Basketball-WM : Tanzverbot für Cheerleader in der Türkei

Bei der Basketball-WM in der Türkei spekulieren die Medien über eine Order des Ministerpräsidenten Erdogan, die den leicht bekleideten Cheerleadern das Tanzen verbietet.

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Zu leicht bekleidet? In der Türkei sind die WM-Cheerleader nicht bei allen Basketball-Zuschauern willkommen.
Zu leicht bekleidet? In der Türkei sind die WM-Cheerleader nicht bei allen Basketball-Zuschauern willkommen.Foto: AFP

Sie sind jung, attraktiv, leicht bekleidet und sollen die Zuschauer bei der Basketball-Weltmeisterschaft in der Türkei in Stimmung bringen. Die „Red Foxes“, eine aus zehn Damen bestehende Profi-Tanztruppe aus der Ukraine, heizen als Cheerleader dem Publikum beim Turnier der besten Nationalmannschaften der Welt ein – allerdings nur dann, wenn nicht gerade das Gastgeberland Türkei spielt. Obgleich für die Spiele in Ankara angeheuert, fehlt der Trupp meistens, wenn die Türken auflaufen. Die Presse spekuliert, das Tanzverbot gehe auf eine Order von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zurück, der als frommer Muslim den Anblick der knackigen Tänzerinnen vermeiden wolle. Auch die Delegation aus dem Iran hat offenbar ihre Probleme mit den Ukrainerinnen.

Türkische Medien zitierten die Leitung der „Red Foxes“ mit der Aussage, vor drei Wochen sei den Ukrainern mitgeteilt worden, ihr Auftritt falle bei allen Spielen aus, bei denen Erdogan in der Halle sei. Als die Türkei vor einigen Tagen Russland besiegte, war Erdogan zur Stelle – die ukrainischen Tänzerinnen aber nicht. „Wir wollen unsere Cheerleader wieder haben“, forderte die Kolumnistin Safile Usul vom Online-Portal „Gazeteport“. Sie glaube zwar nicht, dass Erdogan selbst angeordnet habe, die „Red Foxes“ vom Spielfeld fernzuhalten. Aber irgendjemand habe wohl im vorauseilenden Gehorsam dafür gesorgt, möglicherweise auch, um Erdogans Kopftuch tragende Gattin Emine nicht zu verärgern. Emine hatte ihren Mann zum Spiel gegen Russland begleitet.

Aber es geht nicht nur um Erdogans Anwesenheit. Beim türkischen Spiel gegen Griechenland beispielsweise war Erdogan nicht in der Halle, die „Red Foxes“ fehlten trotzdem. Die Regierung wurde von Außenminister Ali Davutoglu vertreten. Einige Zeitungen erklären sich die Abwesenheit der Tänzerinnen mit dem derzeitigen islamischen Fastenmonat Ramadan, in dem von Gläubigen tagsüber auch sexuelle Enthaltsamkeit verlangt wird. Ganz überzeugend ist aber auch das nicht. Beim Spiel zwischen Tunesien und dem Iran waren Tänzerinnen dabei.

Allerdings scheint auch das Verhältnis der Iraner zu den Cheerleaders nicht völlig unkompliziert zu sein. Beim Spiel gegen Tunesien kehrte die iranische Delegation der Tanztruppe demonstrativ den Rücken zu; bei einer späteren Begegnung gegen die USA trugen die „Red Foxes“ plötzlich lange Hosen. Von „kulturellen Anpassungen“ des Unterhaltungsprogramms sprach der Generalsekretär des Basketball-Weltverbandes, Patrick Baumann.

Unterdessen meldete sich der türkische Basketball-Verband mit einer merkwürdigen Erklärung des Boykotts zu Wort. Die Abwesenheit der Tänzerinnen bei Spielen der Türkei habe nichts mit Politik zu tun, sondern mit Strategie: Demnach schaffen es die Cheerleaders einfach nicht, die türkischen Zuschauer zu Beifallsstürmen für die Heimmannschaft zu animieren – patriotische Gesänge seien da wesentlich effektiver. Doch das kann die Skeptiker nicht überzeugen. „Eine lächerliche Begründung“, kommentierte die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“.

Mittlerweile zeigt die Berichterstattung in den Medien über den Tanz-Boykott bei den türkischen Verantwortlichen Wirkung. Die Erdogan-Regierung steht bei Skeptikern im In- und Ausland schließlich ohnehin unter Islamismus-Verdacht und hat kein Interesse daran, diesen noch zu verstärken. Und so tauchten die „Red Foxes“ beim Spiel der Türken gegen Puerto Rico dann doch noch auf – zwar in langen Hosen, aber immerhin.

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