Sport : Basketball: "Wir stoßen Alba nicht vom Thron"

Helen Ruwald

"Basketball soll die Menschen glücklich machen, und die Telekom Baskets bereichern die Bonner Gesellschaft, indem sie diesen Zirkus veranstalten." Bundestrainer Henrik Dettmann hat das einst gesagt über die Bonner, die seit ihrem Aufstieg 1996 zweimal Vizemeister wurden, einmal Vierter und einmal Fünfter. Der "Zirkus", das waren riesige Partys und Sonderzüge zu Auswärtsspielen mit Hunderten von Fans. Letzte Saison kamen 18 506 Fans in die Kölnarena zur Partie gegen Alba.

Nach Platz vier im Jahr 2000, wo Bonn im Halbfinale an Alba scheiterte, kippte die Stimmung. Die Lokalgazetten schrieben von "müden Profis", Trainer Bruno Soce klagte über "satte Spieler". Der Klub entschied sich für einen Neubeginn. Aus dem Kader der vergangenen Saison, zu dem auch Albas Derrick Phelps gehörte, wurden nur Hurl Beechum, Ivo Josipovic und Branko Klepac gehalten. Präsident Wolfgang Wiedlich sagte der Fachzeitschrift "Basketball" damals, dass er "angesichts des Neuaufbaus mit dem Erreichen der Play-offs zufrieden wäre".

Dieses Ziel ist erreicht, Bonn tritt heute (20 Uhr, Max-Schmeling-Halle) als Zweiter in Berlin an, allerdings ohne den Verletzten Maurizio Pratesi. Die Neuen sind integriert, Paul Burke, US-Guard mit schwedischem Pass, war unlängst in Hagen mit sieben von acht Dreipunktewürfen erfolgreich. Topscorer ist meist Mark Miller mit durchschnittlich 19 Punkten. 1997 bis 1999 war Telekom Baskets am Saisonende vor Leverkusen, dem Meister der Jahre 1991 bis 1996, platziert. In der vorigen Saison war es erstmals andersherum, Bonn war Vierter, Leverkusen Zweiter. Dann wurde das Team umgekrempelt.

Die Mannschaften vom Rhein machen die Rolle des Verfolgers von Alba, dem unangefochtenen Spitzenreiter, unter sich aus. Sofern man bei zwölf beziehungsweise 14 Punkten Rückstand überhaupt von einem Verfolger reden kann. Leverkusen reiste letzten Samstag als Zweiter an, unterlag und fiel auf Platz drei zurück. Jetzt ist Bonn Zweiter - zumindest bis das Spiel zu Ende ist, dann könnten die Konkurrenten die Plätze wieder getauscht haben.

Wer ist der Kronprinz in der Basketball-Bundesliga und kann Alba den Titel streitig machen? "Wir nicht", sagt Wolfgang Wiedlich, "ich wäre größenwahnsinnig, wenn ich sagen würde, wir stoßen Alba vom Thron. Nominell ist uns das nicht zuzutrauen." Wiedlichs Tiefstapelei hat einen Namen: MC Mazique. Der US-amerikanische Center, einer der beiden Stars im Team, wurde vor einer Woche entlassen, aus disziplinarischen Gründen. "Sportlich ist das eine Schwächung, aber beim ersten Spiel ohne Mazique in Hagen hat die Mannschaft dafür Teamspirit, Kampf und Zuammenhalt gezeigt", meint der Präsident. Tugenden, die zuvor zeitweise gefehlt hatten, als Bonn sowohl aus dem Saporta Cup als auch dem deutschen Pokal ausgeschieden war.

Mit Mazique sind die Bonner ein Problem los: Für die vier zulässigen Ausländerplätze gibt es jetzt keine fünf, sondern nur noch vier Kandidaten. Die Zeiten, wo entweder Center Igor Perica oder Ivo Josipovic nicht einmal auf dem Spielberichtsbogen stehen durften und in Zivil auf der Bank oder der Tribüne saßen, sind vorbei. Perica wird heute Abend die Rolle von MC Mazique einnehmen. "Er spielt nicht so spektakulär, ist aber stark unter dem Korb", warnt Albas Trainer Emir Mutapcic, "der neue Mannschaftsgeist könnte für uns zum Problem werden, wenn wir nicht die richtige Einstellung haben." Das glaubt Wiedlich nicht: "Ich tippe, dass wir mit zehn bis fünfzehn Punkten verlieren und hoffe, dass es nur fünf Punkte sind."

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