Sport : Basler darf nach Kaiserslautern

Oliver Trust

Trainer Otto Rehhagel holt seinen Lieblingsschüler aus München in die PfalzOliver Trust

Mitten in diesem Städtchen mit seinen herausgeputzten Fachwerkhäusern, verwinkelten Gässchen, dem Kopfsteinpflaster und den gemütlichen Weinstuben steht er der Elewedritsche-Brunnen. Und mitten in Neustadt an der Weinstraße, da wuchs auch der Pfälzer Bub Mario Basler auf. "Elwedritsche" sind Phantasievögel. Wo sie herkommen und wohin sie gehen, dass wissen selbst erfahrene Ornithologen nicht genau. Fest steht nur: Sie sehen lustig aus, haben ziemlich große Füße und einen noch größeren Schnabel.

Das wiederum passt zum berühmten Sohn der Stadt, zu Mario Basler. Jetzt also kehrt auch der Paradiesvogel des Fußballs heim. Nicht nach Neustadt, aber um die Ecke. Ein paar Kilometer sind es nur vom Brunnen auf dem Marktplatz nach Kaiserslautern quer durch den Pfälzer Wald. Dort hat der von Bayern München verstoßene trinkfeste "Fußballwaise" nun einen neuen Klub gefunden. Sein Vertrag in München wird aufgelöst, die rund 1,5 Millionen Mark Ablöse sind angewiesen, und Trainer Otto Rehhagel kann seinen Lieblingsschüler in die Arme schließen. Wie einen Messias werden Fans den Neuen empfangen. Vergessen scheint, dass Basler lieber feiert als läuft und oft erst ins Bett steigt, wenn draußen die Vögel (nicht die Elwedritsche) zwitschern. Ebenso, dass er in dieser Saison bis zum seiner Suspendierung am 16. Oktober nach der Pizzeria-Schlägerei nur 35 Minuten zu Wettkampfzwecken auf dem Rasen verbrachte.

Nun werden die Regisseure des Pfalztheaters wieder ein bisschen neidischer nach oben zum Betzenberg schauen. Heute haben sie vom 1. FC Kaiserslautern wieder gelernt, wie man gelungene Inszenierungen herzaubert. Drei Zeilen lang die Mitteilung die zur Pressekonferenz "Anlässlich eines Spielerneuzuganges" lud, die zur gleichen Zeit der Vorstandsvorsitzende Jürgen Friedrich in München bei Uli Hoeneß einfädelte.

Rechtzeitig zur Mitgliederversammlung am gestrigen Montag in der Halle des Volkes hinter der Nordtribüne tischte der FCK nach der Vertragsverlängerung von Otto Rehhagel den 30 Jahre alten Mario Basler als Dreingabe auf, der in der Saison 88/89 ein Spiel für Kaiserslautern machte und zwischen 1993 und 1996 bei Werder Bremen unter Rehhagel 92 Bundesligaeinsätze spielte. Dort hatte Basler in der Bundesliga bis dahin unbekannte Freiheiten genossen. Er trainierte, wenn ihm der Sinn danach stand. Der Stammplatz war ihm sicher. Unter derart behutsamer Anleitung reifte Basler bis zum Nationalspieler.

Für den umstrittenen Rehhagel, dessen Abschied sich viele FCK-Spieler von Herzen gewünscht hätten, ist der Fußballer mit dem angekratzten Image das Antrittsgeschenk für die garade erst erfolgte Verlängerung des Vertrages bis ins Jahr 2002. "Mario hat es selbst in der Hand. Wenn er fit ist und die Einstellung zeigt, dann ist er für jede Mannschaft ein Gewinn", sagte FCK-Kapitän Ciriaco Sforza als Begrüßungsrede und Warnung zugleich. Der Schweizer hatte immer wieder namhafte Verstärkungen gefordert und sich in einer Palastrevolution mit dem selbstherrlichen Rehhagel angelegt. Dass ausgerechnet der unberechenbare Basler den Karren aus dem Dreck zieht und die Einkaufspolitik Rehhagels korrigiert, daran zweifelt nicht nur Sforza. Weltmeister Youri Djorkaeff musste Rehhagel ja regelrecht aufgedrängt werden.

Nun also Basler. Ein Risiko? Nein, Wenn Mario wieder auf Tour geht, weiß Rehhagel, wo er suchen muss. In Kaiserslautern gibt es weniger Kneipen als in München. Und vielleicht schaut Basler ja am Elwedritsche-Brunnen auf dem Marktplatz in Neustadt vorbei, bei den anderen Paradiesvögel. Denen mit den großen Füßen und dem großen Schnabel, die ihm so ähnlich sind.

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