Bayer Leverkusen : Der Bonus, der einem Trainer zusteht

Leverkusens frustrierte Führung macht Skibbes Zukunft von einer "knallharten Aussprache" abhängig.

Klaas Bender

LeverkusenDa standen sie dann also – enttäuscht, schockiert, frustriert – vor den Trümmern einer ganzen Saison. Am liebsten hätten sie wohl ein tiefes Loch gegraben, um sich darin zu verstecken, statt nun aller Welt geschliffene Kommentare zu liefern über die Gründe, vor allem aber die derzeit noch nicht ganz absehbaren Folgen ihres grandiosen Scheiterns. Unmittelbar nach dem 0:1 gegen Werder Bremen, das Bayer Leverkusens Abschied vom internationalen Fußballgeschäft besiegelt hatte, war Sportdirektor Rudi Völler abgetaucht. Zwei Stunden lang war er nicht zu sehen, ehe er schließlich doch noch im Bayer-VIP-Zelt auftauchte, wo bei Kölsch, Wein und gutem Essen die Wunden geleckt wurden, die das Verpassen der Uefa-Cup-Qualifikation, ja sogar des UI-Cups, gerissen hatte. „Es war zu spät“, sagte Völler, äußerlich gefasst zwar, aber dennoch sichtbar angeschlagen. „Das Endspiel“, das sich die Leverkusener nach einem desaströsen letzten Bundesligadrittel eingebrockt hatten, ging verloren.

Dass der Platz im internationalen Fußball nicht erst gegen Werder verpasst worden war, darüber waren sich alle einig – sowohl Völler, Trainer Michael Skibbe als auch Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Letzterer musste in Ermangelung des für diese Rolle eigentlich vorgesehenen Sportdirektors mit spürbarem Unbehagen über die Zukunft des Trainers reden. „Ich bin überzeugt, dass er gute Arbeit leistet. Aber es geht immer darum, wie viel Bonus ein Trainer hat“, sagte Holzhäuser.

Bei den Fans nicht viel. Denn nicht zum ersten Mal schallten am Samstag wütende „Skibbe raus“-Rufe durch die Arena. „Der Schuldige ist im Profifußball immer sehr schnell ausgemacht. Das ist total unangenehm, aber es gehört halt dazu“, sagte der Betroffene. Der 42-Jährige ist aber überzeugt davon, dass die Bayer-Verantwortlichen nüchtern entscheiden werden. „Ich gehe davon aus, dass ich auch im kommenden Jahr hier noch Trainer bin.“

Aber diese These wollte keiner der Verantwortlichen bestätigen. Völler erklärte zwar, dass sich die Führung von aggressivem Geschrei bestimmt nicht leiten lasse. „Bei aller Liebe: Dann könnten wir ja gleich per SMS abstimmen lassen.“ Gleichwohl kündigte er „eine knallharte Aussprache“ an, der auch Skibbe höchst realistisch entgegenblickt: „Da werde ich vieles zu erklären haben.“

Vor allem natürlich, wie es einer hochbegabten Mannschaft, der man über weite Strecken einer langen Saison neben den Bremern den schönsten Fußball der Liga attestierte, gelingen konnte, noch so abzustürzen. „Wir haben viel zu viel Aufwand betrieben für das, was am Ende dabei herauskam“, sagte Tranquillo Barnetta selbstkritisch. Der Schweizer Nationalspieler hätte gegen Werder mit einer Aktion wenigstens die Qualifikation für den UI-Cup retten können. Doch bei seinem 25-Meter-Schuss traf der Ball nur den linken Pfosten des Bremer Tores. Der Flachschuss von Markus Rosenberg traf dagegen nicht bloß ins Leverkusener Tor, sondern auch mitten ins Bayer-Herz. „Die Enttäuschung sitzt tief“, sagte Holzhäuser. „Das muss ich erst mal verarbeiten.“ Damit steht er nicht allein da in Leverkusen. Doch allen gemeinsam muss eines klar sein: Viel Zeit zum Trauern bleibt nicht.

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