Sport : Bayer Leverkusen: Völler geht und verteidigt

Martin Hägele

Dem Mann, der sich am Samstagabend auf der Abreise aus dem Schwarzwald wieder in den DFB-Teamchef verwandelt hat, haben der Chefcoach und auch die meisten Anhänger des Gegners den erfolgreichen Abschluss seines Trainer-Jobs gegönnt. Ein 1:0-Sieg in Freiburg zum Abschied von Bayer Leverkusen - das konnte sich sehen lassen für Rudi Völler. Das Volk der Rudisten wächst von Tag zu Tag.

Wenn sich die Wege und Geschicke der beiden Teams in gut zwei Wochen erneut kreuzen, wird Rudi Völler vielleicht gar nicht mehr dabei sein, und wenn, dann nur hinter den Kulissen. Und die Kameramänner werden beim Pokalspiel mehr zu tun haben, als nur stets auf die grauen Locken von Tante Käthe zu zoomen. Der Klub unterm Bayer-Kreuz wird ein ganz anderes Erscheinungsbild bekommen. Die Daum-Ära ist passé, seit Roland Koch nach dem Schlusspfiff in die Kurve zu den Bayer-Fans gespurtet ist. Zuletzt warf Koch seine Mütze über den Zaun, dann rannte er in die Kabine.

Gestern hatte Koch einen Termin bei Finanzchef Wolfgang Holzhäuser, und auch dabei ist alles sehr schnell gegangen. Der Klub hat eine sehr großzügige Abfindung hingelegt für die sofortige Auflösung des Vertrags, der bis zum 30. Juni 2001 gegolten hätte. Wenn am Dienstag Berti Vogts vorfährt an der BayArena, soll zumindest optisch nichts mehr erinnern an jene viereinhalbjährige Epoche, als zwei Köpfe die Spiele von Bayer 04 prägten. Roland Koch war der, der für Christoph Daum Spiele gedacht und geplant hat und seinen Freund manchmal auch kontrollierte. Fast zehn Jahre lang ist Daum das Alter Ego des Startrainers gewesen; in Köln, Stuttgart, Istanbul und Leverkusen. Völler versicherte dem Assistenten seinen persönlichen Dank: "Roland Koch wird wieder im Profi-Fußball auftauchen - und ich werde mich dafür einsetzen."

Das fällt dem doppelten Teamchef womöglich leichter, als das Comeback von Berti Vogts und dessen Teamkonzept zu verkaufen. In der Fußball-Szene laufen schon viele Dummschwätzer herum und noch mehr, die sich zu Propheten berufen fühlen. Wenn Vogts so viele Co-Trainer brauche, werte er sich dadurch selbst ab, das sei doch schon das Eingeständnis eines Mannes, der sich allein nichts zutraut, sagte ein Vertreter jenes Genres in Freiburg. "Sie sollten sich besser informieren", antwortete Rudi Völler. Und jedes Wort klang wie eine Ohrfeige.

Denn die Lösung mit dem Trainer-Clan unterm Bayer-Kreuz ist offensichtlich in Völlers Kopf gewachsen. Er habe sich diese Sache bei den europäischen Top-Klubs, vor allem in Italien abgeguckt. Völler: "Die Großen dort arbeiten alle mit einem Trainer-Stab." Für die auf One-man-Show im Bundesliga-Film dressierte Kundschaft wird das Leverkusener Konzept noch gewöhnungsbedürftig wirken, schließlich wächst Bertis Experten-Team von Tag zu Tag: Wolfgang Rolff, Pierre Littbarski, Toni Schumacher sind bereits verpflichtet.

Weitere Personalien kann es erst geben, wenn Vogts von seiner Spieler-Beobachtung aus Buenos Aires heimkommt. Der "Frankfurter Rundschau" hat er noch seine Wunschliste hinterlassen: "Ein Offensiv-, ein Defensiv-, ein Torwart-, ein Fitness- und ein Mentaltrainer." Und zwei dieser Kollegen sollen in Zukunft für die ersten 30 Minuten des Spiels verantwortlich sein. Erst dann übernimmt Berti Vogts die Regie auf der Bank, nachdem er sich zuvor von der Tribüne aus Überblick verschafft hat. Bayer und Berti garantieren also etwas ganz Neues und obendrein Spannung. So darf man das wohl ganz unverdächtig behaupten.

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