Sport : Basketball-Suproleague: Unglück im Glück

Benedikt Voigt

Als Erster schlurfte Derrick Phelps gestern morgen in Vilnius durch die Hotelhalle zum Bus. Der Aufbauspieler hatte am Abend zuvor eine sehr schwache Wurfleistung geboten, weshalb er wohl besonders schnell die Stätte seines persönlichen Unglücks verlassen wollte. "Ich habe momentan eine Krise", ärgert sich der 28-jährige Basketball-Profi, "noch nicht einmal die Korbleger gehen rein." Dennoch war seine Laune nicht schlecht. Grinsend sagt Phelps: "Dafür hat man Teammates."

Als Letzter schlenderte Marko Pesic durch den Eingangsbereich des Hotels. Der deutsche Nationalspieler ist so ein Mannschaftskamerad, auf den sich Phelps bei Alba Berlins ersten Auswärtssieg (80:71) in der Suproleague verlassen konnte. 25 Punkte erzielte Pesic gegen den litauischen Basketball-Meister Lietuvos Rytas Vilnius. "Wenn ich schlecht spiele und wir gewinnen, dann ist das eine gute Sache", sagt Phelps. Alba verbesserte sich in der Gruppe A auf Platz sechs. In den letzten drei Minuten hatten die Berliner das hart umkämpfte Spiel durch eine 12:2-Serie entschieden. "Wir haben alles gegeben", erklärt Pesic. Das mentale Problem, das die Berliner in der Vergangenheit bei ihren Auswärtsniederlagen besaßen, hatten in der Schlussphase am Donnerstagabend die Litauer. "Vilnius hat nicht mehr daran geglaubt, dass man dieses Spiel gewinnen kann", sagt Pesic.

Schon beim Bundesligaspiel in Würzburg war Marko Pesic mit 21 Punkten bester Werfer. Woher kommt das plötzliche Leistungshoch? "An Silvester nimmt man sich doch immer etwas vor", sagt Pesic einleitend, "ich habe mir vorgenommen, dass ich mehr Verantwortung übernehme." Das funktioniert gegenwärtig sehr gut. Mit 24 Jahren hat der Sohn des ehemalige Alba-Trainers Svetislav Pesic inzwischen auch das Alter, um eine Führungsrolle zu übernehmen. Das braucht die Mannschaft momentan auch, um sich nicht nur auf Topscorer Wendell Alexis oder den zuletzt immer stärker spielenden Center Dejan Koturovic verlassen zu müssen. Pesic sagt: "Früher gab es andere Spieler wie Henning Harnisch oder Chris Welp, jetzt bin ich mehr gefordert."

Durch seinen einjährigen Abstecher zu Iraklis Saloniki ist Marko Pesic reifer geworden. "Ich habe gesehen, dass Alba Berlin eine heile Welt ist, was das Sportliche angeht." Die Rückkehr fiel ihm leicht. Pesic lobt seine Kameraden: "Es ist, als ob du nie weg warst - das zeichnet eine Mannschaft aus." Auch bei seiner Beziehung zu den Fans von Alba Berlin ist alles beim alten geblieben: Entweder sie lieben ihn oder sie mögen nicht. Pesic weiß das, er hat einige unangenehme Kommentare zu seiner Person auf der Homepage von Alba Berlin gelesen. "Bei Jörg Lütcke, Henrik Rödl oder Wendell Alexis ist das nicht so, ich aber spalte die Fans", sagt Pesic. Es ist wohl seine selbstbewusste Art, welche die Fans polarisiert. "Dann sagen sie wieder, der will mit dem Kopf durch die Wand." Die Bemerkungen auf der Homepage lassen Marko Pesic allerdings kalt. "In Berlin gibt es 5000 Coaches, die alles besser wissen."

Derrick Phelps würde es schon helfen, wenn er nur endlich besser treffen würde. "Ich bin ein besserer Spieler", weiß Phelps, "aber momentan ist es schrecklich." Der gebürtige New Yorker hörte gegen Vilnius trotz der anhaltenden Erfolgslosigkeit nicht mit dem Werfen auf. "Nur wenn ich werfe, kann ich wieder treffen", lautet seine Philosophie in einem solchen Fall. Trainer Emir Mutapcic unterstützt ihn dabei: "Wichtig ist, dass er in der Defensive immer im Spiel bleibt." Derrick Phelps besitzt inzwischen eine besondere Therapie für sein Wurfpech: einen Dunking. "Das versuche ich immer, wenn ich besonders frustriert bin", sagt der 1,92 Meter große Aufbauspieler. Gegen Vilnius nahm der US-Amerikaner zu Beginn des letzten Viertels alle Kraft zusammen, stieg bei einem Steilangriff hoch und stopfte den Ball mit Gewalt in den Korb. Er sprang wieder heraus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben