Sport : Bayer Leverkusen: "Wir haben Fehler gemacht"

Die chaotischen Tage bei Bayer Leverkusen haben in dieser Woche einen neuen Tiefpunkt erreicht. Trainer Berti Vogts hat am Mittwoch bei einer Klausurtagung im Trainingslager in Dabringhausen seinen Rücktritt angeboten. Allerdings blieb sein Angebot ohne Folgen. Die Mannschaft ist durch ihr Veto auf diesen freiwilligen Rückzug nicht eingegangen. Zuvor hatten Vogts, Manager Reiner Calmund, der Finanz-Chef Wolfgang Holzhäuser sowie die Bayer-Profis in einer fast vierstündigen Krisensitzung mit Einzel- und Gruppengesprächen die Krise erörtert.

"Wenn sich die Spieler gegen mich ausgesprochen hätten, hätte ich meine Koffer gepackt. Das war nicht der Fall", erklärte Vogts am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Gleichzeitig räumte der 54-Jährige aber auch ein Verschulden des Trainerstabes an der derzeitigen Misere ein: "Auch wir haben Fehler gemacht. Wir müssen jetzt versuchen, wieder näher an die Mannschaft heranzurücken."

Manager Calmund stellte sich nach der Aussprache demonstrativ hinter Vogts: "Fußballer leiden unter einer Krankheit, und die heißt mangelnde Selbstkritik. Es ist momentan ein Gesellschaftsspiel in Mode. Das geht wie folgt: Berti Vogts ist die dumme Sau und wird von links nach rechts durch das Dorf gejagt. Und durch die Tatsache, dass Vogts in den Medien immer der Schuldige ist, denken das auch die Spieler."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Am Mittwochabend wurde ab 20 Uhr in Dabringhausen, wo sich die Mannschaft von Dienstag bis Donnerstag aufgehalten hatte, die Aussprache abgehalten. Nach dem Rücktrittsangebot von Vogts erörterten Calmund und Holzhäuser in Einzelgesprächen mit den Spielern die Lage. Als Ergebnis dieser Unterredung gaben die Leverkusener bekannt, dass Trainer Berti Vogts doch bleiben soll.

"So ein klärendes Gespräch habe ich noch nie erlebt. Das hat mir wieder Power gegeben", sagte Vogts im Anschluss. Und Calmund ergänzte: "Das war ein reinigendes Gewitter. Das ganze Gerede muss jetzt ein Ende haben. Wir sind schließlich nicht im Phantasia- oder Disneyland."

Spätestens mit der 1:3-Heimniederlage am vergangenen Samstag gegen den SC Freiburg trat die Krise in Leverkusen offen zu Tage. Vogts kritisierte anschließend Nationalspieler Michael Ballack öffentlich, Manager Calmund bemängelte den Egoismus der Jung-Millionäre, und die Fans forderten lauthals bereits den Rücktritt des Trainers. Bei nur neun Siegen und immerhin acht Niederlagen unter Vogts sowie dem Ausscheiden im DFB- und Uefa-Pokal war der Kredit des Nachfolgers von Christoph Daum und Interimscoach Rudi Völler bei den Anhängern verspielt. Berti Vogts hatte die deutsche Fußballnationalmannschaft 1996 zum Europameisterschaftstitel geführt. 1998 nach dem Ausscheiden bei der WM gegen Kroatien im Viertelfinale und zwei verkorksten Länderspielen auf Malta beugte sich Vogts dem Druck der Öffentlichkeit und trat zurück. Danach trainierte er so lange keine Mannschaft mehr, bis im vergangenen Herbst das Angebot von Bayer Leverkusen kam.

Zu den konkreten Ergebnissen der Aussprache wollte sich die Bayer-Führung indes nicht äußern. Vogts verriet lediglich, dass es eine Änderung in seinem persönlichen Auftreten geben werde: "Die Mannschaft verlangt den Chef-Trainer, also werde ich das jetzt ändern." Das innovative Modell hat aber weiterhin Bestand. "Zwischen den Trainern war klar, wer der Chef ist", betonte Vogts.

Ob die Aussprache gewirkt hat, wird das Spiel gegen den Abstiegskandidaten Hamburger SV zeigen. Die Hanseaten haben in den letzten zehn Jahren nur dreimal in der Bayarena verloren. Erschwerend kommt für den Vizemeister hinzu, dass die beiden Nationalspieler Carsten Ramelow und Jens Nowotny (beide gesperrt) sowie Torwart Adam Matysek (verletzt) ausfallen. Der Einsatz von Regisseur Michael Ballack (angeschlagen) ist zudem fraglich.

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