Basketball : Wahnsinn statt Alba

Der 19-jährige Niels Giffey, der in Berlin kaum jemandem ein Begriff war, spielt in den USA um den College-Titel.

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In Amerika ist Niels Giffey ein ganz Großer.
In Amerika ist Niels Giffey ein ganz Großer.Foto: AFP

Berlin - Dass College-Basketball in den USA einen ganz eigenen Stellenwert hat, sah Niels Giffey im Winter. „Es lag Schnee und es war arschkalt“, erinnert sich das Basketball-Talent aus Berlin, „aber einige Studenten haben nachts vor der Halle gezeltet, um an die besten Sitzplatztickets zu kommen.“ Dabei ging es nur um ein normales Saisonspiel seiner Huskies, einer Unimannschaft aus dem US-Bundesstaat Connecticut.

Seit Donnerstag hat der Wahnsinn erst richtig begonnen: die „March Madness“, wie die Meisterschaftsendrunde im US-College-Basketball genannt wird. Was für Deutsche nach Hochschulsportfest klingt, versetzt in Amerika hunderttausende Fans in den Ausnahmezustand. Die Spiele werden landesweit live übertragen und stellen zeitweise die Profiliga NBA in den Schatten. Als 1500 Haushalte in Connecticut den 81:52-Auftaktsieg gegen Bucknell nicht verfolgen konnten, protestierte ein Kongressabgeordneter beim Kabelsender.

In Deutschland war Giffey kaum bekannt

„Sport hat in den USA und speziell an den Unis einen unglaublichen Stellenwert“, sagt Giffey. Vor einem Jahr noch, am Gymnasium im Prenzlauer Berg, hätten seine Mitschüler zwar gewusst, dass er Basketball spiele, in Connecticut aber wird der 19-Jährige im Studentwohnheim von Fans und Reportern der Campus-Zeitung umlagert. „Das hat viel mit Lokalpatriotismus zu tun“, sagt Giffey. „Wir Spieler sind alle Studenten, es geht ums Team, nicht so sehr um das Ego wie in der NBA.“

Dabei träumt auch der 2,01 Meter große Flügelspieler von der Profiliga. „Es ist nicht unmöglich, ich sehe, dass ich mithalten kann“, sagt Giffey. Der Traum NBA war vergangenen Sommer nicht der einzige Grund für den U-20-Nationalspieler, Alba Berlin zu verlassen. „Ich wollte mal raus aus Deutschland und die Kombination von Basketball und Studium war attraktiv“, sagt Giffey. Zudem sah er bei Alba keine Perspektive. Denn trotz vorbildlicher Jugendförderung hat in Berlin seit Jahren kein Talent mehr den Durchbruch geschafft. „Bei Alba findet kein richtiger Übergang ins Profiteam statt“, sagt Giffey.

Er hat Ehrgeiz. Und Humor

In Connecticut aber wartet der Deutsche auch auf den Durchbruch: Gegen Bucknell erzielte er zwei Punkte in elf Minuten, was in etwa seinem Saisonschnitt entspricht. „Ich bin ganz klar Rollenspieler, aber ich will in den nächsten Jahren mehr Verantwortung übernehmen.“

Und so darf Giffey Connecticuts Star Kemba Walker wieder von der Bank assistieren, wenn die Huskies gegen Cincinnati (Sonntagfrüh, 2.40 Uhr deutscher Zeit, alle Spiele live auf Ncaa.com) um den Einzug in die „Sweet Sixteen“ spielen. In das Achtelfinale will auch der deutsche Nationalspieler Elias Harris am selben Tag mit den Gonzaga Bulldogs aus dem Bundesstaat Washington gegen die Brigham Young University aus Utah (0.45 Uhr) einziehen. Doch nach einer mauen Saison sind die Aussichten des 21-Jährigen auf den Titel und eine NBA-Karriere gering. Connecticut aber hat gute Chancen auf das „Final Four“ in Houston, wo vier Teams vom 2. bis zum 4. April um den Titel spielen. „Ich bin ganz heiß darauf“, sagt Giffey. Seinen früheren Jugendtrainer Henrik Rödl zieht er per E-Mail schon damit auf, dass der College-Champion von 1993 bald nicht mehr der einzige Deutsche mit einem Meisterring sein könnte.

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