Basketball : Unsere Liga soll größer werden

Trotz des spannenden Provinzduells mit Bamberg als Meister zieht es den Basketball Richtung Metropolen. Denn man braucht mehr Sponsoren und mehr Zuschauer, um international erfolgreich zu sein.

Martin Fünkele[Quakenbrück]
Brose Baskets Bamberg
Stolze Meister: Die Brose Baskets Bamberg feiern in Quakenbrück. -Foto: dpa

Dirk Bauermann war sich sicher: „Es wird die größte Party, die es je in Bamberg gegeben hat. Noch größer als 2005.“ Damals war Bauermann mit Bamberg zuletzt Meister geworden. Der erfolgreichste deutsche Basketballtrainer, der sich durch den 64:63-Erfolg seiner Mannschaft im vierten Finalspiel gegen die Artland Dragons Quakenbrück den neunten Titel sicherte, kennt sich mit Siegesfeiern aus. Schon in der Kabine wurden Sektkorken entfernt und Zigarren angezündet, während daheim auf dem Bamberger Marktplatz fast 10 000 Fans ihr Team feierten. Es ist also nicht anzunehmen, dass die Franken am Mittwochmorgen schon wach waren, als die Basketball-Bundesliga (BBL) einen bemerkenswerten Rekord vermeldete: Mehr als eine Million Zuschauer zählte die Liga in der Saison 2006/07, 18,8 Prozent mehr als im vergangen Jahr. Verständlich, dass Jan Pommer, der Geschäftsführer der BBL, die vergangenen Tage „einfach nur geil“ fand.

Als letzte deutsche Liga hatte die BBL ohne die Konkurrenz internationaler Großveranstaltungen ihren Meister gesucht. So erhielt die sonst im Pay-TV beheimatete Sportart Einzug in die Hauptnachrichten von ARD und ZDF. Thema der Wahrnehmung: Das kleine niedersächsische Städtchen Quakenbrück, das in der Rolle des Davids den Goliath aus Bamberg herausfordert. So erfuhr eine breite Öffentlichkeit von den rund 1000 Bauernhöfen im Umfeld der 13 000-Einwohner-Gemeinde, und einem Balkon, den die Stadt extra für ihre Dragons am Rathaus hatte anbringen lassen. „Ein bisschen bin ich mir vorgekommen wie im Zirkus“, sagte Trainer Chris Flemming, bevor seine Mannschaft als Vizemeister vom Rathausbalkon winkte. Man konnte den Eindruck bekommen, dass Basketball in Deutschland dort zuhause ist, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen.

Für Jan Pommer, den Juristen mit Großstadt-Visionen, ist das kein erwünschtes Bild. Ginge es nach dem BBL-Chef, hätte sich die an Großstädten arme Liga längst in Metropolen wie Hamburg oder München etabliert. Nun standen mit Bamberg (70 000 Einwohner) und Quakenbrück die kleinsten Städte im Finale. „Wir können als BBL nicht hingehen, und irgendwo einen Standort eröffnen“, so Pommer. Das müsse „intrinsisch“, also von innen, wachsen. Am besten gelingt das aber anscheinend in der Provinz. Während Bamberg mit 6717 den höchsten Zuschauerschnitt der Liga hat, halten die Artland Dragons den Rekord, 70 Heimspiele in Folge ausverkauft zu haben. Die Halle fasst 3000 Zuschauer Quakenbrücks Trainer Flemming sagt: „Bamberg ist die einzige Stadt Deutschlands, wo Basketball dengleichen Stellenwert hat wie bei uns.“

Dirk Bauermann hält dagegen wenig von der Reduktion auf das Provinzielle. Ein Team, das in den Play-offs den Hauptrunden-Ersten Berlin und dann Meister Köln ausschalte, habe eine „ganz hohe Qualität“, sagt der Bamberger Trainer. Darauf sollte man sich konzentrieren, „anstatt ständig darauf rumzureiten, wie viele Einwohner Quakenbrück hat“.

Für den „nächsten Schritt“ (Flemming), nämlich international zu spielen, ist die Größe allerdings schon entscheidend. Zwar ist Quakenbrück als Vizemeister für den Uleb-Cup, den zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb, qualifiziert, doch die Artland-Arena ist zu klein. Wenngleich Manager Marko Beens eigenhändig die Umkleidekabinen vermessen hat, warten die Niedersachsen noch auf eine Sondergenehmigung. Doch auch in Bamberg stoßen sie an ihre Grenzen: „Ohne den Großraum Nürnberg kommen wir nicht aus. Dort müssen wir Sponsoren akquirieren“, sagt Manager Wolfgang Heyder. Denn das erklärte Ziel der Franken ist es, in der Euroleague, der europäischen Königsklasse, dauerhaft eine Rolle zu spielen. „Aber das geht nur, wenn wir einen überregionalen Sponsor haben, der das mittelfristig trägt“, so Heyder.

Für die deutsche Liga betont Jan Pommer die Notwendigkeit von Großstadt-Konzepten. „Es wäre doch dumm, die Millionen Menschen in Hamburg, München oder Leipzig einfach liegen zu lassen“, sagt der BBL-Geschäftsführer. Der provinzielle Charme der Finalserie hat der BBL zwar einen Boom beschert. Doch um aus einem Dorffest eine große Party zu machen, müssen auch ein paar Metropolen mittanzen.

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