Sport : Bayern dreht das Spiel in Unterzahl Die Münchner schlagen den VfL Bochum 3:1

Bayerns van Bommel wurde schon früh vom Platz gestellt

Michael Neudecker[München]

Michael Weiner lächelte, wie ein fürsorglicher Vater sah er aus, als er am Sonntag die Münchner Arena verließ. Ob denn diese Gelb-Rote Karte gegen Mark van Bommel nicht etwas hart gewesen sei, wollte ein Reporter wissen. Weiner strich ihm mitleidig über den Arm, „wissen Sie“, sagte er, „sechs Fouls, da gibt es halt Gelb- Rot“. Dann ging er, warum hätte er sich auch noch länger mit dem Thema aufhalten sollen: Seine Entscheidung, Mark van Bommel schon nach 27 Minuten vom Platz zu schicken, blieb ohne Folgen für den FC Bayern. Die Münchner gewannen auch so gegen den VfL Bochum souverän mit 3:1.

„Es ist sehr interessant, vor allem psychologisch, wie die Mannschaft mit zehn Mann gespielt hat“, sagte Oliver Kahn. Er hatte Recht: Die Bayern waren zu zehnt richtig gut, sie gewannen verdient, nachdem sie zunächst in Rückstand geraten waren: In der vierten Minute hatte Mimoun Azaouagh aus rund 20 Metern den Ball unhaltbar unter die Torlatte gezirkelt. So ging es weiter: Es wurde ein zu keinem Zeitpunkt langweiliges Spiel. Und dann stand van Bommel im Mittelpunkt.

Gewiss, der Holländer hatte Oliver Schröder gefoult, und er hatte auch zuvor seine gewohnt robuste Zweikampfführung gezeigt. Insgesamt aber war Weiners Entscheidung wohl etwas zu hart. „Ich finde es ein bisschen komisch, da Gelb-Rot zu bekommen“, sagte van Bommel. Dabei beließ er es: „Die Schiedsrichter lesen ja auch Zeitung.“

Zu zehnt und mit viel Wut im Bauch wurden die Bayern jedoch zusehends besser, so dass es nur eine logische Konsequenz des Spielverlaufs war, dass sie die Partie vollends drehten. Nur vier Minuten nach dem Platzverweis traf Lucio per Kopf zum Ausgleich, in der 74. Minute brachte Ribéry die Bayern per Handelfmeter in Führung, und Christian Lell stellte schließlich in der 88. Minute den Endstand her. Es war Lells erstes Bundesligator für die Bayern, aufgelegt per Hacke durch den für Lukas Podolski eingewechselten Miroslav Klose. „Erst heute Mittag haben wir noch gequatscht“, erzählte Lell, „da hab ich gesagt, ich würde auch gern mal ein Tor machen, darauf Miro: Hast Du noch nicht? Und ich: Nee. Na und dann hat er mir eins aufgelegt.“ Die Bayern waren gut gelaunt am Sonntagabend.

„Deutscher Meister wird nur der FCB“, sangen die Fans immer wieder. Es wäre ein Wunder, würden sie nicht Recht behalten: Der Vorsprung der Bayern an der Tabellenspitze beträgt nun schon neun Punkte.

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