Basketball : Titel zu verschenken

Oldenburg wird Basketballmeister, weil Bonn am Ende der dramatischen Finalserie die Nerven verliert

Claus Spitzer-Ewersmann[Oldenburg]

Michael Koch saß da wie ein Häuflein Elend. „Schlimmer geht’s nimmer!“, stammelte der Coach der Telekom Baskets Bonn. Gerade hatte sein Team das entscheidende fünfte Spiel um die Deutsche Meisterschaft bei den Baskets Oldenburg verloren, mit einem Punkt, 70:71. „Bitter, ganz bitter. Wir haben den Titel durch individuelle Fehler verschenkt. In 40 Sekunden einfach verschenkt“, flüsterte Koch und blickte ins Leere.

Eine merkwürdige Finalserie endete mit einem besonderen Moment. Auf den Heimmannschaften schien ein regelrechter Fluch zu lasten. Je zweimal hatten vor dem Showdown am Donnerstagabend die Bonner in Oldenburg und die Norddeutschen im Rheinland gewonnen. Angesichts dieser Ausgangslage sprach niemand mehr von einem Heimvorteil der Niedersachsen – eher vom großen Druck, den ein Publikum seinen Spielern aufbürden kann. Und auch diesmal schienen die Hausherren dieser Last nicht gewachsen. In der hitzigen Atmosphäre der ausverkauften Halle führten die bissigen Bonner Mitte der zweiten Halbzeit schon mit elf Punkten – vor allem dank eines Mannes, den niemand auf der Rechnung hatte: Patrick Flomo. Der Liberianer sammelte an diesem Abend 18 Punkte und war neben Aufbauspieler Earl Jerrod Rowland (22) stärkster Bonner.

Am Ende aber wurde der Bonner Spielmacher Rowland zum tragischen Helden. Nachdem Oldenburg mit einer Energieleistung wieder herangekommen war, versagten Rowland 40 Sekunden vor der Schlusssirene bei zwei Freiwürfen die Nerven. Jason Gardner konnte auf der Gegenseite elf Sekunden vor Schluss zum 70:70 ausgleichen. Bonn blieb der letzte Angriff – eigentlich. Denn ein völlig überhasteter Pass der Gäste landete in den Händen der Oldenburger, Je’Kel Foster wurde gefoult und konnte einen Freiwurf verwandeln. Erneut hatten die Bonner Zeit für einen letzten Wurf, erneut konnten die Gastgeber einen Pass abfangen. Rowland fasste sich entsetzt an den Kopf, während Foster unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer unbedrängt über das Feld dribbelte und die Schlusssirene den ersten Titel der Oldenburger besiegelte.

„Wir sind am Ende großes Risiko gegangen und wurden dafür belohnt“, freute sich Meistertrainer Predrag Krunic. Tatsächlich hatte der Disziplinfanatiker im letzten Viertel bewegliche, kleine Spieler aufs Feld geschickt und vor allem auf die Routine von Jason Gardner (14 Punkte), die Treffsicherheit des zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählten Rickey Paulding (20) und die Spritzigkeit Je’Kel Fosters gesetzt (18). Als Meister haben sich die Baskets für die Europaliga qualifiziert, ihre Halle hat aber nur 3000 Plätze. Sie wollen ihre Spiele in der benachbarten Weser-Ems-Halle austragen, die mehr als 5000 Zuschauern Platz bietet.

Diese Sorgen spielten nach dem Triumph zunächst aber keine Rolle. Während die Oldenburger die Meisterschaft ausgelassen feierten, ging der Kontrahent vom Rhein auch beim fünften Versuch leer aus. „Beim Basketball haben wir leider kein Unentschieden“, klagte Michael Koch. „Es gibt immer einen Verlierer. Und das waren wir – wie so oft.“

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