Basketball-WM : Tränen der Talente

Die Zeit schien für die jungen Spieler der deutschen Basketball-Mannschaft gekommen zu sein. Die WM hat gezeigt: Der Weg ist noch lang.

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Erklärungsbedarf. Trainer Bauermann und Jan Jagla suchen nach Antworten. Foto: dpa
Erklärungsbedarf. Trainer Bauermann und Jan Jagla suchen nach Antworten.Foto: dpa

Von drei neuen deutschen NBA-Profis in naher Zukunft war schon die Rede, von einer goldenen Generation, um die die Basketballwelt Deutschland beneiden würde. Der deutsche 1989er Jahrgang sorgte bei der EM im vergangenen Jahr für viel Aufsehen, internationale Beobachter wollten gar nicht glauben, welche Rohdiamanten da in den Niederungen der unterklassigen Ligen Pro A und Pro B heranreiften. Jetzt, bei der WM in der Türkei, schien die Zeit für Spieler wie Tibor Pleiß, Robin Benzing und Elias Harris gekommen, um auch gegen die Weltspitze zu glänzen. Nach drei Niederlagen in fünf Spielen und dem Aus in der Vorrunde – das bedeutungslose letzte Spiel gegen Jordanien gewann Deutschland am Donnerstagabend immerhin 91:73 (40:33) – steht nun fest: Deutschlands junge Basketballer haben noch einen langen Weg vor sich.

Nach dem unnötigen 88:92 gegen Angola, durch das die Mannschaft das Achtelfinale verpasste, zog Bundestrainer Dirk Bauermann trotzdem eine positive Bilanz. „Wir haben immer gesagt, dass wir diese Mannschaft entwickeln wollen“, sagte Bauermann. „Unser wichtigstes Ziel war, junge Spieler ans Weltniveau heranzuführen. Das haben wir erreicht.“ Es brauche manchmal eben „einen richtigen Rückschlag“, um voranzukommen. Wie sehr dieser Rückschlag die deutschen Spieler traf, war ihnen in Kayseri anzusehen, mit hängenden Köpfen und Tränen in den Augen schlichen sie vom Feld. „Das war ein Fehltritt, aus dem sie lernen werden“, sagte Bauermann, der hofft, dass die Enttäuschung zum Ansporn wird. Der 52-Jährige verlangt noch größeren Willen, sich verbessern zu wollen: „Man muss an Stärken und Schwächen arbeiten. Auch wenn man mal müde ist, auch wenn man mal keine Lust hat. Ihr Standard muss immer die Weltspitze sein und nicht die Bundesliga-Play-offs.“

Bereits in der WM-Vorbereitung hatte Bauermann seine Talente kritisiert – Benzing müsse härter an seinen athletischen Defiziten arbeiten, Harris spiele zu blauäugig. Dieser ist auf dem College in den USA ein Star, er wirkte aber in der Türkei besonders im Angriff völlig verunsichert. Benzing, das vielleicht größte deutsche Talent, sieht neben Profis aus Argentinien oder Serbien immer noch so schmal aus wie ein Kind. Im Gegensatz dazu überzeugte Philipp Schwethelm mit Selbstvertrauen, Spielwitz und Kampfgeist. Alle drei sind 21 Jahre alte, vier weitere deutsche Spieler im WM-Kader sind maximal 22. „Das sind Babys im Vergleich zu anderen Mannschaften“, sagte Bauermann, der das Team weiter begleiten will, auch zu einer möglichen Heim-EM 2015: „Ich werde Trainer sein, bis ich tot umfalle. Ich hoffe, dass ist 2015 noch nicht der Fall.“ Sein Vertrag läuft noch bis 2013.

Der Bundestrainer hofft, dass die beiden NBA-Profis Dirk Nowitzki und Chris Kaman zur EM 2011 in Litauen wieder dazustoßen. Nowitzki lebe vor, wie hart man an sich arbeiten müsse – gerade wenn man mit viel Talent gesegnet sei. „Außerdem haben die beiden eine Ankerfunktion, die den jungen Spielern große Sicherheit gibt und viel Druck von ihnen nimmt“, sagte Bauermann. Das konnten die erfahrenen Spieler Demond Greene, Steffen Hamann und Jan Jagla nur bedingt. Sie waren es vor allem, die gegen Angola patzten. Hamann berichtete, er habe mit seinem Zimmerpartner Greene nach der Niederlage aus Frust kaum geredet: „Wir wissen beiden, was wir falsch gemacht haben und welche Chance wir hatten.“ Auch Jagla haderte mit sich: „Vielleicht hätte von uns in einigen Situationen mehr kommen müssen.“

Erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob Bauermann recht damit hatte, auf Kosten eines möglicherweise verpatzten Turniers radikal auf junge Spieler zu setzen. Jan Jagla glaubt daran: „Man wird diese Generation nicht daran messen, was sie jetzt leistet, sondern was sie in den nächsten zehn Jahren leistet.“

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