Bayern auf Schalke : Extrem kurze Aufholjagd

Nach dem 0:2 bei Schalke 04 verabschiedet sich der FC Bayern allmählich von seinen Titelambitionen.

Richard Leipold
Allein vorm leeren Tor. Schalkes Benedikt Höwedes erzielt das entscheidende 2:0. Die Münchner bleiben wie angewurzelt stehen. Foto: firo
Allein vorm leeren Tor. Schalkes Benedikt Höwedes erzielt das entscheidende 2:0. Die Münchner bleiben wie angewurzelt stehen....Foto: firo Sportphoto

Felix Magath hatte Rücksicht genommen auf den FC Bayern. Vor dem Bundesligaspiel gegen den Deutschen Meister verzichtete der Trainer des FC Schalke 04 auf ein Training in der Arena und schonte das Grün – nicht zuletzt aus Gründen der Fairness. „Wir wollen den Bayern einen möglichst tollen, gut bespielbaren Rasen bieten“, sagte er süffisant. Im Frühjahr, nach einem hart umkämpften DFB-Halbfinale, hatte sich der Münchner Vereinspräsident Uli Hoeneß darüber beklagt, dass Schalke nur eine Art Flickenteppich bereitgestellt habe. Diesmal gab der Platz unter dem geschlossenen Dach der Arena keinen Anlass zur Klage – sondern das Auftreten der Bayern. Beim 0:2 (0:0) gegen die zuletzt janusköpfigen Schalker versäumten sie es in der ersten Hälfte leichtfertig, ihre Überlegenheit auszunutzen.

Nach der Pause entglitt den Münchnern das Geschehen, und Schalke gewann dank der Tore von Jose Manuel Jurado und Benedikt Höwedes.

„Ich finde diese Niederlage unglaublich“, sagte Louis van Gaal, der Trainer des FC Bayern. Sein Team besaß einige hundertprozentige Chancen, nutzte sie aber nicht. „Ich kann die Tore nicht selbst schießen“, sagte van Gaal. Die Aufholjagd der Münchner ist somit gestoppt, noch ehe sie richtig begonnen hat. Tabellenführer und Herbstmeister Borussia Dortmund kann mit einem Sieg an diesem Sonntag in Nürnberg den Vorsprung vor dem Titelverteidiger auf 17 Punkte ausbauen. Die Bayern verabschieden sich allmählich von ihren Meisterschaftsambitionen. „Es wird von Woche zu Woche schwieriger. Wenn wir realistisch sind, müssen wir eher auf den zweiten Platz schauen“, sagte van Gaal. Seine Mannschaft sei trotz der Niederlage stark genug, „einen Platz in der Champions League zu erobern“. So weit werden es die Schalker wohl nicht bringen. Aber nach dem überraschenden Coup haben sie, trotz Winterglätte und Rang 15, wieder etwas festeren Boden unter den Füßen.

Das Publikum fragte sich gespannt, wie die Schalker reagieren würden, nicht nur auf den Wintereinbruch, sondern auf das 0:5 in Kaiserslautern, das den Klub durchgeschüttelt und Felix Magath in Erklärungsnot gebracht hatte. „Das Ergebnis aus Kaiserslautern hat noch nachgeklungen“, sagte der Trainer. „In der ersten Halbzeit waren wir noch etwas zögerlich. Aber nach dem ersten Tor war die Mannschaft in einer ganz anderen Verfassung.“

Zunächst hatten die Bayern wesentlich angriffslustiger gewirkt. Bastian Schweinsteiger konnte Mitte der ersten Hälfte die bis dahin größte Chance der Partie aber nicht nutzen. Manuel Neuer im Tor des FC Schalke lenkte den Volleyschuss zur Ecke ab. Für die Bayern war das eine Art Zeichen zum Aufbruch. Ein paar Minuten später kam Mario Gomez dem Führungstreffer ähnlich nahe, zielte aber aus fünf Metern nicht genau genug. Dann stellte Toni Kroos den glänzend parierenden Nationaltorhüter zweimal auf die Probe. Die Bayern waren in Schwung gekommen, brachten aber im Abschluss nicht die nötige Präzision auf, so auch bei den Chancen für Schweinsteiger und Ribéry, die Pfosten und Außennetz trafen. So blieb der wie immer häufige Ballbesitz der Münchner in der ersten Hälfte folgenlos.

Die Schwächen im Abschluss sollten sich rächen. Als die Münchner Abwehr gegen Raul nicht konsequent genug eingeschritten war, stand Jurado richtig und nutzte die Vorarbeit mit Hilfe des Pfostens zum 1:0. Zuvor hätte schon Rakitic Schalke in Führung bringen können. Die Bayern verloren vollends die Kontrolle über ein Spiel, das ihnen lange keine Sorgen zu bereiten schien. Und Schalke baute den Vorsprung aus. Diesmal spielte Höwedes Doppelpass mit dem Pfosten, indem er einen Abpraller von der Aluminiumstange ins Tor drückte. Danach fiel den Bayern nichts mehr ein.

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