Bayern - Frankfurt 2:1 : Daneben, drüber, doch noch drin

Nach vielen Chancen und einem 0:1-Rückstand besiegt der FC Bayern München in der Schlussphase die Frankfurter Eintracht doch noch 2:1.

Thomas Becker[München]
FC Bayern Muenchen - Eintracht Frankfurt
Wieder da. Arjen Robben hängt Maik Franz ab.Foto: ddp

Dass die Partie lange Zeit auf dem Weg in die Geschichtsbücher war, sah man ihr zunächst überhaupt nicht an. Zwei torlose Heimspiele hatte der FC Bayern vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt erlebt – drei in Serie hat es in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben. Gab es letztendlich nun auch nicht, auch wenn es eine Stunde lang ganz danach aussah. Bayern stürmte und drückte, traf aber zunächst nicht. Am Ende stand ein erst in der zweiten Halbzeit packendes 2:1 (0:0) gegen eine unbequeme Frankfurter Eintracht. Bayern-Coach Louis van Gaal zeigte sich nach dem späten Sieg „sehr zufrieden mit meinen Wechseln heute“ und überhaupt stimmungsmäßig recht unaufgeregt: „Wir haben innerhalb einer Woche vier Punkte auf die Tabellenspitze gutgemacht – und jetzt warten wir, wie morgen Hamburg und Schalke spielen.“

Vor dem Anpfiff war die Stimmung beim FC Bayern mit „angespannt“ noch wohlwollend beschrieben. Der Wunsch oder vielmehr die dringende Notwendigkeit, im heimischen Stadion drei Punkte zu holen, drang durch jede Bayern-Ritze. Aufsichtsratsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte von van Gaal vernehmlich „auch kurzfristig Erfolge“ gefordert und in der Stadionzeitung von „unserem nicht so gelungenen Start in die Bundesliga-Saison“ geschrieben. Selbst das Super-Ego van Gaal musste einräumen, dass seine Fähigkeiten wider aller Erwartungen doch begrenzt sind: „Ich bin kein Gott.“ Na, so was.

Der somit wieder Geerdete schickte bis auf Danijel Pranjic für Hamit Altintop zehn der elf Verlierer aus dem Champions-League-Spiel in Bordeaux aufs Feld; auch Thomas Müller und Daniel van Buyten, die in Frankreich vom Platz geflogen waren, durften mittun. Engagiert waren sie von Beginn an alle – allein: Es fehlte mal wieder das so genannte zählbare Ergebnis. Der in der Bundesliga seit gefühlten 47 Spieltagen torlose Miroslav Klose hatte in Minute sechs die erste Torgelegenheit, schoss aus der Drehung aber knapp am langen Pfosten vorbei.

Statt Mario Gomez stürmte wieder Luca Toni an Kloses Seite. Sinnbildlich für sein Zu-viel-Wollen stand die Szene in der 20. Minute. Bastian Schweinsteiger hatte ihm eine prima Flanke in den Strafraum geschickt, der Italiener hatte ausnahmsweise keine Frankfurter Verteidigerklette an sich hängen, sondern viel Platz und Zeit. Doch statt im Eck landete sein Kopfball neben dem Kasten – Toni wollte es zu gut, zu genau machen.

Tonis vergebene Chance war Teil der besten Bayern-Phase in Halbzeit eins – sie dauerte etwa fünf Minuten. Klose und Toni hatten mehrere gute Möglichkeiten, schön herausgespielt, doch der Torschuss glückte weiterhin nicht. Natürlich kam dann auch noch Pech dazu: Als Luca Toni in der 43. Minute mit einem schönen Linksschuss endlich einmal Frankfurts Keeper Oka Nikolov überwunden hatte, stand der Pfosten im Weg. Wieder nichts. Die 69 000 Zuschauer nahmen den Halbzeitpfiff zum Anlass, ordentlich mitzupfeifen.

Auch nach dem Wechsel gab es anstürmende Bayern, die das Tor nicht trafen. Mit Arjen Robben wechselte van Gaal in der 59. Minute die Hoffnung ein – dachten die Fans. Eine Minute später fiel das Tor – für Frankfurt. Alexander Meier stand plötzlich frei vor Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt und schob den Ball kühl ins lange Eck. Van Gaal reagierte sofort, nahm Anatoli Timoschtschuk vom Feld und schickte auch noch Mario Gomez in den Sturm. Ein paar Minuten später zahlte sich der Mut zur Offensive aus: Nach einem Patzer von Nikolov im Luftkampf mit Gomez staubte Arjen Robben in der 70. Minute zum 1:1 ab.

Zu mehr als diesem dürftigen Remis reichte es erst in der 88. Minute, als dem von van Gaal kurzerhand zum Mittelstürmer umfunktionierten Daniel van Buyten per Kopf doch noch der Siegtreffer gelang. Der Belgier kommentierte seinen Treffer gewohnt bescheiden: „Der Trainer hat mir das Zeichen gegeben, und ich habe gesagt: Okay, kein Problem.“

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