Basketball : Tape und Tabletten

Alba Berlin beißt sich mit vielen angeschlagenen Spielern durch – auch heute gegen Ankara.

Helen Ruwald
Uleb-Cup
Verletzt im Einsatz. Albas Goran Nikolic (links) spielt mit eingerissenem Meniskus. -Foto: ddp

Berlin - Nun also auch noch ein dicker Zeh. Mladen Pantic wollte nach dem Sieg gegen Tübingen in der Kabine eigentlich nur sein Knie von Physiotherapeut Ramon Garcia mit Eis behandeln lassen. Garcia ließ dabei am Sonnabend versehentlich die Rolle fallen, mit der das Eis fixiert wird. Sie landete auf Pantics Zeh, der stark anschwoll. Sein Einsatz heute im Uleb-Cup gegen den Tabellenzweiten Turk Telekom Ankara (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) ist unwahrscheinlich. „Ich war gebückt und bin beim Aufrichten am Hintern von Slavko Stefanovic hängen geblieben“, erzählt Garcia. „Auf meiner persönlichen Top-Ten-Liste steht diese Sache ganz oben“, sagt er lachend. Auch Pantic amüsiert sich, wenn er an den Vorfall denkt. „Ich habe bei Ramon sicher ein Abendessen gut.“

Es spricht für die Beteiligten, dass sie ihren Humor nicht verloren haben. Doch es passt auch zur Situation beim Tabellenführer der Basketball-Bundesliga, dass sich die Berliner inzwischen schon gegenseitig verletzen. Johannes Herber und Goran Jeretin (beide Kreuzbandriss) fallen langfristig aus, Nicolai Simon (Rückenprobleme) mittelfristig. Mehrere andere Profis halten sich mit Tapeverband und Schmerzmittel spielfähig. Dijon Thompson hat nach seinem Bänderriss im Sprunggelenk gegen Tübingen gleich wieder 16 Punkte gemacht, Goran Nikolic beißt sich nach einem Meniskuseinriss mit Schmerztabletten durch und verschiebt die nötige Operation auf unbestimmte Zeit. Spielmacher Bobby Brown hat am Sonnabend erneut einen Schlag auf seinen verletzten Finger bekommen, Vujadin Subotic behindern Schambeinprobleme.

„Ich hoffe, ich halte bis Saisonende durch“, sagt Nikolic, der im Dezember mit 63:40 Minuten Spielzeit bei den fünf Verlängerungen gegen Sarajevo einen europäischen Rekord aufstellte. Eine Woche später verletzte er sich in Siauliai (Litauen). Auf einen Mann seiner Erfahrung wollen die Berliner nicht verzichten, im Uleb-Cup-Spiel bei Guildford Heat vor einer Woche war Nikolic mit 15 Punkten bester Berliner Werfer. Schlimmer könne die Verletzung durch den Dauereinsatz nicht werden, heißt es aus Albas medizinischer Abteilung.

Nach der Rückkehr von Thompson und Dragan Dojcin, der seine Achillessehnenprobleme überwunden hat, und der Verpflichtung von Slavko Stefanovic hat Alba nun wieder mehr Spieler zur Verfügung hat. Was positiv klingt, birgt auch Probleme, wie Geschäftsführer Marco Baldi meint: „Das Spiel wird unrunder. Vorher hat jeder seine Rolle gekannt.“ Die Mannschaft stellte sich von allein auf, jetzt hat Pavicevic wieder einen größeren Spielraum bei der Zusammensetzung des Teams. Dass neue oder wieder genesene Spieler eingebaut werden müssen, „bringt Unruhe rein“, sagt Baldi. „Wir improvisieren schon die ganze Saison. Wir könnten weiter sein, sind aber im Soll. Das sagt auch etwas.“ Schließlich könne man enge Spiele wie gegen Tübingen (91:86) auch verlieren, „aber wir verlieren sie nicht“.

Mit einem Sieg gegen Ankara, wo der frühere Berliner Michael Wright wegen einer Knieverletzung fehlt, wäre Albas Einzug in die nächste Runde fast sicher. Ankara hat nach Wrights Verletzung in der türkischen Liga dreimal in Folge verloren, inzwischen aber wieder zu Höchstform gefunden: Vergangene Woche fügte das Team Badalona im Uleb-Cup die erste Niederlage zu. Um zum Erfolg zu kommen, müsse Alba ein besonders starkes Spiel liefern, glaubt Geschäftsführer Baldi, „ein ordentlicher Auftritt reicht nicht“.

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