Bauch, Wade, großer Zeh : Viele Aufgaben in Melbourne

Nach drei Tagen des ersten Grand Slams der Saison hat es in den Einzelwettbewerben bereits sieben Aufgaben gegeben. Die Ärzte und Physiotherapeuten sind im Dauereinsatz und eilen in Melbourne von Court zu Court.

Petra Philippsen

Roger Federer war überrascht, als Andreas Beck am Mittwoch in der Umkleide zu ihm kam. Gerade hatten die beiden noch geflachst, und nun erklärte ihm der Stuttgarter plötzlich, er würde wegen starker Rückenschmerzen nicht gegen ihn antreten können. „Ich hätte gerne gegen Roger gespielt“, sagte Beck, „aber ich will nicht riskieren, dass es schlimmer wird.“ Und Beck war nicht der einzige, bei dem sich der Körper verweigerte. Den Spanier Pere Riba plagte eine blutende Blase am linken großen Zeh, die ihn gegen Philipp Kohlschreiber in der zweiten Runde zur Aufgabe zwang. Mit 6:0 und 4:0 lag der Augsburger bereits in Führung, als Riba nicht mehr weitermachen konnte. Ähnlich fühlte sich Julia Görges etwas später, als sich ihre griechische Gegnerin Eleni Daniilidou nur noch mit schmerzverzerrtem Gesicht über den Platz quälte und den Nacken einrenken ließ. Allerdings ohne Erfolg, sie gab beim Stand von 2:6 und 0:2 auf.

Nach drei Tagen des ersten Grand Slams der Saison hat es in den Einzelwettbewerben bereits sieben Aufgaben gegeben. Die Ärzte und Physiotherapeuten sind im Dauereinsatz und eilen in Melbourne von Court zu Court. Es sind Bilder, die man eigentlich von den US Open in New York gewohnt ist, wenn viele Profis gegen Ende einer kräftezehrenden Saison schlapp machen. Nun aber schleppen sich etliche Spieler schon zu Saisonbeginn nur noch angeschlagen über den Platz.

Auch Julia Görges war zuletzt von einem hartnäckigen Infekt geschwächt und damit längst nicht allein im deutschen Lazarett. Sabine Lisicki litt an einer Bauchmuskelzerrung, Tommy Haas schmerzte die Wade, Angelique Kerber das Handgelenk. Andrea Petkovic und Florian Mayer traten gar nicht erst in Melbourne an. Selbst Roger Federer kam angeschlagen nach Australien – und dass Rafael Nadal sich dann auch noch beim bloßen Sitzen auf einem Stuhl das Knie verdrehte, bildete den kuriosen Tiefpunkt der Misere. Die ominöse Verletzung hinderte Nadal aber nicht daran, Haas mit 6:4, 6:3 und 6:4 auszuschalten. Nadals Körper funktionierte diesmal noch, erpressbar ist er auf Dauer allerdings nicht. Andreas Beck ist einer der wenigen, die auf die Signale gehört haben. Angesichts der Aussicht auf eine lange Pause siegte beim Deutschen die Vernunft.

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