Sport : Bayer Leverkusen: Wenn Vogts grüßt

Schon in seiner ersten Dienstwoche hat Berti Vogts bei Bayer 04 Leverkusen große Anerkennung errungen. Der frühere Bundestrainer, der mit 53 Jahren mit seinem ersten Vereinsjob als Fußball-Lehrer neue Wege beschritt, setzt beim deutschen Vizemeister klare Akzente. Nicht nur seine Maßnahmen, bei Heimspielen auf der Tribüne zunächst einen Aussichtsposten zu beziehen und seinen großen Trainerstab mit prominenten Ex-Profis zu besetzen, gelten als innovativ. Vogts verblüffte sein neues Umfeld auch durch intensive persönliche Zuwendung.

Jeden Morgen geht Vogts durch die Geschäftsstelle und sagt den Angestellten "Guten Tag". Wenig später marschiert er in die Umkleidekabinen, begrüßt jeden Profi per Handschlag und schaut ihnen beim kurzen Gespräch in die Augen. "Er fährt in dieser Hinsicht ein Kontrastprogramm", berichtete Kapitän Jens Nowotny dem Fachmagazin "Kicker". Fünf Wochen, nachdem ihr alter Trainer Christoph Daum wegen der Drogenaffäre praktisch wie vom Erdboden verschluckt wurde, erfährt das Team eine Betreuung, wie sie ihr unter Daum zunehmend fremd geworden war. Der Ex-Trainer sei nach den Turbulenzen, die nach seiner geplanten Berufung als Bundestrainer entstanden waren, "weit weg von der Mannschaft gewesen", gab Nowotny zu.

Die Spieler loben den von 1979 bis 1998 als Verbandstrainer tätigen Vogts auch wegen seiner ständigen Korrekturen beim Training. Diese tägliche Auseinandersetzung betrachtet der 96-malige Nationalverteidiger für sich persönlich als größte Veränderung zu früher. "Ich sehe darin einen großen Vorteil, dass nicht nur alle sechs Wochen ein Spiel ansteht und danach alles sofort auseinander läuft", meinte Vogts, der täglich aus dem rund 40 Kilometer entfernten Korschenbroich zur neuen Arbeitsstelle fährt.

Der früher bei öffentlichen Auftritten öfter ungelenk und unsicher wirkende Trainer ist während seiner 26 Monate währenden Job-Pause gelassener und lockerer geworden. "Er hat in der Zwischenzeit ja auch journalistisch gearbeitet und eine andere Sichtweise kennen gelernt", nennt Oliver Bierhoff, der Kapitän der Nationalelf, einen Grund für den Wandel. "Es musste alles passen. Ich wollte an meinem neuen Job Spaß haben und von der Aufgabe überzeugt sein", räumt Vogts ein, dass Bayer 04 für ihn ein Idealfall ist. Er benötigte kaum einen Tag Einarbeitungszeit und ging sofort hochkonzentriert zu Werke.

Über die Behauptung, mit seinem großen Trainerstab mit den Ex- Nationalspielern Wolfgang Rolff und den zum Jahreswechsel beginnenden Pierre Littbarski und Harald Schumacher habe er einen Autoritätsverlust programmiert, kann Vogts nur den Kopf schütteln. "Das Sagen habe ich", betont er. Und sein Leistungsträger Nowotny unterstrich im Deutschen Sportfernsehen, wer die Richtung angibt: "Man sagt zwar, dass viele Köche den Brei verderben. Aber Berti Vogts hat alles in der Hand. Er ist die ausschlaggebende Macht. So wird es auch bleiben."

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