Bastian Reinhardt : Ein unauffälliger Eckpfeiler

Der Abwehrspieler Bastian Reinhardt hat sich beim HSV durchgesetzt und ist eine Stütze des Teams geworden. Dabei hat er schwere Zeiten in Hamburg hinter sich.

Karsten Doneck
Bastian Reinhardt
Bastian Reinhardt (l.) vom HSV. -Foto: ddp

Berlin - Die Stadionzeitung des FC Schalke 04 las Bastian Reinhardt unlängst mit erhöhter Aufmerksamkeit. Seinen Namen in der dort abgedruckten – vermeintlichen – Wunschaufstellung des Hamburger SV suchte er allerdings vergeblich. „Das amüsiert mich inzwischen eher“, sagt Reinhardt. Schließlich ist er, entgegen den zu jeder Saison wiederkehrenden Prognosen, längst eine Stammkraft in der Abwehr der Hamburger. Vor rund dreieinhalb Wochen im Bundesligaspiel bei Schalke (1:1) gehörte er wie selbstverständlich zur Anfangsformation des HSV, heute im Uefa-Cup-Gruppenspiel bei Dinamo Zagreb (20:45 Uhr, live im NDR-Fernsehen) wird Trainer Huub Stevens ebenfalls nicht auf seine Dienste verzichten. Schon ein Unentschieden würde die letzten, ohnehin nur noch theoretischen Zweifel am Weiterkommen der Hamburger beseitigen.

Bastian Reinhardt, 32 Jahre alt, bewegt sich seit seinem 2003 vollzogenen Wechsel von Arminia Bielefeld zum HSV stets etwas in der Unauffälligkeit. Seine Leistungen finden selten Würdigung, es sei denn in eher mitleidiger Form – wie vor fast einem Jahr, als er kurz vor Spielschluss mit einem Flugkopfball-Eigentor zum 3:3 bei Alemannia Aachen die damalige Krise des HSV verschärfte. Öffentliche Anerkennung findet Reinhardt selten. Die spektakulären Kunststückchen führen beim HSV die van der Vaarts und die Atoubas vor. Reinhardt steht für Geradlinigkeit, für Solidität, für Zuverlässigkeit. „Als Abwehrspieler steht man nun mal immer etwas im Schatten der anderen“, sagt Reinhardt, „aber damit kann ich leben.“

Und doch gab es eine Zeit, da schien Reinhardt in Hamburg ausgespielt zu haben. Hannover 96 buhlte damals bereits ernsthaft um ihn. Doch Reinhardt blieb – trotz übermächtiger Konkurrenz in der Innenverteidigung. Da hatte ihm der Verein als Konkurrenten Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz vor die Nase gesetzt. Reinhardt verhielt sich absolut loyal. Auch dann, wenn er wie so oft in dieser Zeit auf die Bank musste. Nie stänkerte er, er kniete sich im Training nur noch mehr rein, arbeitete noch etwas eifriger, noch verbissener. Und als van Buyten und Boulahrouz das Weite gesucht hatten, wurden sie durch Vincent Kompany und Joris Mathijsen ersetzt. Reinhardt blieb und wartete – nicht vergeblich. In der vorigen Saison stand er in 25 Bundesligaspielen insgesamt 2156 Minuten auf dem Platz, fast immer 90 Minuten lang.

„Er ist einer der Eckpfeiler in unserer Defensive“, lobt HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Reinhardt trug auch dazu bei, dass der HSV in dieser Saison die drittbeste Abwehr der Liga hat und im Uefa-Pokal seit 232 Spielminuten kein Gegentor mehr kassiert hat. Seinen eigenen Anteil an derlei Statistik nimmt er selbst indes nicht so wichtig. Reinhardt würdigt vielmehr das große Gemeinsame: „Unsere Mannschaft ist zusammengewachsen zu einem kompakten Block, das macht das Toreschießen gegen uns so schwer.“

Und wenn Reinhardt heute in Zagreb ins Stadionprogrammheft schaut und seinen Namen wieder nicht finden sollte, wird er ganz gelassen bleiben. „Vielleicht“, sagt er, „ändert sich das ja noch mal irgendwann.“ Karsten Doneck

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