba im Viertelfinale der Play-offs an Würzburg.Foto: dapd

Das thematische Leitmotiv des Abends war weithin sichtbar. Auf Höhe der Mittellinie baumelte ein Plüsch-Albatros an einem improvisierten Galgen von der Tribüne. Jedem der 3140 Zuschauer in der wie üblich ausverkauften Würzburger Sporthalle war klar, was das bedeuten sollte: Die gastgebenden Baskets wollten ihren Gegner aus Berlin am Dienstagabend kaltmachen, sportlich und akustisch demütigen. Eine Hinrichtung erlebten die Berliner Basketballer zwar nicht im vierten Spiel der Best-of-five-Serie, wohl aber einen Krimi, bei dem sie am Ende als Opfer auf der Strecke blieben. Nach einer überzeugenden ersten Hälfte brachen die Berliner völlig ein, verloren noch 60:66 (33:22) beim Aufsteiger und schieden damit bereits in der ersten Runde der Play-offs aus. „Wir haben heute mit großem Einsatz gespielt“, sagte Albas Trainer Gordon Herbert. „Aber die Würzburger haben im dritten Viertel irgendwie einen Weg gefunden, ins Spiel zurückzukommen.“ 

Nach den jüngsten zwei Niederlagen seiner Mannschaft hatte Albas Sportdirektor Mithat Demirel davon gesprochen, einige der Berliner Spieler seien „gelähmt“ gewesen. Davon war am Dienstagabend zunächst rein gar nichts zu sehen. Von Beginn an präsentierte sich Alba quicklebendig, aggressiv und gedankenschnell. Im Angriff suchte Herberts Team entschlossen den Abschluss in Korbnähe, in der Verteidigung konnte sich – im Gegensatz zur 84:91-Heimniederlage im dritten Spiel – jeder auf seinen Nebenmann verlassen. Und die zuletzt vor Selbstvertrauen fast platzenden Würzburger schienen mit der Rolle des kaltblütigen Henkers überfordert: Immer wieder warfen die Gastgeber den Ball überhastet ins Aus oder vergaben leichteste Wurfmöglichkeiten. Heiko Schaffartzik traf mit der Schlusssirene des ersten Viertels per Dreier zur 23:11-Führung für Alba, in der folgenden Pause war es erstaunlich ruhig in der sonst so lauten Halle. Sorgen bereitet den Berlinern bis dahin alleine, dass zwei wichtige Spieler angeschlagen waren. Bryce Taylor hielt sich nach einem Zusammenprall die linke Schulter, Derrick Allen schmerzte das linke Knie. Beide kehrten jedoch im zweiten Viertel zurück aufs Feld, Alba konnte sich bis auf 14 Punkte absetzen. Würzburgs Kampfgeist war allerdings noch lange nicht gebrochen. John Little tippte einen vergebenen Wurf in den Korb, Herbert nahm Littles nicht nur in dieser Situation schlafenden Gegenspieler Kyle Weaver sofort vom Feld. Die Botschaft: Bloß nicht nachlassen! 

Bis zum Halbzeitstand von 33:22 für Alba beherzigten Herberts Spieler diese Anweisung – danach allerdings verloren sie unerklärlicherweise völlig den Faden. Würzburg stürmte mit unbändiger Energie aus der Kabine, bei Alba traten wieder Lähmungserscheinungen auf. Die Gastgeber erzielten die ersten zwölf Punkte der zweiten Hälfte und gingen unter dem ohrenbetäubenden Jubel ihrer Fans in Führung. Bei Alba fand sich jetzt niemand mehr, der im Angriff Verantwortung übernehmen wollte. Yassin Idbihi gelang der erste Korb erst nach fünf Minuten, die den rund 200 mitgereisten Alba-Fans wie eine Ewigkeit vorgekommen sein müssen. Aus einer Partie, die Herberts Team so lange unter Kontrolle zu haben schien, war ein packendes Kampf- und Nervenspiel geworden, Würzburg ging mit einer 43:41-Führung ins Schlussviertel.

Jetzt war das Publikum voll da, Albas Sven Schultze traf per Dreier zum 49:47 für Alba und deutete mit einem Finger auf den Lippen demonstrativ an, man solle doch bitte ein bisschen leiser sein. Doch im direkten Gegenzug traf auch Chris Kramer einen Dreier, Würzburg erzielte die nächsten sieben Punkte. Alba ging mit einem Fünf-Punkte-Rückstand in die Schlussphase, den Berlinern war die Verunsicherung jetzt in die Gesichter geschrieben. Bis auf Topscorer Heiko Schaffartzik (16 Punkte), war auch niemand dem Druck an der Freiwurflinie gewachsen. Als John Little 18 Sekunden vor dem Ende per Freiwurf zum 64:58 traf, war das Spiel entschieden, Albas Saison hatte ein unrühmliches Ende gefunden. Ein Würzburger Fan reckte den mitgebrachten Mini-Galgen in die Höhe.

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