Sport : Basketball: Verschärfte Sensibilisierung

Benedikt Voigt

Es ist eine auffällige Szene: Polizisten in schusssicheren Westen sichern ein Gebäude, über ihren Schultern hängen Maschinenpistolen, und im Hintergrund wartet ein gepanzertes Polizei-Fahrzeug. Dieses Bild kann man gegenwärtig in ganz Berlin finden. Seit sich die politische Situation in Israel in den vergangenen Wochen so dramatisch verschärft hat, patrouillieren in der gesamten Stadt vor jüdischen, britischen und US-amerikanischen Einrichtungen insgesamt mehrere hundert Polizisten. Am heutigen Mittwoch wird sich wohl auch vor der Max-Schmeling-Halle ein verstärktes Polizeiaufgebot einfinden, denn mit Maccabi Raanana tritt ein israelisches Basketballteam in der Suproleague gegen Alba Berlin (20 Uhr 30) an.

Was die Sicherheitsmaßnahmen betrifft, ist es für die Berliner kein Spiel wie jedes andere. Geschäftsführer Robert Mayer sagt: "Aufgrund der politischen Lage sind wir natürlich sensiblisiert."

Vor zehn Tagen wies Mayer in der vor Heimspielen üblichen Einsatzbesprechung die Polizei auf die Brisanz dieses Spiels hin. Ansonsten aber hält der Geschäftsführer die vorhandenen Sicherheitskräfte für ausreichend. "Wir sind mit unseren Kontrollen führend in Europa", erklärt Mayer. Seit 1998, als bei der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen ein betrunkener Berliner Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle zwei dänische Fans erstach, untersucht der Sicherheitsdienst in der Halle äußerst streng. "Aber wir werden unsere Kontrollen am Mittwoch intensivieren", erklärte der Geschäftsführer. Zwar werden laut Mayer keine Metalldetektoren eingesetzt, aber die Ordner sollen die Leibesvisitation der Fans noch akribischer durchführen.

Für Marco Baldi indes ist die Partie gegen die Israelis nichts außergewöhnliches. "Klar sind die Sicherheitsmaßnahmen verschärft", erklärt der Vize-Präsident von Alba Berlin, aber dies sei nicht die erste sportliche Begegnung unter schwierigen politischen Umständen. "Wir haben schon in Belgrad gespielt, als die Situation dort unübersichtlich war." Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen würden die Spieler gar nicht mitkriegen. Frühere Basketballspiele seien gefährlicher gewesen. "Gegen Klubs mit einem Hooligan-Kern", erinnert sich Baldi, "da sind schon mal Nebelkerzen geworfen worden." Für israelischen Mannschaften gilt bei Auswärtsreisen ohnehin ein hoher Sicherheitsstandard. "Maccabi Raanana bringt eigene Sicherheitskräfte mit", erklärt Mayer. Deshalb bekommen die Israelis in der Max-Schmeling-Halle auch keinen "großartigen Polizeischutz".

In der zweiten Europaliga, der Euroleague, fiel in der vergangenen Woche das Spiel Hapoel Jerusalem gegen Real Madrid wegen der politisch unsicheren Situation aus. Dennoch ist Marco Baldi auch vor dem Rückspiel nicht bange. "Das wird eine Auswärtsreise, wie jede andere", sagt Alba Berlins Vize-Präsident. Allerdings schwingt da wohl auch das Prinzip Hoffnung mit.

Schwieriger wird es für Alba wahrscheinlich eher auf dem Spielfeld. Vor der Saison herrschte noch Unklarheit über den Leistungsstand des aktuellen israelischen Vizemeisters. Spätestens nach dessen Heimerfolg über Ülker Istanbul (77:76) muss mit den Israelis in der Gruppe A gerechnet werden. Der jugoslawische Centerspieler Jovo Stanojevic (17,7 Punkte im Durchschnitt in der Suproleague) und der US-amerikanische Flügelspieler Jesse Salters (15,7 Punkte) zählen zu den Stützen des Teams. Überraschenderweise kommt der Aufbauspieler Miles Simon, der in den USA an der Universität von Arizona Starstatus besaß, in Israel überhaupt nicht in Tritt.

Alba sollte dennoch gewarnt sein. Gegen israelische Teams weisen die Berliner bislang eine Bilanz von zwei Siegen und vier Niederlagen auf. Hoffentlich bleibt das sportliche Problem das einzige für die Berliner.

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