Basketball-WM : Umbruch nach dem Umbruch

Bei der Basketball-WM tritt Deutschland mit einem noch jüngeren Team an als bei der EM. In der Vorbereitung hat sich die Mannschaft nach schwachem Beginn kontinuierlich gesteigert.

von
Jan-Hendrik Jagla (r.) möchte gerne die Vorrunde bei der WM überstehen.
Jan-Hendrik Jagla (r.) möchte gerne die Vorrunde bei der WM überstehen.Foto: dpa

Berlin - Dirk Bauermanns letzte Entscheidung vor dem Beginn der Basketball-Weltmeisterschaft war überraschend – aber nur konsequent. Am Montagmorgen strich der Bundestrainer Flügelspieler Konrad Wysocki aus seinem Aufgebot. Anstelle des 28-Jährigen, der seit zwei Jahren zum Stamm des Nationalteams gehört, nominierte Bauermann den sieben Jahre jüngeren Philipp Schwethelm von den Eisbären Bremerhaven – der vor knapp vier Wochen erstmals das Nationaltrikot getragen hat. „Konrad war zuletzt bei Olympia und bei der EM dabei“, teilte Bauermann mit. „Doch unter dem Entwicklungsaspekt habe ich mich entschieden, den jungen Spielern wie Benzing, Harris und Schwethelm die Möglichkeit zu geben, sich bei einem großen internationalen Wettbewerb wichtige Erfahrungen zu holen.“ Damit verfolgt der Bundestrainer seine Strategie aus dem Vorjahr weiter: Ohne Dirk Nowitzki und Chris Kaman setzt Bauermann auf den talentierten deutschen Nachwuchs.

In diesem Sommer verzichten neben den beiden deutschen NBA-Profis auch die zu Alba Berlin gewechselten Routiniers Sven Schultze und Patrick Femerling auf das Nationalteam, dadurch sind die jungen Spieler automatisch gezwungen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Der 20 Jahre alte Bamberger Tibor Pleiß, im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft hauptsächlich Zuschauer, bildet nun als Center der Startformation das Rückgrat der Mannschaft. Die 21-Jährigen Robin Benzing, Tim Ohlbrecht und Elias Harris sind genauso gefordert wie Albas Lucca Staiger und der gerade noch ins Aufgebot gerutschte Ulmer Spielmacher Per Günther – die beiden sind 22 Jahre alt.

Zum Beginn der Vorbereitung hatte sich die deutsche Mannschaft noch sehr schwergetan. Einer 58:60-Niederlage gegen die zweitklassigen Niederlande folgte ein überdeutliches 54:82 gegen den WM-Mitfavoriten Griechenland. Erst in den vergangenen zwei Wochen fand das deutsche Team besser zueinander und schloss die Vorbereitung mit einem Sieg über den WM-Gastgeber Türkei und zwei Erfolgen gegen Puerto Rico ab. „Wichtiger als die drei Siege in Serie ist mir aber die Entwicklung der Mannschaft“, sagte Bauermann am Sonntag nach dem eindrucksvollen 97:74-Sieg gegen Puerto Rico. „Da haben wir in der Vorbereitung sensationelle Schritte gemacht.“

Ziel der Mannschaft ist es, die Vorrunde der Weltmeisterschaft zu überstehen. Um ins Achtelfinale einzuziehen, muss Bauermanns Team in der Gruppe A mit Argentinien, Serbien, Australien, Angola und Jordanien mindestens den vierten Platz erreichen. In der Runde der besten 16 könnte es dann zum Duell mit den USA kommen, die am Sonntagabend ihr vorletztes Testspiel im Madrid gegen Spanien hauchdünn 86:85 gewannen.

Nicht in der Türkei dabei sein wird der Neu-Berliner Yassin Idbihi, den Bauermann am Sonntag aus dem Kader strich. Der Power Forward war schon im vergangenen Jahr in letzter Sekunde noch aus dem EM-Aufgebot geflogen. „Ich bin schon sehr enttäuscht“, sagt Idbihi. „Aber ich muss mir an die eigene Nase fassen: Ich habe nicht so gut gespielt, wie ich es eigentlich kann.“ Anstatt mit dem Nationalteam am Mittwoch in die Türkei zu fliegen, reist der 27-Jährige bereits heute in Albas Trainingslager nach Slowenien.

Für die meisten deutschen Spieler wird die WM eine neue Erfahrung sein. Demond Greene, Steffen Hamann und Jan Jagla sind die Einzigen im Team, die seit Jahren auf internationalem Niveau spielen. Wie weit Unbekümmertheit die mangelnde Abgeklärtheit ersetzen kann, wird man am Sonnabend sehen, wenn die Mannschaft zum Auftakt auf Argentinien trifft – den Weltranglistenersten.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar