Bayern besiegt Werder : Der Staatsmann beliebt zu witzeln

Bayern besiegt dank der Tore von Bastian Schweinsteiger Bremen im Pokal, die Souveränität der letzten Saison fehlt ihm aber.

von
Knockout. Gegen Werder traf Bastian Schweinsteiger zweimal, das reichte dem FC Bayern für die nächste Runde. Foto: Gaspa Foto: GASPA
Knockout. Gegen Werder traf Bastian Schweinsteiger zweimal, das reichte dem FC Bayern für die nächste Runde. Foto: GaspaFoto: GASPA

Natürlich war Bastian Schweinsteiger erleichtert. Nach diesem Sieg, mit der Vorgeschichte und dem Spielverlauf, konnte es gar nicht anders sein. So ist die Psyche des Menschen nun einmal gestrickt. Aber man muss es ja nicht zugeben, dachte Schweinsteiger sich wohl – zumal ihm eine hübsche rhetorische Frage auf den Lippen lag: „Soll ich jetzt jedes Mal, wenn wir gewinnen, erleichtert sein?“, wollte er von den Fragestellern wissen. Und weil Schweinsteiger an diesem Abend der Sinn nach Schlagfertigkeit stand, gab er gleich noch einen zum Besten. Ob dieses 2:1 (1:1) gegen Werder Bremen, das dem FC Bayern den Teilnahmeschein fürs DFB-Pokal-Achtelfinale einbrachte, endlich der Wendepunkt gewesen sei in dieser Saison. „Wieso Wendepunkt? Im Pokal sind wir ja ungeschlagen.“

Aber Schweinsteiger ist längst viel zu sehr Fußball-Staatsmann, als dass er ein Spiel nur mit Witzchen nachbereiten würde. Er kennt schließlich die trübe Großwetterlage über der Säbener Straße. Und auch dieser Abend war ja wieder nur mäßig witzig gewesen aus Bayernsicht. Das 0:1 durch Claudio Pizarro nach nur zwei Minuten entsprang dem ersten von mehreren Totalaussetzern der Hintermannschaft. Und was gelang den Bayern nach vorne? „Wir spielen unsere Chancen einfach nicht gut genug heraus“, sagte Schweinsteiger. „Das ist die ganze Saison schon das Problem.“ Dass sich die Dinge dennoch zugunsten der Gastgeber wendeten, war mehreren glücklichen Fügungen geschuldet. Beim Abstauber zum Ausgleich profitierte Schweinsteiger nach einer knappen halben Stunden von den ebenfalls desorientierten Bremer Verteidigern, die teilweise wegen Abseitsverdachts den Dienst einstellten.

Mitte der zweiten Halbzeit überstanden die Bayern fünf Großchancen des Gegners binnen zehn Minuten, dank ihrer Torlatte, dank Unkonzentriertheiten von Marko Arnautovic und auch dank des Schiedsrichters, der nach einem Kopfballtor von Sebastian Prödl auf Freistoß statt Anstoß für Bayern erkannte. Das Offensivfoul allerdings war nur durch eine rot-weiße Brille als solches zu erkennen. Auch dem Mittelfeldchef Schweinsteiger gelang es in dieser abenteuerlichen Phase nicht, seiner Mannschaft Stabilität zu verschaffen. Sein Post-WM-Loch mag weniger tief sein als bei Philipp Lahm oder Thomas Müller, die unumschränkte Souveränität der vergangenen Saison fehlt ihm dennoch. Wenigstens kann Schweinsteiger noch schießen, sein Wumms aus knapp 30 Metern entschied eine Viertelstunden vor dem Abpfiff die Partie.

Fünf Tore hat Schweinsteiger in dieser Saison erzielt, allesamt spielentscheidend: zum Ligastart in der 90. Minute das 2:1 gegen Wolfsburg, beim Champions-League-Spiel in Basel beide Treffer zum 2:1, jetzt die zwei gegen Bremen. Er ist, zusammen mit Mario Gomez, Bayerns bester Torschütze und erhält die Hoffnung, dass nach diesem verkorksten ersten Ligaviertel – in dem auch Schweinsteiger mehrmals schwach spielte – noch etwas werden kann aus der Saison. „Basti ist eine große Persönlichkeit in der Mannschaft. Das zeichnet solche Spieler aus: dass sie da sind, wenn es brenzlig wird“, sagt der an sich wenig überschwängliche Torhüter Jörg Butt.

Natürlich strahlt Schweinsteigers Reifung über die Landesgrenzen hinaus. Real Madrids Trainer José Mourinho wüsste den 26-Jährigen gern in seinen Reihen. Und nun soll auch Manchester Uniteds Übervater Sir Alex Ferguson interessiert sein, ihn zum Nachfolger seines inzwischen 35 Jahre Ziehsohns alten Paul Scholes zu küren. Schweinsteigers Vertrag läuft bis 2012, Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger sagt prophylaktisch: „Es gibt keine Ablösesumme, bei der wir schwach werden könnten.“ Eine plausible Aussage – der Klub braucht kein Geld. Und Schweinsteiger gehört zum Markenkern des Klubs. Aber das Münchner Eigengewächs hat während der Weltmeisterschaft auch mal fallen lassen: „Ich bin nicht mit dem FC Bayern verheiratet.“

Im Hintergrund spielen solche strategischen Überlegungen immer eine Rolle. Aber momentan ist auf dem Transfermarkt Nebensaison. Und der Spielplan bietet genug Ablenkung. Schon am Freitag treffen die Bayern zu Hause auf Freiburg, danach folgen in der Liga Mönchengladbach und Nürnberg. „Diese drei Spiele müssen wir unbedingt gewinnen“, sagt Schweinsteiger. Denn jeder Sieg bringt ein bisschen mehr Erleichterung in diesem beschwerlichen Herbst, ob er es zugibt oder nicht.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben