Bastian Schweinsteiger : Wichtiger als Martinez

Bastian Schweinsteiger ist zurück nach seiner Verletzungspause – zumindest bei Bayern München. Auf die WM-Qualifikationsspiele gegen die Färöer Inseln und gegen Österreich verzichtet der Nationalspieler, um in München zu trainieren.

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Wechselkurs? Einige Experten mutmaßten schon, Neuzugang Javier Martinez (r.) solle Bastian Schweinsteiger ersetzen.
Wechselkurs? Einige Experten mutmaßten schon, Neuzugang Javier Martinez (r.) solle Bastian Schweinsteiger ersetzen.Foto: dpa

Es war ein wirklich unbedeutendes Tor gegen Stuttgart, das 6:1 in einer längst entschiedenen Partie. Aber Bastian Schweinsteiger hatte beschlossen, seinen Treffer ausgiebig zu zelebrieren. Die 51. Minute war angebrochen in der Münchner Arena, Thomas Müller hatte geflankt, Schweinsteiger geköpft. Und dann lief er Richtung Eckfahne, er jubelte den Fans zu, dann jubelte er seinen Mitspielern zu, und schließlich richtete er wieder eine kleine Hommage an die Abteilung Basketball des FC Bayern: Schweinsteiger deutete mit den Händen einen Korbwurf an.

Der Vizekapitän der Münchner ist ein großer Fan des US-Sports und deshalb Stammgast bei den Heimspielen von Bayerns Basketballern. Es war trotzdem auch nach seinem Geschmack ein bisschen zu viel Zeit, die er in den vergangenen Monaten dort verbringen durfte: Zu viele Verletzungen hatten ihn zurückgeworfen, zu wenig Spielzeit hatte er dadurch auf dem Fußballplatz verbracht. Nun ist er zurück, gegen den VfB Stuttgart spielte er erstmals seit dem verlorenen Finale in der Champions League gegen Chelsea London wieder von Beginn an. „Und das erste Mal seit Februar schmerzfrei“, wie er er betonte. Trotz des Debüts von Javier Martinez, trotz der sechs Tore gegen Stuttgart war Trainer Jupp Heynckes nach der Partie deshalb vor allem eines wichtig zu betonen: „Ich freue mich für Bastian, er hat heute ein wirklich gutes Spiel gemacht.“

Die Diskussionen waren ja ein bisschen ins Absurde geraten in den vergangenen Wochen. Als die Bayernbosse ihren Willen zum Transfer von Javier Martinez bekundeten, debattierten so manche Experten nicht, wie gut der Spanier und Schweinsteiger harmonieren würden. Sie diskutierten, ob der Neuzugang Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld ersetzen soll. Heynckes wurde nicht müde zu betonen, dass ein gesunder Schweinsteiger bei ihm gesetzt sei. Auch am Sonntag betonte er noch einmal, dass der FC Bayern nur „sehr guten Fußball“ mit einem „sehr guten Schweinsteiger“ spielen könne. Dennoch war die Aufregung so groß im an Aufregung nicht eben armen Umfeld des FC Bayern, dass am Sonntag sogar Altmeister Stefan Effenberg – nicht eben als Freund Schweinsteigers bekannt – seinem Nachfolger in der Münchner Zentrale zur Seite sprang. „Man muss erstmal verarbeiten, wie viele nach der Europameisterschaft auf ihn abgezielt haben“, sagte Effenberg, „aber er wird gestärkt daraus hervorgehen.“

Tatsächlich scheint Schweinsteiger bereits wieder auf einem guten Weg. Bis zu seiner Auswechslung in der 77. Minute hatte er mit 82 Berührungen die meisten Ballkontakte seines Teams und mit 10,2 Kilometern die höchste Laufstrecke zurückgelegt. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagte er. So gut ist das Gefühl allerdings noch nicht, dass er die WM-Qualifikationsspiele gegen die Färöer Inseln und gegen Österreich bestreiten will. Stattdessen wird er in München trainieren. Dabei kommt ihm entgegen, dass Bundestrainer Joachim Löw ein ähnlich großer Schweinsteiger-Fan ist wie Jupp Heynckes und ihm deshalb Zeit lässt. „Er braucht noch Trainings- und Spielrhythmus“, sagte Löw. Beim Fuß-, nicht beim Basketball.

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