Sport : Bayer Leverkusen: Schwere Krise

Bayer 04 Leverkusens Manager Reiner Calmund galt lange Zeit als Pate der Fußball-Bundesliga. Er war eine unumstrittene Macht im Millionen-Geschäft, ein geschickter Draht- und Strippenzieher hinter den Kulissen. In dieser Saison aber ist der 52-jährige gelernte Betriebswirt zum Prügelknaben der Liga geworden und sein Verein als Zirkus DonCalli verspottet worden. Angefangen von der Kokain-Affäre um den ehemaligen Trainer Christoph Daum bis zu den Turbulenzen um den derzeitigen Chefcoach Berti Vogts stand Reiner Calmund unter Dauerdruck, und der hat auch nach dem 1:0-Sieg in Kaiserslautern am vergangenen Wochenende kaum nachgelassen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? "Es geht um das internationale Geschäft, nicht um Vogts, Völler oder mich", sagte Calmund nach dem Spiel. Eine klare Aussage zugunsten des Trainers blieb von ihm aus. "Wir werden in den letzten Spielen mit dem Management näher zu Berti rücken und ihm helfen, den vierten Platz zu sichern", sagte Calmund und blickt lediglich bis zum Saisonende. "Die Gemüter sind etwas beruhigt. Doch in dem Job kommt die nächste Katastrophe bestimmt", sagt Calmund, der mit 140 Kilogramm auch das Schwergewicht der Liga ist. Und dennoch hat der Ärger und der Stress der vergangenen Wochen und Monate Spuren hinterlassen, wie er mit einem schlichten, aber prägnanten Satz eingesteht: "Lebensqualität gibt es da nicht."

Während Calmund im Gezerre um Rücktritt oder Verbleib von Vogts betonte, seine "Birne" hinzuhalten ("Wenn ich mehr Schläge abbekomme, ist das positiv für die Mannschaft") und nicht zu kneifen, warfen ihm Kritiker Führungsschwäche und Fehlentscheidungen vor. "Die Titanic ist letztlich mit einem Riesen-Blubb untergegangen", schrieb der "Kölner Stadt-Anzeiger" zur Vogts-Krise und resümierte: "Bei Bayer arbeiten sie jetzt offenbar nicht mehr an der Vermeidung des Untergangs. Sondern an diesem Blubb."

Der "Ritter des Humors der Wiesdorfer Rheinkadetten" und ehemalige Hobby-Journalist nimmt solche feuilletonistischen Anwürfe gelassen. "Dass fand ich ebenso super wie Zirkus DonCalli. So etwas habe ich mir ausgeschnitten", sagt der fünffache Vater.

19 Bundesliga-Spiele in der Ära Vogts, neun gewonnen, ebenso viele verloren und ein Unentschieden: Dies ist auch für den Manager von Bayer Leverkusen, der nach drei zweiten Plätzen endlich den Titel holen wollte, nun aber sogar um einen Champions-League-Platz bangen muss, nicht zum Lachen. Ein Sieg am Samstag gegen den Deutschen Meister Bayern München könnte nicht nur die Revanche für den in letzter Sekunde entrissenen Titel, sondern auch die große Wende bedeuten. "Wir haben nichts zu verlieren", sagt der Macher des Tabellen-Vierten.

Auch wenn die letzten drei Bundesliga-Begegnungen (München, Hertha BSC und VfL Bochum) noch zu Zitterpartien im Kampf um das europäische Millionen-Geschäft werden, fürchtet sich Calmund vor der Zukunft nicht. "Die Mannschaft mit ihren Leistungsträgern wird auch in der kommenden Saison ganz oben stehen - ohne Wenn und Aber", prophezeite er. Der Verein habe mit Stadion und Jugendzentrum eine Infrastruktur, die ihres Gleichen suche.

Dies gelte auch für die personelle und finanzielle Situation. "Wir haben genug Substanz, sogar das Verfehlen eines Uefa-Cup- und Champions-League-Platz abzufangen. Da könnte sogar noch das halbe Stadion zusammenbrechen", sagt Calmund: "Kein anderer Verein hätte solche Donnerschläge verkraftet."

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