Sport : Bastelstunde im Advent

Michael Rosentritt

Tage im Dezember zählen in der Bundesliga zu den kreativsten. Während die Fußballprofis um ein möglichst üppiges Weihnachtsgeld kicken, basteln die Fußballmanager schon an einer neuen Mannschaft. Dieter Hoeneß kann mit seiner Hertha derzeit eigentlich sehr zufrieden sein. Im Hintergrund werkelt er trotzdem schon gewaltig.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Hoeneß lässt seine Spielerbeobachter nicht nur Südamerika nach passendem Personal durchstreifen, sondern auch die Zweite Bundesliga. Auf der Liste der für ihn interessanten Spieler steht der Name Jan Simak weit oben. Der 23-jährige Tscheche gilt als Juwel dieser Liga. Vorgestern bescherte Simak mit einem verwandelten Foulelfmeter seinem Arbeitgeber Hannover 96 einen Punkt im Spitzenspiel gegen Bielefeld. Sekunden vor dem Abpfiff traf Simak zum 4:4. Mit zwölf Treffern führt der Tscheche zusammen mit Kryszalowicz (Eintracht Frankfurt) die Torschützenliste an. "Die ganze 1. Liga hatte Vertreter auf die Tribüne beordert", erzählt Roger Wittmann, der Berater des Tschechen. Simak steht zwar noch bis Juli 2005 bei den Niedersachsen unter Vertrag, doch sagt Wittmann, dass "der Jan definitiv in der kommenden Saison in der 1. Liga spielen wird". Nicht auszuschließen, dass er das eventuell auch mit Hannover könnte. Mit dem 4:4 blieb das Team im 15. Punktspiel der Saison ungeschlagen und als Tabellenzweiter hinter Mainz aussichtsreich im Rennen um den Aufstieg. Vor der Winterpause, meinte Wittmann, stehe ein Vereinswechsel nicht zur Debatte. "Aber mit dem Dieter habe ich immer engen Kontakt."

Bisher sind bei Hertha zwei Personalien geklärt: Sebastian Deisler verlässt Berlin und der im Sommer auslaufende Vertrag von Ali Daei wird nicht verlängert. Für die kommende Saison suchen die Berliner personelle Verstärkung in fast allen Mannschaftsteilen, speziell aber im Sturm. Denn auch der Vertrag von Michael Preetz läuft im Sommer aus. Laut Hoeneß werde in dieser Frage im Frühjahr entschieden. Entscheidungen stehen auch bei Eyjölfur Sverrisson und Rob Maas an. Der Vertrag des isländischen Verteidigers würde sich um eine weitere Saison automatisch verlängern, wenn er bis zum Saisonende auf mindestens 20 Pflichtspieleinsätze käme. Das Arbeitsverhältnis von Maas endet ebenfalls im Sommer. Doch auch in seinem Fall zeichnet sich ein Verbleib ab. In der laufenden Saison hat sich Maas in die Stammelf gespielt.

Seit dem Bekanntwerden des Wechsels von Deisler zu den Bayern wird auch Stefan Effenberg immer wieder mit Hertha in Verbindung gebracht. Zuletzt sagte Hoeneß, dass er eine mögliche Verpflichtung Effenbergs sehr genau prüfe. "Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen." Seit gestern hat auch der spanische Zweitligist Atletico Madrid sein Interesse an Effenberg bekundet, Effenberg hat das bestätigt. Sein Vertrag beim Rekordmeister läuft am Saisonende aus und wird nicht verlängert. Der 33-Jährige ist ablösefrei und kann sich bei einem Vereinswechsel auf ein Handgeld in Millionenhöhe freuen. Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern, habe seinem Bruder Dieter eine Verpflichtung von Effenberg angeblich ans Herz gelegt. Effenberg selbst hatte bisher mehrfach betont, dass er seine Zukunft zunächst in England sehe. Danach will er in die USA übersiedeln, wo er in Florida ein Haus baut.

Eine zentrale Personalie, nämlich die des Trainers, soll bis Weihnachten geklärt sein. Jürgen Röber sagte, er wolle sich mit Hoeneß demnächst zusammensetzen. Der jetzige Vertrag des 47-Jährigen, der Hertha Anfang 1996 als Zweitligist übernahm und 1999 in die Champions League führte, endet am 30. Juni 2002. Der Trainer hatte im vergangenen Jahr nur einen Einjahresvertrag erhalten. Hoeneß mochte sich nach dem Erfolg über den Weltpokalsieger dazu noch nicht äußern. "Wir wollen in dieser Frage nicht Jo-Jo spielen." Nach zuletzt zehn Spielen, die Hertha nicht mehr verloren hat (bei acht Siegen) hat Röber momentan gute Karten, zumal potenzielle Kandidaten wie Matthias Sammer (Dortmund) und Arsène Wenger (Arsenal London) anderweitig zu tun haben.

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