Bayern - Dortmund : Im DFB-Pokalfinale geht es auch um WM-Stammplätze

Am Samstag stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund als Rivalen gegenüber. Zum einen wegen des DFB-Pokals, zum anderen wegen der WM-Stammplätze. Bayerns Spieler Jerome Boateng konkurriert zum Beispiel mit dem Dortmunder Mats Hummels.

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Jerome Boateng ist ein Mann mit Prinzipien. „Familie kriegt alles“, sagt er. Seine Verwandten sind bei der Zuteilung von Eintrittskarten für das DFB-Pokalfinale am Samstag bevorzugt behandelt worden. Der Rest seines persönlichen Kontingents wurde streng nach Eingang der Meldungen unters Volk gebracht. Insgesamt 30 Kartenwünsche konnte Boateng, der Innenverteidiger des FC Bayern München, befriedigen, noch einmal so viele musste der gebürtige Berliner allerdings abschlägig bescheiden.

Bei diesem Duell ist das allgemeine Interesse so groß, dass nicht mal persönliche Beziehungen zu einem direkt Beteiligten helfen, um noch ins Olympiastadion zu kommen. Bayern München gegen Borussia Dortmund – das ist derzeit das größte denkbare Ding im deutschen Fußball. Es ist aber auch so etwas wie ein Familientreffen der deutschen Nationalspieler. Von den 27 Spielern, die kommende Woche zur WM-Vorbereitung nach Südtirol reisen, könnte am Samstag fast die Hälfte im Olympiastadion auf dem Platz stehen: sieben Bayern und sechs Dortmunder.

Große Spiele zwischen Dortmund und Bayern
In der Vergangenheit gab es zwischen Bayern München und Borussia Dortmund einige denkwürdige Spiele. Unvergessen: Das Spiel am 3. April 1999 - im Mittelpunkt: Bayern-Keeper Oliver KahnWeitere Bilder anzeigen
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28.04.2015 19:11In der Vergangenheit gab es zwischen Bayern München und Borussia Dortmund einige denkwürdige Spiele. Unvergessen: Das Spiel am 3....

Erst Rivalen, dann im selben Team

Man kennt sich, aber das muss nicht zwangsläufig heißen, dass man sich auch mag. So etwas kommt gerade in den besten Familien vor. In den vergangenen fünf Jahren haben beide Klubs die Meisterschaft unter sich ausgemacht; im dritten Jahr hintereinander treffen sie jetzt auch im DFB-Pokal aufeinander (zweimal im Endspiel, einmal im Viertelfinale), dazu standen beide vor einem Jahr im Finale der Champions League. Die Sache ist ernst, und die Rhetorik wird jetzt wieder zunehmend kriegerischer. „Ich erwarte, dass eine Gruppe auf dem Platz steht, in der jeder Einzelne sagt: „Ich sterbe für meinen Mitspieler’“, sagt Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer.

Das interessierte Fußballvolk hegt ein wenig die Sorge, dass die Feindseligkeiten über das Finale hinaus andauern. Es ist ja für Außenstehende schwer zu verstehen, dass sich die Spieler am Samstag als erbitterte Rivalen gegenüberstehen – und ab Mittwoch in trauter Eintracht den gemeinsamen WM-Traum verfolgen. „Das sind zwei Sachen“, sagt Jerome Boateng. „Außerdem liegen ja auch noch ein paar Tage dazwischen.“

Boateng gibt sich selbstkritisch

Boateng könnte der Zweikampf mit dem BVB auch noch durch die WM-Vorbereitung und das Turnier in Brasilien begleiten. Nach Lage der Dinge ist Per Mertesacker vom FC Arsenal bei Bundestrainer Joachim Löw wieder als feste Größe in der Innenverteidigung eingeplant. Damit bliebe nur noch ein Platz übrig, um den Boateng mit dem Dortmunder Mats Hummels konkurriert. „Ab nächster Woche können wir uns im Training empfehlen“, sagt Boateng. Eine starke Leistung im Pokalfinale wäre aber wohl auch nicht schädlich, „das wäre es ganz sicher nicht“.

Boateng ist „selbstkritisch genug“, um zu wissen, dass er in den letzten Wochen „nicht so gut wie vorher“ war. Gerade in den Spielen gegen Real Madrid sah der 25-Jährige nicht besonders glücklich aus. Die Dummheit in Hamburg, als er wegen einer Tätlichkeit Rot sah, hat zudem seine Kritiker in der Ansicht bestätigt, dass Boateng immer noch zu viele vermeidbare Fehler unterlaufen. Er selbst sagt, er habe alles ausreichend analysiert und sei auf dem richtigen Weg. Das gelte auch für die Mannschaft. „Wir haben viele Sachen wieder verbessert“, findet Boateng. „Im Training hat der Trainer neue Reize gesetzt.“ Reize sind vor einem Spiel gegen Dortmund immer gut.

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