Sport : Baustelle auf Halbrechts

Die Niederlage gegen Veszprem führt den Füchsen vor Augen, was ihnen noch zum Spitzenteam fehlt

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Gestoppt. Iker Romero scheitert am Veszprems Verteidigung. Foto: dpa
Gestoppt. Iker Romero scheitert am Veszprems Verteidigung. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - In Gedanken versunken schlich Denis Spoljaric am Mittwochabend zum Parkplatz vor der Schmeling-Halle. „Wir haben unsere Chancen, vor allem die im Überzahlspiel, nicht genutzt“, sagte der Abwehrchef der Füchse Berlin enttäuscht. Ansonsten wollte der Kroate das 24:29 (13:15) gegen MKB Veszprem lieber für sich allein verarbeiten. Zu tief saß die Enttäuschung, denn er und alle anderen im Team hatten sich viel mehr für dieses fünfte Spiel in der Handball-Champions-League vorgenommen. „Ich war mir ziemlich sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen werden“, gab auch Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning zu.

Nun aber müssen die Berliner mit der zweiten Niederlage leben. Die Tabelle in der Gruppe B verheißt für sie nach der Hinrunde nicht mehr so viel Gutes, auch nach der Prognose von Kapitän Torsten Laen: „Wenn wir ins Achtelfinale wollen, müssen wir zu Hause jeden Gegner schlagen.“ Da ist es für die Füchse nur ein schwacher Trost, dass am Mittwoch auch Kielce in eigener Halle gegen Madrid mit 29:37 unterlag und die Füchse damit hinter Madrid (9 Punkte) und Veszprem (8) mit fünf Zählern auf Rang drei bleiben, vor Kielce (4), Tschechow (2) und Bjerringbro-Silkeborg (0). Um mindestens Rang vier und damit das Achtelfinale erreichen zu können, sind sie angesichts der folgenden Auswärtsspiele in Veszprem (27. November) und vor allem in Kielce (4. Dezember) mächtig unter Druck geraten.

Als eine große Schwachstelle im Füchse-Spiel erwies sich Halbrechts, die sogenannte Königsposition im Handball. Dem Holländer Mark Bult gelang überhaupt nichts, weder in der Abwehr noch im Anspiel oder bei seinen Würfen. Alexander Petersson, der zweite Linkshänder, warf zwar vier Tore, aber auch er leistete sich zu viele technische Fehler und hatte doppelt so viele Fehlwürfe. Die Zukunft auf dieser Position sieht auch nicht gerade vielversprechend aus: Petersson verlässt die Füchse zum Saisonende in Richtung Mannheim und Bults Vertrag läuft zu diesem Zeitpunkt ebenfalls aus. Andererseits gibt es nicht sehr viele Linkshänder von internationaler Klasse, wie etwa den von Veszprem nach Kiel wechselnden Marko Vujin, und die wenigen sind sehr teuer.

Ein zweites Hauptmanko bei den Füchsen besteht darin, dass sie seit den besten Zeiten eines Konrad Wilczynski keinen sicheren Siebenmeterwerfer mehr haben. Auch gegen Veszprem wurden wieder drei Strafwürfe vergeben, von drei Werfern: Mark Bult, Iker Romero und Bartlomiej Jaszka. In der Bundesliga hatte sich auch schon Ivan Nincevic versucht, aber der bat gegen Veszprem vorsichtshalber gar nicht um den Ball. Diesen Vorteil beim Siebenmeter nutzen wirkliche Klasse-Teams wesentlich besser. Die cleveren Konkurrenten mit großer internationaler Erfahrung kommen auch oft zu einfachen Treffern, während sich die Füchse zu viele ihrer Chancen hart erarbeiten müssen.

Renommierte Team können auch schwache Tage ihrer Stars mit nahezu gleichwertigen Wechselspielern kompensieren. Wie Veszprem, das in der zweiten Halbzeit Reinaldo Perez einsetzte. Er sorgte mit fünf Toren maßgeblich dafür, dass die Füchse verloren. Auch den Kubaner hatte die Abwehr um ihren Chef Deniz Spoljaric nicht aufhalten können. Die Füchse, das ist seit dem Spiel gegen Veszprem klar, sind in der Champions League zweifellos Lehrlinge.

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