Basketball : Psychiater mit Mission

Bundestrainer Dirk Bauermann schwört seine Basketballer mit Hingabe auf das große Ziel Olympia ein

Benedikt Voigt[Madrid]

Als das slowenische Fernsehen im Atrium des Hotels „Melia Castilla“ mit dem Interview beginnen will, springt Dirk Bauermann auf und verschwindet. Erst fünf Minuten später kehrt er zurück. Er hat sich umgezogen, trägt nicht mehr das T-Shirt vom Pressegespräch zuvor, sondern das offizielle schwarze Mannschaftshemd. Mit dem Logo des Sponsors. „Sonst ist der sauer“, erklärt Dirk Bauermann, „und zwar zu Recht.“

Bundestrainer Dirk Bauermann sucht bei der Europameisterschaft in Spanien in jedem Moment nach der richtigen Maßnahme. Am Samstagabend dürfte er sie gefunden haben, nachdem die deutsche Mannschaft in der Zwischenrunde gegen Frankreich (66:78) die schlechteste Leistung im bisherigen Turnierverlauf geboten hatte. „Ich muss den Hut ziehen vor Dirk Bauermann. Er ist ein exzellenter Coach, oder besser, Psychiater“, sagt Ademola Okulaja. Der Bundestrainer hatte die Mannschaft nach dem Spiel an das übergeordnete Ziel erinnert, die Qualifikation für Olympia in Peking. „Er hat uns in der Kabine so aufgebaut, ein paar Worte, und schon war die Niederlage aus dem Kopf“, sagt Okulaja, „zum Teil jedenfalls.“ Sein Team erhält heute (21 Uhr 30, live im DSF) gegen die ungeschlagenen Slowenen eine Chance zur Wiedergutmachung. Mit einem Sieg würde der Einzug ins Viertelfinale näher rücken.

Dirk Bauermann befindet sich gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als Vereinstrainer hat er mit Bamberg seinen neunten deutschen Meistertitel gewonnen. In der Nationalmannschaft darf er in Dirk Nowitzki einen der besten Basketballer der Welt betreuen. Allmählich kündigt sich jedoch der nächste Schritt seiner Karriere an: ein Engagement im Ausland. Zuletzt hatte er zwei Angebote aus Spanien. „Aber in der spanischen Liga darf man nicht gleichzeitig auch eine Nationalmannschaft betreuen“, sagt Bauermann. Da trifft es sich für ihn womöglich gut, dass sein Vertrag mit dem Deutschen Basketball-Bund 2008 ausläuft. Falls sich das deutsche Team nicht für Olympia oder das olympische Qualifikationsturnier im nächsten Jahr qualifiziert, könnte sogar schon nach dieser EM Schluss sein. „Damit beschäftige ich mich noch nicht“, sagt Bauermann. Ausschließen möchte er eine Verlängerung seines Engagements für die Nationalmannschaft aber noch nicht. „Es wäre auch interessant, einen Neuaufbau zu verantworten“, sagt er. In Bamberg steht er noch bis 2009 unter Vertrag.

Doch im Moment zählt für ihn nur die Olympiaqualifikation. Für dieses Ziel will er alles unter Kontrolle haben, sogar die Dinge, auf die er eigentlich keinen Einfluss hat. „Wenn man auf dem Spielfeld eine andere Entscheidung trifft, als er sie getroffen hätte, murmelt er manchmal etwas vor sich hin“, sagt Pascal Roller, „er merkt das wahrscheinlich gar nicht mehr.“ Der Bundestrainer wirkt zurzeit sehr ernsthaft, befreit lachen sieht man ihn nur selten. „Ich glaube, in der Vorbereitung gab es ein oder zwei Situationen, in denen er gelacht hat“, sagt Roller. Vielleicht kommt das noch, wenn die Mannschaft tatsächlich eine Medaille gewinnt.

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