Basketball-Teambesitzer Red Klotz : "Vielleicht klappt es ja heute"

Seine Mannschaft wird allabendlich von den Harlem Globetrotters vorgeführt. Louis "Red" Klotz spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die längste Niederlagenserie der Welt.

Klotz
Louis "Red" Klotz -Foto: promo

Herr Klotz, stört es Sie, wenn man Sie den größten Verlierer in der Geschichte des Sports nennt?



Man muss akzeptieren, dass man nicht immer gewinnen kann. Auch andere Klubs in anderen Sportarten stecken mal in einer Niederlagenserie. Auch wenn meine wohl die schlimmste ist.

Seit 56 Jahren versuchen Sie, die Harlem Globetrotters zu besiegen. Früher als Spieler und Trainer, heute als Besitzer der Washington Generals. In all den Jahren haben Sie nicht einmal zehn Partien gewonnen, die letzten rund 10 000 Spiele gingen verloren. Können Sie sich an Ihren letzten Sieg erinnern?

Beim letzten Mal stand ich noch selbst auf dem Feld. 1971 spielten wir in Tennessee, kurz vor Schluss habe ich den entscheidenden Wurf zum 100:99 getroffen. Das Publikum hat mich ausgebuht, als hätte ich gerade den Weihnachtsmann umgebracht. Alle hatten sich auf die große Globetrotters-Show gefreut. In der Kabine haben wir mit Limonade rumgespritzt, weil wir keinen Sekt hatten.

Für den Zuschauer wirken die Spiele der Globetrotters wie eine abgesprochene Show – und nicht wie ein ernsthafter sportlicher Wettkampf.

Wenn ich einen Spieler unter Vertrag nehmen, sage ich ihm: Wenn du nicht jeden Abend versuchst zu gewinnen, hast du hier nichts verloren. Wir geben immer alles, egal in welchem Land und auf welchem Kontinent wir antreten.

Sie können mit Stolz sagen, schon auf der ganzen Welt verloren zu haben.

Ich habe in Stierkampfarenen, Gefängnissen und auf einem Flugzeugträger gespielt. Zur Zeit des Eisernen Vorhangs haben uns die Leute in Moskau zugejubelt. Die englische Königsfamilie hat uns zugeschaut, genauso wie der Papst, Evita Perón in Argentinien und die US-Truppen im Korea-Krieg. Ich habe in meinem Leben mehr Basketball gespielt als jeder andere Mensch auf der Welt.

Und zu 99,9 Prozent verloren.

Keine Frage: Wir haben in der Tat eine miese Bilanz. Die Globetrotters sind einfach immer einen Tick besser. Früher hatten sie sogar den Großen Wilt Chamberlain und andere Spieler, die längst in der „Hall of Fame“ des Basketballs stehen. Ende der 50er Jahre habe ich gegen Wilt mal in Deutschland verloren, auf einem Rasenplatz in einem Fußballstadion. Wir hatten keine Zeit, das Parkett auszulegen, das wir immer auf Reisen dabeihatten. Basketball kannte damals ja kaum jemand in Europa.

Heute um 20 Uhr treffen Generals und Globetrotters in der Max-Schmeling-Halle aufeinander. Was können die Berliner Zuschauer erwarten?

Sie werden die weltberühmten Harlem Globetrotters und ihre große Show sehen. Und mein Team, wie es versucht, sie zu schlagen. Vielleicht klappt es ja diesmal.

Aber Sie würden kein Geld auf Ihre Generals setzen.

Ich wette nie auf Basketballspiele.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Louis „Red“ Klotz, 88, war lange Spieler und Trainer bei den Washington Generals. Heute ist er Besitzer der Mannschaft, die allabendlich von den Harlem Globetrotters vorgeführt wird.

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