Sport : Bayer Leverkusen: Vogts tut Neuville gut

Bevor Berti Vogts nach Leverkusen kam, hatte Oliver Neuville dort einen wenig schmeichelhaften Spitznamen: Chancentod. Keiner versagte beim Torschuss so oft und so regelmäßig wie der Nationalspieler in Diensten von Bayer Leverkusen. Doch unter Vogts ist auf einmal alles anders. Neuville lebt auf und wirbelt wie selten zuvor durch die Bundesliga-Stadien. Beim 4:2-Sieg am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern war der 27 Jahre alte Stürmer der Star des Abends, erzielte zwei Tore und bereitete eins vor. Eine Woche zuvor hatte er schon beim 3:1-Sieg in Hamburg getroffen. "In letzter Zeit habe ich gut gespielt, aber keine Tore geschossen, jetzt spiele ich gut und mache Tore. Berti Vogts als Trainer tut mir gut", sagte Neuville.

Vogts gab das Kompliment sofort zurück und lobte den Matchwinner über den grünen Klee. "Oliver war heute Weltklasse", schwärmte der Leverkusener Cheftrainer und war war doch mit seinen Gedanken schon beim Spitzenspiel am Sonnabend im Münchner Olympiastadion gegen den FC Bayern. "Jetzt fahren wir mit breiter Brust und fünf Punkten Vorsprung zum FC Bayern. Zwar haben noch nicht viele Leverkusener Mannschaften in München gewonnen. Aber wir hoffen, dass wir das Gesetz der Serie brechen können", sagte Vogts. Bayer ist jetzt seit neun Bundesligaspielen ungeschlagen.

Ein paar Meter weiter stellte Manager Reiner Calmund fest: "Hier wird noch nicht über Bayern gesprochen, uns interessiert nur das DFB-Pokalspiel am Mittwoch beim SC Freiburg." Bayer bleibt nach dem Pokalspiel beim Sportclub in Freiburg, um sich in Ruhe auf das Spitzenspiel vorzubereiten.

Stolz sind die Leverkusener vor allem auf ihre wiedergewonnene Offensivstärke. In den drei Spielen unter Vogts hat Bayer elf Tore erzielt, sechs davon gingen auf das Konto des Angriffsduos Kirsten/Neuville. Beide trafen je dreimal. "Oliver und Ulf befinden sich in einer überragenden Verfassung. Wie sie sich vorne verstehen, ist einfach toll", sagte Berti Vogts.

Auf ihn und sein Team wartet bis zur Winterpause ein stressiges Programm. Dabei muss Bayer in sechs ausstehenden Pflichtspielen im Uefa-Cup (bei AEK Athen), im DFB-Pokal (beim SC Freiburg) und in der Bundesliga bis auf das Heimspiel gegen Hertha BSC fünfmal reisen. "Bis dahin haben die Spieler 35 Spiele in den Knochen, da wir auf drei Hochzeiten tanzen. Unsere Nationalspieler sind sogar einer Vierfach-Belastung ausgesetzt. Sie müssen deshalb ihren inneren Schweinehund überwinden, um über die Runden zu kommen", sagte Reiner Calmund. Als größte Rivalen sieht er "zurzeit Hertha und Schalke, die liegen beide einen Punkt hinter uns". Und der FC Bayern? Spätestens seit der Affäre Daum redet Calmund nur so viel wie unbedingt nötig über die Münchner. Also muss ein Allgemeinplatz her. "Die Bayern haben mit fünf Niederlagen geschwächelt, aber sie sind natürlich längst noch nicht abzuschreiben."

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