Sport : Bayer München

Es ist wie einst in Leverkusen: Der FC Bayern spielt schön und gewinnt nicht mehr

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Von Detlef Dresslein

München. Die Party ist vorbei, das Erwachen entsprechend böse, nach einem dreijährigen Rausch. „Als ich heute morgen aufgewacht bin, hatte ich nix im Kopf", sagte Giovane Elber am Morgen danach. Der „beste Kader aller Zeiten“ (Karl-Heinz Rummenigge vor langer Zeit) hat den größten Kater seit langem. Die 1:2-Niederlage gegen den AC Mailand minimiert die Chancen, die erste Runde in der Champions League zu überstehen. Selbst wenn der FC Bayern alle ausstehenden Spiele gewänne, zwei davon auswärts, in Mailand und La Coruña, selbst dann müsste das bislang chancenlose Lens noch eifrig mitbasteln an der Sensation, und auch der AC Milan dürfte sich bis zum Schluss nicht schonen. Zu viele Konjunktive für wirkliche Zuversicht.

Nur einer versucht noch, ernsthaft Optimismus zu verschleudern – Trainer Ottmar Hitzfeld. „Wir können uns noch für die Zwischenrunde qualifizieren, auch wenn die Leute sagen, der Hitzfeld spinnt." Keine ganz abwegige Ahnung angesichts des Tabellenbildes. Seine Spieler scheinen da schon eher zu wissen, wer jetzt allein noch helfen kann. „Jetzt müssen wir hoffen, dass der liebe Gott wirklich ein Bayer ist", sagt Giovane Elber. Andere im Verein sind realistischer. Angesichts des zu erwartenden Einnahmeverlustes von rund 25 Millionen Euro denkt Vorstand Rummenigge schon weiter. „Wir haben konservativ geplant und kommen bei einem Ausscheiden nicht in die Bredouille. Aber es stellt sich die große Frage, ob man noch einen Kader von 24 Spielern braucht.“ Ein oder zwei davon könne man dann zur Winterpause abgeben.

Erklärungen fallen schwer. „Die schießen zweimal aufs Tor, zweimal ist der Ball drin“, sagte Elber. „Und Olli Kahn, die arme Sau, kann nichts machen.“ Eher schon hätten gegen Mailand wie auch gegen La Coruña oder Lens die Kollegen in der Abwehrreihe herzhafter zulangen müssen. Warum etwa ließ Robert Kovac vor dem entscheidenden 1:2 der Mailänder kurz vor dem Ende seinen Gegenspieler Serginho völlig ungestört flanken, nachdem er zuvor fast seit der Mittellinie neben ihm hergerannt war? Gegen La Coruña versagte mehrmals die Abseitsfalle, und auch in der Bundesliga kassierte der FC Bayern gegen unterlegene Gegner immer wieder Tore wie aus dem Nichts.

Und in der Offensive funktioniert auch nicht mehr, was früher so sicher kam wie ein Halbzeitpfiff oder der Sonnenuntergang. „Die Gegner stehen kompakt und defensiv, und damit kommen wir nicht klar. In den vergangenen Jahren haben wir immer zur richtigen Zeit das Tor gemacht und dann Glück gehabt“, sagt Jeremies. Und nun? Die Bayern mühen sich, spielen sich Chancen heraus, schießen dann aber knapp vorbei oder geraten an einen gut aufgelegten Torwart. Die Bayern sind offenbar vom Glück verlassen, das auch einen großen Teil an den vergangenen Erfolgen ausmachte. Es wird viele in Fußball-Deutschland freuen, speziell in Leverkusen und auf Schalke.

„Im Moment spielen wir gefällig, besser als der Gegner, aber wir gewinnen eben nicht“, sagt Michael Ballack. Vom weißen Ballett wollen sie natürlich nichts mehr hören. Und von Titeln auch nichts. „Wir müssen erst mal sehen, dass wir wieder ein Spiel gewinnen“, sagt Ballack. Und Robert Kovac, ein weiterer ehemaliger Leverkusener, wagte den bösen Vergleich: „Auch Leverkusen hat viele Jahre immer schön gespielt und nie einen Titel gewonnen.“ Immerhin hat Kollege Ballack bei Bayer einiges gelernt: „Selbstmitleid darüber, toll gespielt, aber nicht gewonnen zu haben, das darf überhaupt nicht aufkommen. Fußball ist immer noch: gewinnen, egal wie.“

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