Sport : Bayern entspannt sich Ohne Mühe kommen die Münchner dem Ziel näher

Michael Neudecker[München]

Er hatte es wieder getan: Ottmar Hitzfeld hatte die Besetzung der Anfangsformation ein bisschen verändert, weshalb ein eigentlich schon angestaubtes Wort nun ein beeindruckendes Comeback feierte und in all seinen grammatikalischen Ausprägungen beste Chancen hat, zum Fußballwort des Jahres zu werden: Rotation. Selbstverständlich benutzt auch Ottmar Hitzfeld dieses Wort ganz gerne mal wieder. ,,Wenn man rotiert und es geht gut, geht man zur Tagesordnung über“, sagte er also nach dem 2:0-Sieg seines FC Bayern gegen den Karlsruher SC. ,,Geht es schief, ist der Trainer der Depp.“ Doch es ging gut, und weil die Konkurrenz aus Bremen am Wochenende zeitgleich in Stuttgart mit 3:6 unterlag, ist der Trainer Hitzfeld nun der Held und, so scheint es, mal wieder der Meistermacher von München.

,,Wir haben jetzt eine vernünftige Distanz auf den zweiten Platz“, stellte Bayern-Manager Uli Hoeneß fest. Er sprach ruhig, gefasst, nicht euphorisch – das Spiel hatte ihm ja auch keinen Anlass zur Euphorie gegeben. Der 2:0-Sieg gegen Karlsruhe war ordentlich, ungefährdet, das schon, ,,aber nicht brillant'“, sagte Hoeneß. Und das war auch schon die Nachricht des Tages: Die Bayern benötigten nicht einmal Brillanz, um diesen großen Schritt in Richtung Titelgewinn zu tun.

Wenngleich die Münchner selbst davon wenig wissen wollten. Ein großer Schritt? Nein, das sei das nicht gewesen, sagte Hoeneß, und sagte auch Hitzfeld. Gewiss, es sei jetzt eine ,,bessere Situation als vorher“, sagte der Bayern-Manager. „Es ist aber sicherlich keine Vorentscheidung“, fand Hitzfeld. Sieben Punkte Vorsprung, die hätten schließlich ,,schon ganz andere Mannschaften verspielt“, sagte Torwart Oliver Kahn. Im Grunde stimmt das ja auch – sieben Punkte Vorsprung können bei elf verbliebenen Spieltagen schnell wieder verschwinden. Außerdem ist ja der Hamburger SV auch noch im Rennen (das Spiel in Leverkusen war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Theoretisch jedenfalls. Praktisch sieht es so aus: Die Bayern treffen kommendes Wochenende auf Energie Cottbus, den Tabellenletzten, und Werder Bremen empfängt den VfL Wolfsburg, der aus den letzten sieben Spielen 16 Punkte holte.

Sie haben einfach die überragende Mannschaft der Saison, die Münchner. Die Bayern haben nicht nur den teuersten und besten Kader, sie haben auch die überragenden Einzelkönner. Toni trifft und trifft, seinem 14. Saisontor gegen Karlsruhe war so herausragend wie die Solo-Nummer von Ribéry gegen fünf KSC-Spieler inklusive Torabschluss durch die Beine von Martin Stoll. Bei den Ovationen auf den Franzosen wagte sich Kahn am bislang weitesten vor: „Franck ist ein traumhafter Spieler. Man kann ihn mit Zidane vergleichen.“ Ribéry spiele zwar „einen anderen Stil“, aber technisch auf ähnlichem Niveau und in punkto Tempo sogar in einer ganz neuen Dimension, schwärmte Torwart Oliver Kahn verzückt.

Mit ihren Stars haben sie nun wieder einmal die Entscheidungshoheit über die Meisterschaft bei den Bayern. Wenn schon nicht euphorisch, so waren die Münchner allerdings zumindest erleichtert. Chancen wie diese – selbst nachhaltig zu punkten, während die Konkurrenz verliert – haben sie schließlich schon so manche ungenützt verstreichen lassen. Etwa am 21. Spieltag: Bremen verlor in Frankfurt, und die Bayern erreichten nur ein 1:1 gegen Hamburg. ,,Es ist gut, dass wir die Gelegenheit diesmal genutzt haben“, sagte Hitzfeld zu seinem 150. Sieg als Bayern-Trainer in seinem insgesamt 450. Bundesligaspiel.

Als alles gesagt war, verabschiedete sich Hitzfeld wie immer höflich und ging. Es war eine überaus erfolgreiche Woche für ihn: 1:0 gegen Schalke, 5:0 gegen Anderlecht, 2:0 gegen den KSC. Hitzfeld wirkte gelassen und entspannt, vermutlich war er es auch. (mit dpa)

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