Basketball : Zur Niederlage geklatscht

Gastgeber Bonn verliert gegen Oldenburg und muss nun um den Finalsieg zittern. Warum ein Heimspiel im Basketballfinale nicht hilft

Maike Westphal

Bonn - Gefühlte fünfmal hüpft der Basketball auf dem Ring, bevor er sich in den Korb senkt. Der kuriose Freiwurf von Centerspieler John Bowler war symptomatisch für das vierte Finalspiel um die deutsche Basketballmeisterschaft: Während die Oldenburger ihre Punkte ruhig herausspielten, zitterte Gastgeber Bonn seine Würfe in den Korb. Den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte vor Augen, wirkten die Bonner wie gelähmt, verloren 66:82. Nun steht es 2:2, wieder gab es keinen Heimsieg. In allen vier Duellen der Best-of-five-Finalserie verloren stets die Gastgeber. Markus Raab, Psychologe an der Sporthochschule Köln, erklärt den diesen Heimfluch mit dem hohen Erwartungsdruck des Publikums: „Die eigenen Fans können das Heimteam zur Niederlage klatschen.“ Die Spieler spielten angesichts des drohenden Misserfolgs schlechter.

Eindrucksvoll zu beobachten am Dienstagabend in Bonn: Im ersten Angriff des Spiels kann Bonns Vincent Yarbrough einen einfachen Pass nicht fangen; drei Sekunden vor dem Schlusspfiff begeht Bonns Patrick Flomo an der Mittellinie ein Foul – eine Aktion, die bei einem deutlichen Rückstand so hilfreich ist, wie den Ball in den eigenen Korb zu werfen. „Wir waren von der ersten bis zur letzten Sekunde mental nicht auf dem Feld“, sagte Bonns Trainer Michael Koch. Er glaubt, dass die Euphorie in der Region seine Spieler gelähmt haben könnte. Innerhalb von zwölf Minuten hatten die Bonner 6000 Karten verkauft – die ganze Stadt war bereit für eine große Party. Möglicherweise seien Spieler mental schon bei der Meisterfeier gewesen, kritisiert Kapitän Artur Kolodziejski. „Wir können positiven Druck nicht in Energie umwandeln.“

Das fünfte und entscheidende Spiel um die Meisterschaft findet am Donnerstag (20.15 Uhr, live bei Eurosport) in Oldenburg statt. Das Gesetz der Serie spricht diesmal für Bonn. Maike Westphal

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