Basketball : Skyliners Frankfurt: Trennung statt Titel

Warum Basketball-Bundesligist Skyliners Frankfurt seinen Trainer Murat Didin vorzeitig entlassen hat.

Jan Szyszka[Frankfurt am Main]
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Foto: dpadpa

Am Sonntag kämpfte er um seinen ersten Titel in Deutschland, nicht mal 24 Stunden später verlor Murat Didin seinen Job. Einen Tag nach dem verlorenen Pokalfinale in der Frankfurter Ballsporthalle und nur vier Spieltage vor Ende der regulären Saison hat der Basketball-Bundesligist Skyliners Frankfurt seinen Trainer beurlaubt. Selbst ein Titelgewinn hätte den zunächst geschockt wirkenden Didin nicht gerettet: Sein Abgang war bereits vor dem Tipp-Off gegen den späteren Sieger Bamberg beschlossen – sein Nachfolger Gordon Herbert saß bereits in der Halle.

Laut Sportdirektor Kamil Novak hat der Klub schon seit zwei Wochen über die Trennung nachgedacht. Dass man nicht Didins Vertragsende zum Saisonende abwartete, zeigt, wie tief die Gräben waren. Das Vertrauensverhältnis zwischen Didin und Geschäftsführer Gunnar Wöbke gilt seit längerem als gestört. Die innige Umarmung, mit der beide Mitte März den Auswärtssieg der Skyliners bei Alba Berlin feierten, war schon mehr Schein als Sein. Vor allem Didins offensive Außendarstellung schmeckte Wöbke nicht. Schon als Didin im vergangenen Sommer seine besondere Beteiligung bei der Vermittlung des Namenssponsors Beko für die Basketball-Bundesliga freimütig herausstellte, soll Wöbke nicht glücklich gewesen sein.

Der Klub profitierte davon finanziell mit einer Provision in Höhe von angeblich 350 000 Euro. Den Imagegewinn für den auf sechs Jahre veranlagten Deal, der laut BBL-Sprecher Dirk Kaiser „natürlich“ weiter Bestand hat, genoss dagegen vorwiegend der türkische Strippenzieher.

Didin sorgte oft für negative Schlagzeilen

Umgekehrt sorgte Didin oft für negative Berichte. Häufig kritisierte er einzelne Spieler heftig in der Öffentlichkeit. Dem Klub missfiel zudem, dass Didin Nebenkriegsschauplätze eröffnete, indem er seinen auslaufenden Vertrag zum Ende der Saison thematisierte. Als der charismatische Didin begann, zusätzlich die unsichere Sponsorensituation bei den Skyliners samt Planung für die nächste Saison anzusprechen – Mitte 2011 läuft der Vertrag mit Hauptsponsor Deutsche Bank aus – war für den in diesem Bereich sehr sensiblen Gunnar Wöbke eine Grenze überschritten. Zwei Niederlagen gegen Düsseldorf und Bremerhaven, die Sorge, die Play-offs zu verpassen, sowie Spekulationen um Verhandlungen Didins mit türkischen Vereinen wie Efes Pilsen Istanbul bechleunigten den Abschied. Mit Herbert als Nachfolger hat Wöbke eine Ideallösung gefunden, die gegensätzlicher nicht sein könnte. Der 51 Jahre alte Kanadier, der 2004 die Skyliners zur Meisterschaft führte, gilt als introvertiert. Neben der Play-off-Qualifikation soll Herbert für Kontinuität und Ruhe sorgen.

Wie es mit Didin weitergeht, ist unklar. Der Netzwerker, der in der Türkei einflussreiche Freunde hat und gestern von einem Gespräch zum anderen hetzte, wird wegen der Schule seines Sohnes Ahmed voraussichtlich bis Juni in Frankfurt bleiben. „Ich wünsche dem Team alles Gute für den Rest der Saison“, sagte Didin. Ein gutes Verhältnis zu seinem Klub ist nicht unwichtig: Seine Wohnung liegt in unmittelbarer Nähe der in einem Einkaufszentrum gelegenen Trainingshalle der Skyliners. Seinen ehemaligen Spielern wird er noch häufig über den Weg laufen.

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