Bayern - 1860 : Das kleine Elfmeterschießen

Der FC Bayern wirft den Lokalrivalen 1860 aus dem Pokal – durch zwei Strafstöße in allerletzter Minute.

Michael Neudecker
Roberto
Schwerstarbeit und harter Einsatz. -Foto: dpa

MünchenEs war die letzte Szene eines dramatischen Spiels mit Überlänge. Es war ein ganz eigenes Elfmeterschießen, das des Franck Ribéry.

In der allerletzten Minute der Verlängerung des Münchner Viertelfinalderbys im DFB-Pokal wartete alles auf das Glücksspiel vom Elfmeterpunkt. Da wurde Bayern Münchens Stürmer Miroslav Klose von 1860-Spieler Markus Thorandt gefoult – auf der Strafraumlinie oder kurz davor. Egal, Ribéry trat an, Ribéry traf – doch der Elfmeter wurde abgepfiffen und musste wiederholt werden. Wieder lief Ribéry an, wieder traf er. Der FC Bayern siegte damit 1:0 nach Verlängerung (0:0). Aber er spielte phasenweise gegen 1860 München so, als ginge es um gar nichts. Dabei ging es um viel – auf dem Rasen wie auf den Rängen.

Das 204. Lokalderby war ein besonderes – das erste Pflichtspielderby in der Arena, und dann noch eine K.o.-Partie mit einer atemberaubenden Dramatik. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung bei den Anhängern: Auf den Rängen versuchten sich die Fanblocks im Schreien von Schimpfwörtern zu übertönen. Und man sollte es bis in die letzte Minute der Verlängerung merken, die schließlich nötig wurde: Ja, es gibt sie doch, die Leidenschaft in der bei Bundesligaspielen zuweilen sterilen Münchner Arena.

Nur auf dem Rasen wollte das derbe Derby zunächst nicht zustande kommen. Die Bayern, bei denen Ribéry und Klose auf der Bank Platz nahmen und stattdessen Kroos und Podolski aufliefen, sie taten sich schwer gegen eine gut organisierte Löwen-Defensive. Es ergab sich zunächst nur eine Chance für Kroos, der aber alleinstehend über das Tor schoss. Hitzfeld reagierte: Er beorderte Kroos in die Zentrale und Podolski auf den Flügel, so dass die Bayern von da an mit Toni als einziger Sturmspitze spielten. Das half, die Bayern wurden in der zweiten Halbzeit besser – was auch daran lag, dass Franck Ribéry eingewechselt wurde, Opfer des Wechsels war der sehr agile Hamit Altintop. Luca Toni traf dann doch ins Tor – aber aus Abseitsposition. Weil die Bayern ansonsten weiterhin noch zu wenig Kreativität in der Offensive zeigten, begriffen die Löwen ihre Chance – sie wurden frecher und hielten das Remis fest, länger und immer länger. Hitzfeld reagierte wieder: Er holte den bemühten, aber glücklosen Kroos vom Platz und schickte Klose ins Spiel. Als die Partie dem Ende zuging und immer noch das 0:0 auf der Anzeigetafel leuchtete, wurden die Bayern nervöser. Was schließlich in der Gelb-Roten Karte für Luca Toni gipfelte: Toni schubste in der 84. Minute in einem Zweikampf ein wenig und wurde hart bestraft. In der 90. Minute forderten die Bayern Elfmeter, weil Lucio im Strafraum zu Fall kam, nachdem ihm Benjamin Schwarz ins Gesicht gegriffen hatte – vergeblich.

Nun war die Stimmung auch auf dem Rasen aufgeheizt. Und es gab Verlängerung. Hier hatten beide Mannschaften ihre Siegchancen, der kleine TSV 1860 und der große FC Bayern. Franck Ribéry provozierte noch mit einem theatralischen Faller eine Gelb-Rote Karte für Benjamin Schwarz. Nun waren beide Teams zu zehnt, nach Toren und Spielern herrschte Ausgeglichenheit bis zum Elfmeterschießen.

Bis zum kleinen Elfmeterschießen von Franck Ribéry.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben