Sport : Basler hat noch eine Rechnung offen - heute, mit dem FC Bayern

Oliver Trust

Da sitzt Mario Basler auf einer Couch, mitten in der Pfalz. So, als habe er nie etwas anderes gemacht, als sei er niemals weg gewesen. Nun, eigentlich lag er mehr. Die Beine geradeaus gestreckt, und er stöhnt. Neben ihm sitzt seine Frau Iris und erzählt unerschütterlich von Bratkartoffeln, Dosenwurst und allerlei deftiger Hausmannskost. "Super Mario" stöhnt immer lauter. Ein Genießer eben wie viele in dieser Ecke Deutschlands, wo sie an Sommerabenden vor den Häusern sitzen, Portugieser trinken und tiefer gelegten Opels mit dicken Auspuffrohren auf der Kreisstraße nachschauen. Hier wissen die Menschen, was gut ist. Basler ist einer von ihnen. Ein Pfälzer aus Überzeugung. Herz und Heimat am rechten Fleck.

Jetzt, da er der Startruppe in München entkommen ist und bei seinem Förderer Otto Rehhagel Unterschlupf fand, baut er sich ein Haus. In Wattenheim am Rande des Pfälzer Waldes zwischen seiner Geburtsstadt Neustadt und seinem Arbeitsplatz in Kaiserslautern. Das gehört sich so. Gerade jetzt, da es ruhig geworden ist um einen der schillerndsten Paradiesvögel der Bundesliga. Er selbst bastelt eifrig am neuen Image. Zu sehen ist er nur auf dem Fußballplatz, nicht mehr am Biertresen in irgendwelchen Kneipen. "Nur zwei Mal", sagt er fast belustigt, war er in den letzten Monaten unterwegs. "Ich wollte immer in die Pfalz zurück." Nur nicht so schnell. Aber dieser laute Rauswurf in München, der sei innerlich längst abgehakt, behauptet er. Nur heute beim Spiel im Olympiastadion wird er keinem um den Hals fallen. "Wir werden uns nicht gerade ein Bein stellen", sagt er süffisant über seinen Lieblingsfeind Manager Uli Hoeneß. Aber Basler wird kämpfen bis zum Umfallen. So wie beim Hallenmasters. Mario gegen Bayern hieß das Spiel in München. Bayerns Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge stand schmunzelnd da, die Halle tobte. Basler machte Tempo und jagte über den Kunstrasen wie ein junger Hase.

Das Wort Rache würde ihm nie über die Lippen kommen. Er entschied sich für den diplomatischen Dienst und sagt: "Ich will mit Kaiserslautern in die Champions League." Dafür muss der Klub siegen, am besten gleich in München. Mit ihm. Obwohl der "Turbo-Basler" auch Pause macht. Ein Dauerläufer und Konditionswunder war er nie, aber es lief schon besser. "Ich brauche eine komplette Vorbereitung, dann ist die alte Spritzigkeit wieder da", sagt er und weiß, was die Leute denken. Vielleicht liegt es doch an den Zigaretten. Auch in der Pfalz gibt es Leute, die beim Namen Basler und seinen glatt gebügelten Kommentaren "Vorsicht Falle" rufen. Die meisten aber mögen ihn. Ein Kerl, offen, ehrlich, das Herz auf der Zunge, nicht abgehoben trotz der Millionen.

Im Training klatschen die Mannschaftskameraden schon mal, wenn er einen Pass über vierzig Meter schlägt. Oder alles lacht, wenn der Entertainer durchschimmert und einer der lockeren Sprüche aus dem oft losen Mundwerk purzelt. Er genießt die Ruhe um ihn herum. "Dass sie nicht ins Auto gekrabbelt sind, das war alles", sagt er über die Journalisten in München und die Fans. Hier hält ihn niemand auf. Und er muss keine Schlagzeilen lesen, weil er keine 90 Minuten durchhält. In dieser Mannschaft kann er mit Freistößen und Pässen aus dem Stand glänzen. Den Flügelflitzer machen andere. Basler ist der Mann im Hintergrund mit geduldetem Konditionsrückstand, der schon mal so rackert wie in Unterhaching, als er ausgepumpt auf dem Boden lag, aber eben nicht jeden Sonnabend. Zwischendurch muss das mal sein. Genauso wie ab und zu ein Trainingspäuschen.

Übertreiben darf er nicht. Das weiß Basler. Der Grat zwischen Held und Versager ist auch in der Pfalz schmal. Die Fans erwarten Erfolge. Platz acht wird nicht verziehen.

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