Sport : Bayer Leverkusen: Atemlos in Athen

Bayer Leverkusen und Cheftrainer Berti Vogts müssen sich nach einer desolaten Vorstellung im Uefa-Cup ganz auf die Bundesliga konzentrieren. Eine Woche nach dem DFB-Pokal-Aus in Freiburg schied der deutsche Vizemeister durch eine verdiente 0:2 (0:1)-Niederlage beim griechischen Pokalsieger AEK Athen (Hinspiel 4:4) auch im Europacup aus.

Wie in der vergangenen Saison folgte dem Aus in der Champions League für den Werks-Klub auch das Ausscheiden in der dritten Runde des Uefa-Pokals. Vogts, der innerhalb einer Woche die dritte Schlappe mit seiner Mannschaft einstecken musste, konnte den Europacup-Fluch von Bayer nicht brechen. "Das Problem ist, dass wir körperlich am Ende sind. Den Verschleiß sieht man. Wenn der Tank leer ist, fährt auch ein Auto nicht mehr", resümierte Ex-Bundestrainer Vogts.

Vor 20 000 fanatischen Zuschauern schoss der Argentinier Fernando Navas (16.), der schon in Leverkusen zweimal erfolgreich war, das Führungstor für die Gastgeber und profitierte von einer laschen Abwehrleistung des Bundesliga-Tabellenzweiten. Mittelfeld-Ass Vassilis Tsartas (49.) erzielte per 18-m-Freistoß die Vorentscheidung, wobei Bayer-Keeper Adam Matysek kräftig mithalf, die "Torwartecke" frei machte und so den Treffer erst ermöglichte.

"Das war ein klarer Torwartfehler. Diesen Ball hätte er halten müssen", sagte Vogts. Der polnische Schlussmann meinte: "Wir haben zum zweiten Mal hintereinander wie eine Oberligamannschaft gespielt. Der Gegner hat sich reingehauen, wir haben gar nichts gemacht."

Die Elf von Vogts fand wie schon beim 0:2 beim deutschen Rekordmeister Bayern München am vergangenen Samstag in keiner Phase ihren Spielrhythmus. Sie wirkte gegen den Tabellensiebten der griechischen Liga zu zaghaft, ängstlich und harmlos. Kein Spieler nahm die Zügel in die Hand und stemmte sich gegen die Niederlage gegen den international keineswegs erstklassigen elfmaligen griechischen Champion. Der Ausfall von Kapitän Jens Nowotny (Oberschenkelblessur) und Michael Ballack (Schultereckgelenksprengung) konnte nicht kompensiert werden; die beiden Nationalspieler wurden an allen Ecken und Enden vermisst.

Die Rheinländer ließen sich von AEK den Schneid abkaufen und resignierten früh. Nur Ze Roberto (13.) und Boris Zivkovic (74.) besaßen Chancen. Vogts hatte das Spiel nach dem 0:2 ebenfalls abgehakt. In dieser Verfassung wird es seine Mannschaft, die am Sonntag in der Bundesliga auf Tabellenführer Hertha BSC trifft, schwer haben, auch ein Wort in der Meisterschaft mitzusprechen.

In Athen herrschte vor dem Spiel eine hitzige Atmosphäre. Die etwa 200 Personen umfassende Gruppe der Leverkusener Fans, VIPs, Offiziellen und deutschen Medienvertretern wurde von einer halben Hundertschaft von Spezial-Polizisten eskortiert und über Nebenwege in das AEK-Stadion begleitet, weil Übergriffe von griechischen Fußball-Anhängern befürchtet wurden. AEK-Fans bewarfen deutsche Zuschauer mit Gegenständen und Münzen. Eine Stewardess der Leverkusener Chartermaschine (Condor) wurde von einer Drachmen-Münze am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde. Zudem behinderte ein Streik der öffentlichen Verkehrsbetriebe am Donnerstag den Transport der Zuschauer ins Stadion im Stadtteil Neo Philadelphia. Der auf Einladung Bayers in die griechische Hauptstadt mitgereiste ehemalige Leverkusener Trainer Dragoslav "Stepi" Stepanovic wurde als "Nazi" beschimpft. Dabei war der Serbe einst selbst AEK-Coach.

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