Sport : Bayer mit Biss

Faris Al Sultan siegt beim Ironman auf Hawaii – und feiert mit Fastfood

Sebastian Moll[Kailua Kona]

Nachdem sich Faris Al Sultan durch die vielen Schulterklopfer gekämpft und dem vierten Fernsehreporter versichert hatte, dass er selbstverständlich überwältigt sei, brauchte der 27 Jahre alte Münchner erst einmal ein wenig Normalität. Keine Dreiviertelstunde, nachdem er den Ironman Hawaii, den wichtigsten Triathlon der Welt, gewonnen hatte, saß er unerkannt mit seinem Nachbarn aus München-Moosach, dem Wandinger Hermann und dessen Sohn Toby, in einem Fastfoodrestaurant und schaufelte alle Taco- und Burritosorten in sich hinein, die das Lokal zu bieten hatte.

Nicht eben die Art und Weise, wie man nach landläufiger Ansicht den unüberbietbaren Höhepunkt einer jungen Sportlerkarriere feiert, aber um Etiketten und Klischees schert sich der Sohn eines Exil-Irakis und einer Münchnerin ohnehin nicht. Wie das US-Sport-Magazin „Outside“ kürzlich bemerkte, ist Al Sultan sowohl ein Deutscher, der für die Irak-Invasion war, als auch ein Muslim, der Bier trinkt. In Hawaii fiel er zudem durch seinen Zottelbart und seine zu einem Zopf gebundenen langen Haare auf.

Erst 2004 war er überraschend durch seinen dritten Platz in Hawaii in die Triathlon-Weltspitze vorgestoßen, und doch startete er auf der Vulkaninsel Big Island so selbstbewusst auf den Kurs (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen) wie einer, der an seinem Status als einer der Besten nicht den geringsten Zweifel hat. Vom Start des Schwimmens kurz nach Sonnenaufgang setzte sich Al Sultan an die Spitze und gab diese acht Stunden und vierzehn Minuten lang nicht mehr her. Tatsächlich war er aber nicht ganz so selbstsicher, wie es schien. „Ich weiß, dass ich körperlich dazu in der Lage bin, einmal hier zu gewinnen“, sagte er zwischen zwei Bissen eines Hackfleisch-Maisfladens in breitestem Bayerisch. „Ich habe aber nie gedacht, dass das in diesem Jahr passieren würde.“ Doch wieder durfte ein Deutscher jubeln. Im Vorjahr hatten mit Normann Stadler und Nina Kraft sogar zwei Deutsche gesiegt – Kraft war der Sieg später wegen Dopings aberkannt worden. Die schnellste Frau war diesmal die Schweizerin Natascha Badmann.

Al Sultan wollte das Rennen aggressiv angehen – allerdings mehr aus Furcht als aus Überlegenheit. Er wollte es nicht dazu kommen lassen, dass Stadler erneut auf dem Rad uneinholbare 20 Minuten Vorsprung herausfährt. Doch Stadler musste nach zwei Reifenpannen abgeschlagen aufgeben. Al Sultan erarbeitete sich auf dem Rad mehr als fünf Minuten Vorsprung, litt aber bei großer Hitze unter Beinkrämpfen. Als er die Radschuhe gegen die Laufschuhe eintauschte, war sich Al Sultan sicher, dass ihn der dreifache Hawaii-Sieger Peter Reid bald einholen würde. Doch Reid litt genauso wie Al Sultan. Dennoch „habe ich die ganze Zeit gedacht, Peter kommt noch von hinten.“ So wie 2004, als Reid ihm kurz vor Schluss den zweiten Platz weggeschnappt hatte. Aber diesmal kam Reid nicht mehr heran. Er wurde Dritter hinter dem Kanadier Cameron Brown.

Al Sultan denkt gar nicht daran, sich mit den Granden seines Sports auf eine Stufe zu stellen. Als der erste deutsche Hawaii-Sieger, Thomas Hellriegel, ihm im Massagezelt gratuliert hatte, hatte sich Al Sultan sogar vor Hellriegel verneigt und ihm gedankt: „Thomas hat mich zu diesem Sport inspiriert, ohne sein Vorbild wäre ich nichts.“

Al Sultan, Student der arabischen Geschichte und Kultur, hat nicht vor, nun etwas an seinen Lebensumständen zu ändern – er bleibt bei seinen Eltern in München wohnen, er wird keinen Manager engagieren und sich weiter von den Kameraden beim Münchner Lauftreff und im Münchner Schwimmverein beraten lassen. Dass sich derartige Bodenständigkeit nur schwer wird durchhalten lassen, schwant ihm allerdings: „Ich hatte mich so darauf gefreut, nächste Woche in München mit Freunden ein Bier trinken zu gehen. Das wird jetzt wohl nichts.“

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